Thai Wein Thailand
Thailändischer Wein - Zwischen Monsun und Merlot
Teuer, exotisch, unterschätzt: Die neue Weinkultur in Thailand
Wie Thailand zum Wein kam
Tropen und Wein
Wo wächst Wein
Welche Trauben
Warum so teuer?
Thai-Wein Zukunft
Kommentar
Und trotzdem: Thailand macht seit Jahren ernst. Nicht als globaler Massenproduzent (das wird’s nie), sondern als kleine, manchmal luxuriöse, manchmal charmant-chaotische Nische. Und genau das macht es spannend.
Wie Thailand zum Wein kam
Thailand hat keine jahrhundertealte Weintradition wie Frankreich oder Italien, sondern eine vergleichsweise junge und moderne Weingeschichte. Über lange Zeit war Wein vor allem ein Importprodukt und spielte im Alltag kaum eine Rolle. Getrunken wurde er in erster Linie dort, wo internationales Publikum und westlich geprägte Esskultur zusammenkamen: in gehobenen Hotels, bei diplomatischen Anlässen, in wohlhabenden Kreisen mit internationalem Lifestyle – und bei Expats, die ihr Abendessen lieber mit einem Glas Wein begleiteten, statt es mit Soda-Whisky „aufzuwerten“.Der echte Startschuss für Weinbau in Thailand kam erst spät – vor allem ab den 1980er- und 1990er-Jahren, als einige Unternehmer beschlossen: Wenn wir in Thailand Golfplätze bauen können, können wir auch Wein machen. (Ein Satz, der je nach Tagesform nach Vision oder Größenwahn klingt.) Die meisten heute bekannten Thai-Weingüter sind also keine uralten Familienbetriebe, sondern moderne Projekte, oft mit starkem Marketing, Tourismus-Charakter und dem Anspruch, international ernst genommen zu werden.
Wenn man grob zusammenfasst: Thailand produziert Wein seit einigen Jahrzehnten, aber die wirklich sichtbare Phase – die, in der Thai-Wein in Restaurants auftauchte, Medaillen gewann und Touristen anlockte – läuft seit den 2000ern deutlich stärker. In den 2010ern wurde Thai-Wein dann zunehmend „normaler“: nicht Alltagsgetränk, aber als Lifestyle-Produkt. Und heute? Heute ist er eine kleine, stabile Szene mit Fans, Skeptikern und einem ordentlichen Preisschild.
Tropen + Wein = kompliziert
Weinreben sind eigentlich ziemlich anspruchsvolle Charaktere: Sie mögen kühle Nächte, klare Jahreszeiten, eine trockene Erntezeit, möglichst wenig Pilzkrankheiten und vor allem keine dauerhafte Feuchtigkeit. Thailand liefert allerdings fast das komplette Gegenprogramm – mit hohen Temperaturen, Monsunregen, schwülwarmer Luft, permanentem Pilzdruck und Wachstumsbedingungen, bei denen die Rebe gefühlt dreimal pro Jahr denkt: „Ah, Frühling, legen wir wieder los!“Genau daraus entsteht das, was man in der Szene gern „tropical viticulture“ nennt: tropischer Weinbau, der mit völlig anderen Methoden funktioniert als in Europa. Ein wichtiger Kniff ist dabei zum Beispiel das gezielte Timing des Rebschnitts, damit die Trauben zur „richtigen“ Jahreszeit reifen – häufig so, dass die Ernte in eine möglichst trockene Phase fällt.
Wo wächst Wein in Thailand?
Thailand gehört zu den sogenannten „New Latitude Wines“, also zu jenen Ländern, die Wein außerhalb der klassischen Weinbauzonen produzieren und dabei eigene Wege finden müssen, um aus Tropenklima trinkbaren Wein zu machen. Der Weinbau beschränkt sich auf vorwiegend folgende Gegenden:Nakhon Ratchasima
Das bekannteste und am stärksten etablierte Weinbaugebiet Thailands ist ohne Zweifel Khao Yai, genauer gesagt die Region rund um Pak Chong in der Provinz Nakhon Ratchasima. Für viele Menschen aus Bangkok ist Khao Yai weniger „Weinregion“ im klassischen Sinne, sondern vor allem ein attraktives Wochenendziel, bei dem Natur, gutes Essen und ein Hauch Lifestyle zusammenkommen. Die Lage ist relativ hoch im Vergleich zum flachen Zentral-Thailand, wodurch es spürbar etwas kühler wird – zumindest so kühl, wie es in Thailand eben werden kann.Genau diese etwas gemäßigteren Temperaturen und die insgesamt angenehmere Atmosphäre machen Khao Yai so geeignet für Weintourismus. Rund um die Weinberge findet man eine dichte Mischung aus Resorts, stilvollen Restaurants und Ausflugsangeboten, die sich perfekt an das urbane Wochenendpublikum richten. Viele Weingüter setzen hier bewusst auf Erlebnis und Inszenierung: Verkostungen, Führungen durch die Weinberge, Fotospots mit mediterranem Flair, in Toskana-Stil erbaute Dörfchen und Hotels und ein Gesamtgefühl, das gern als „ Toscana-Vibes im Isaan“ verkauft wird.
Prachuap Khiri Khan
Eine zweite wichtige Region ist die Gegend um Hua Hin und Pranburi in der Provinz Prachuap Khiri Khan. Hier verbindet sich Weinbau mit klassischem Strandurlaub: Viele Reisende kommen ohnehin wegen des Meeres, der entspannten Atmosphäre und der Nähe zu Bangkok, und ein Besuch im Weingut wird dann zum zusätzlichen Programmpunkt zwischen Pool, Seafood und Sonnenuntergang. Gleichzeitig gilt diese Region als klimatisch anspruchsvoll, weil die Nähe zur Küste andere Wetterbedingungen mit sich bringt. Das macht den Anbau nicht unmöglich, aber er verlangt konsequente Pflege, gute Planung und Erfahrung im Umgang mit Feuchtigkeit und Hitze.Chiang Mai
Im Norden Thailands, insbesondere rund um Chiang Mai, gibt es ebenfalls Weinprojekte – oft kleiner, experimenteller und weniger stark touristisch inszeniert als in Khao Yai. Die Region kann in bestimmten Höhenlagen klimatisch interessanter sein, weil es dort zeitweise etwas kühler wird, was für Reben grundsätzlich ein Vorteil sein kann. Dennoch ist der Norden bislang kein großes Produktionszentrum, sondern eher eine Bühne für einzelne Betriebe, die sich in einer Nische positionieren und teilweise sehr bewusst auf Qualität statt Masse setzen.Daneben existieren in verschiedenen Teilen des Landes weitere kleinere Weininitiativen, etwa in Zentral- oder Nordthailand, die aber selten große Aufmerksamkeit erhalten.
Insgesamt lässt sich deshalb ziemlich klar sagen: Khao Yai ist das Schaufenster des thailändischen Weins – dort findet man die stärkste Konzentration, die bekanntesten Namen und den größten Erlebnisfaktor. Alles andere ist eher ergänzend: kleiner, spezieller und oft mehr für Kenner oder neugierige Reisende, die bewusst abseits der typischen Routen nach ungewöhnlichen Weinstandorten suchen.
Welche Trauben wachsen in Thailand?
Thailand setzt stark auf Rebsorten, die hitzetolerant, relativ resistent gegen Krankheiten sind, und auch unter tropischen Bedingungen aromatisch bleiben.Häufige weiße Sorten
- Chenin Blanc (sehr beliebt, funktioniert oft gut)
- Colombard
- Sauvignon Blanc (kann gut sein, aber tricky in der Hitze)
- Chardonnay (funktioniert, wenn man sauber arbeitet)
- teils Viognier (bei manchen Projekten)
Häufige rote Sorten
- Shiraz / Syrah (eine der typischen Thai-Rotwein-Sorten)
- Cabernet Sauvignon (oft vorhanden, nicht immer elegant)
- Merlot
- manchmal Tempranillo
Man darf sich das nicht wie Bordeaux vorstellen - eher wie: "Was kann in diesem Klima überleben UND schmecken?"
Weißwein
Thai-Weißweine können richtig angenehm sein: fruchtig, unkompliziert und oft mit einem leicht tropischen Charakter, der im warmen Klima erstaunlich gut funktioniert. Besonders Chenin Blanc gilt häufig als „sicherer Griff“, weil diese Rebsorte in Thailand oft zuverlässig trinkbare, frische Ergebnisse liefert.Rosé
Rosé ist in Thailand fast schon logisch, denn warmes Wetter, leichte Küche und viel Outdoor-Lifestyle schreien förmlich nach einem Wein, der unkompliziert und erfrischend ist. Thai-Rosés passen besonders gut zu Seafood, Som Tam und dieser typischen Sundowner-Stimmung, wenn der Tag langsam im Abendlicht verschwindet.Rotwein
Rotwein ist in Thailand der schwierigste Bereich, weil hohe Temperaturen schnell dafür sorgen können, dass Weine sehr reif und „rund“ wirken. Das äußert sich oft in einer marmeladigen Frucht, weicheren Strukturen und weniger Säure, wodurch manche Rotweine etwas schwerer und wärmer im Stil werden. Trotzdem gibt es thailändische Rotweine, die durchaus Spaß machen – sie wirken allerdings häufig eher wie ein typischer „New World warm-climate“-Style als wie ein klassisch europäischer Rotwein.Schaumwein / Sparkling
Schaumwein ist besonders spannend, weil er Frische und Leichtigkeit in den Vordergrund stellt – und genau das ist in Thailand oft ein Vorteil. Einige lokale Sparkling-Varianten sind überraschend charmant und passen hervorragend zu warmen Abenden, auch wenn sie in der Regel nicht auf dem Niveau großer Champagnerhäuser spielen.Dessertwein / Experimente
Daneben gibt es auch süßere Weine und verschiedene Spezialprojekte, bei denen gerne experimentiert wird. Diese Varianten sind oft vor allem für neugierige Reisende interessant und als Erlebnis gedacht, haben sich aber bisher nicht in dem Maße als Klassiker etabliert wie Weißwein, Rosé oder die leichteren Sparkling-Stile.Warum ist Thai-Wein so teuer?
Das ist eine der häufigsten Fragen – und die Antwort ist im Grunde ziemlich simpel. Tropischer Weinbau kostet deutlich mehr als in klassischen Weinregionen, weil die Reben intensiver gepflegt werden müssen, das Risiko höher ist und Wetter, Pilzbefall oder Regen zur falschen Zeit schneller zu Ausfällen führen.Dazu kommt, dass Thailand insgesamt nur vergleichsweise kleine Mengen produziert: Wenn ein Weingut nicht riesige Volumina abfüllt, wird jede einzelne Flasche automatisch teurer, weil die Fixkosten nicht so stark verteilt werden können. Außerdem investieren viele Betriebe in moderne Kellertechnik, externe Beratung und teils auch internationale Önologen oder Schulungen, um die Qualität unter schwierigen Bedingungen überhaupt stabil hinzubekommen.
Und schließlich spielt auch die Steuer- und Alkoholpolitik eine Rolle: Thailand erhebt traditionell relativ hohe Abgaben auf Alkohol, was nicht nur Importweine betrifft, sondern auch den lokalen Markt preislich nach oben schiebt. Das Ergebnis ist oft ein Thai-Wein, bei dem man kurz denkt: „Für das Geld bekomme ich in Europa aber etwas richtig Ordentliches.“ Stimmt – aber in Thailand zahlst du eben nicht nur für den Inhalt der Flasche, sondern auch für Exotik, Regionalität und ein Weinprojekt, das unter Tropenbedingungen überhaupt erst möglich gemacht wird.
Thai-Wein Zukunft
Entsteht in Thailand eine echte Weinkultur? Ja – aber sie wächst nicht wie in klassischen Weinländern über Generationen und Traditionen, sondern eher langsam, selektiv und vor allem dort, wo Urbanität, internationale Einflüsse und ein gewisser Lifestyle zusammenkommen. Thailand hat Wein nicht als historisch verankertes Alltagsgetränk entwickelt, sondern als modernes Genussprodukt, das sich nach und nach in bestimmte Milieus und Regionen hineinzieht. Wer also erwartet, dass in jedem Dorf abends eine Flasche geöffnet wird wie in Südfrankreich, wird enttäuscht. Wer aber versteht, dass Weinkultur auch eine Frage von Gewohnheiten, Umgebung und sozialem Rahmen ist, sieht ziemlich schnell: Da entsteht gerade etwas – nur eben auf thailändische Art.Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung in Umgebungen, in denen internationale Küche verbreitet ist und ein Publikum unterwegs ist, das Genuss, Status und „modernes Leben“ gern miteinander verbindet. Das sind vor allem größere Städte und touristische Zentren, in denen gehobene Restaurants, Hotelbars und Fine-Dining-Konzepte ein Umfeld schaffen, in dem Wein nicht nur „passt“, sondern gewissermaßen als Teil des Gesamterlebnisses dazugehört. In Bangkok ist Wein in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden, nicht zuletzt durch Wine Bars, internationale Gastronomie und ein Publikum, das neugierig genug ist, sich auf neue Stile einzulassen.
Auch Phuket spielt eine wichtige Rolle, weil hier viele internationale Gäste unterwegs sind und sich Restaurantangebote entsprechend ausrichten – mit Weinkarten, die nicht nur europäische Klassiker anbieten, sondern zunehmend auch regionale und lokale Optionen. Chiang Mai hat eine kleinere, aber durchaus lebendige Szene, oft etwas entspannter und weniger glamourös als Bangkok, dafür mit einer gewissen kulinarischen Experimentierfreude. Und auch Orte wie Pattaya oder Hua Hin profitieren von einem Resortpublikum, das Wein gern in das Urlaubsgefühl einbettet: Abendessen am Meer, westliche Küche, leichte Weine – das funktioniert erstaunlich gut.
Wichtig ist dabei, dass Wein in Thailand häufig nicht als Alltagsgetränk verstanden wird, sondern als etwas Besonderes. Viele konsumieren Wein eher als Genussprodukt, als Statussymbol oder als Teil einer westlich geprägten Esskultur, die man mit einem gewissen Anspruch verbindet. Wein wird außerdem gern als Geschenk gekauft – nicht unbedingt, weil man die feinsten Lagen unterscheiden kann, sondern weil er als hochwertig, international und „gut“ gilt. Das macht die Weinkultur in Thailand in gewisser Weise anders als in Europa: weniger selbstverständlich, aber oft bewusster inszeniert. Es geht nicht nur darum, etwas zu trinken, sondern auch darum, ein Lebensgefühl zu kaufen – und manchmal auch zu zeigen.
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist die Frage, ob Thai Food überhaupt mit Wein funktioniert. Viele denken automatisch: scharfes Essen und Wein – das beißt sich. Tatsächlich kann Wein zu thailändischer Küche sehr gut passen, man muss nur die Auswahl an den Geschmack anpassen. Aromatische Weißweine, leicht fruchtige und nicht knochentrockene Stile, frischer Rosé oder ein leichter Sparkling funktionieren oft deutlich besser als ein schwerer, tanninreicher Rotwein.
Wer schon einmal ein Glas leicht gekühlten Weißwein zu Seafood, gegrilltem Fisch oder auch zu Som Tam probiert hat, merkt schnell: Das kann richtig Spaß machen. Thai Küche ist komplex, oft süß-sauer-scharf, manchmal kräutrig, manchmal rauchig – und genau das verlangt nach Weinen, die Frische mitbringen und nicht versuchen, „dominant“ zu sein. Es ist weniger eine klassische europäische Food-Pairing-Logik, sondern eher ein Spiel mit Leichtigkeit, Frucht und Balance.
Neben der urbanen Szene ist vor allem der Tourismusfaktor entscheidend. Ein großer Teil des Thai-Wein-Booms passiert nicht nur über Konsum, sondern über Erlebnisse. Viele Weingüter in Thailand sind gleichzeitig Ausflugsziel, Restaurant, Fotospot, Eventlocation und Verkostungszentrum. Man fährt nicht nur hin, um Wein zu trinken, sondern um einen kleinen Trip zu erleben: Natur anschauen, gut essen, ein paar Fotos machen, kurz raus aus der Stadt. Besonders rund um Khao Yai ist das längst ein etabliertes Wochenendprogramm geworden – ein Stück „Mini-Urlaub“ für Bangkok, inklusive mediterraner Kulisse, gepflegter Atmosphäre und dem Gefühl, sich für ein paar Stunden aus der tropischen Realität herauszubewegen. Wein ist hier nicht nur Produkt, sondern Bühne.
Wenn man in die Zukunft schaut, ist ziemlich klar: Thailand wird kein Weinland werden, das die Weltmärkte beliefert oder in Supermarktregalen global dominiert. Aber das ist auch gar nicht nötig. Realistisch ist vielmehr eine hochwertige Nischenproduktion, kombiniert mit Weintourismus und lokalen Marken, die im Premiumsegment funktionieren. Thailand wird internationaler, kulinarisch vielfältiger und lifestyle-orientierter, und damit wächst automatisch auch die Nachfrage nach Wein – zumindest in bestimmten Zielgruppen. Interessant ist zudem der Gedanke, dass tropischer Weinbau langfristig sogar strategisch wichtiger werden könnte. Wenn Klima und Landwirtschaft weltweit komplexer werden, ist Know-how in schwierigen Bedingungen plötzlich ein Wettbewerbsvorteil. Wer unter Monsun, Hitze und Feuchtigkeit brauchbare Weine erzeugen kann, hat ein Wissen, das nicht viele besitzen.
Kommentar
Unterm Strich ist Thai-Wein nicht „besser“ als klassische Weinländer, nicht unbedingt günstiger, nicht immer eleganter und sicher nicht überall verfügbar wie Wasser. Aber er ist mutig, eigenständig und überraschend interessant – und vor allem lokal erlebbar.Ein Glas thailändischer Wein ist ein kleines Statement, weil es zeigt, dass Thailand nicht nur konsumiert, was aus Europa kommt, sondern auch eigene Wege geht. Und genau das macht die neue Weinkultur dort so spannend: Sie entsteht nicht aus Tradition, sondern aus Neugier, Anspruch und dem typischen thailändischen Talent, Dinge einfach mal zu machen – selbst dort, wo andere sagen würden: „Das kann doch nicht funktionieren.“ 🍷
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