Spitznamen Nicknames Thailand
Die herrlich verrückte Welt der thailändischen Spitznamen
Warum in Thailand plötzlich Apple, Beer oder Pancake vor dir stehen
Spätestens dann fragt sich fast jeder Urlauber: Was ist denn hier los? Die Antwort lautet: Eigentlich gar nichts. In Thailand ist das völlig normal. Und die meisten Kinder bekommen Ihren Nickname schon vor, oder unmittelbar nach der Geburt.
Während Spitznamen bei uns meist nur eine verkürzte Form des eigentlichen Namens sind – aus Michael wird Mike oder Michi, aus Elisabeth wird Lisa –, funktioniert das in Thailand völlig anders. Dort ist der Spitzname ein eigenständiiger Name, der oft überhaupt nichts mit dem offiziellen Vornamen gemeinsam hat. Man könnte fast sagen: Jeder Thai besitzt einen Namen für die Behörden und einen für das echte Leben.
Unterhaltsam wird es, wenn man sich diese Spitznamen einmal genauer anschaut. Manchmal fühlt sich Thailand an, als hätte jemand die Namensliste eines Kindergartens mit einem Supermarktprospekt, einer Getränkekarte und einem Autohaus kräftig durchgeschüttelt. Da heißen Menschen Nok, Maew, Nu oder Kai – also Vogel, Katze, Maus oder Huhn. Andere hören auf Apple, Beer, Bank, Golf, Film, Boss, Ice, Cream, Cookie, Cake, Mint, Bonus, Smile, Jazz, Benz, Ford, Porsche oder sogar Pancake. Während Touristen noch überlegen, ob gerade ein Auto, ein Getränk oder ein Dessert gemeint ist, bleibt der Thai völlig entspannt. Für ihn ist das schließlich ein ganz normaler Vorname.
Besonders lustig wird es für englischsprachige Besucher. Da bestellt jemand im Restaurant ganz selbstverständlich: „Beer, please!“ – und plötzlich drehen sich nicht nur der Kellner, sondern auch der Kollege am Nebentisch um, der tatsächlich Beer heißt. Oder jemand stellt seine Freundin mit den Worten vor: „This is Gift.“ Im Englischen ein Geschenk, im Deutschen klingt es eher nach einem Besuch in der Notaufnahme. Missverständnisse sind da fast vorprogrammiert.
Woher kommt diese ungewöhnliche Tradition überhaupt?
Viele glauben, das sei eine uralte thailändische Sitte. Tatsächlich ist sie überraschend jung. Historiker gehen davon aus, dass die Menschen in Thailand früher meist nur einen kurzen, einailbigen Namen trugen. Namen wie Thong (Gold), Bun (Verdienst) oder Daeng (Rot) waren völlig ausreichend. Einen Spitznamen brauchte damals niemand – der eigentliche Name war bereits kurz genug.Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich das. Am Königshof wurden immer längere und kunstvollere Namen aus den alten Sprachen Pali und Sanskrit beliebt. Der Adel übernahm diese Mode, später das wohlhabende Bürgertum und schließlich fast das ganze Land. Mit der Einführung von Familiennamen wurden die vollständigen Namen immer länger und klangen oft wie kleine Gedichte voller Glück, Weisheit, Wohlstand oder Tugend.
Das Problem lag auf der Hand: Solche Namen eignen sich wunderbar für Urkunden, aber deutlich weniger, wenn Mutter zum Abendessen ruft oder der Chef quer durchs Büro einen Mitarbeiter sucht. Also bekam jeder einen Spitznamen.
Spitznamen sind spirituell
Dabei erfüllen die beiden Namen bis heute völlig unterschiedliche Aufgaben. Der offizielle Vorname ist oft ein Wunsch der Eltern für das Leben ihres Kindes. Häufig wird er gemeinsam mit Mönchen ausgewählt und soll Glück, Erfolg, Gesundheit, Weisheit oder Wohlstand bringen. Der Spitzname dagegen gehört dem Alltag. Er ist der Name der Familie, der Freunde, der Kollegen und praktisch aller Menschen, die einem nahestehen.Es gibt sogar noch eine ältere Tradition. Früher gaben manche Eltern ihren Kindern absichtlich wenig schmeichelhafte Spitznamen – manchmal bedeuteten sie tatsächlich Hund, Schwein oder Maus. Dahinter steckte keineswegs mangelnde Zuneigung.
Man glaubte vielmehr, böse Geister würden sich nicht für ein Kind interessieren, das scheinbar wertlos oder unbedeutend sei. In einer Zeit, in der viele Kinder früh starben, sollte der ungewöhnliche Name das Leben des Kindes schützen.
Heute geht es natürlich deutlich entspannter zu. Erlaubt ist praktisch alles, was nett klingt oder den Eltern gefällt. Englische Begriffe sind genauso beliebt wie Markennamen oder Wörter, die einfach sympathisch wirken. Ob das sprachlich Sinn ergibt, spielt dabei kaum eine Rolle. Hauptsache, der Name klingt freundlich und bleibt im Gedächtnis.
Verrückte Nicknames
Manche Spitznamen sind so skurril, dass man unwillkürlich zweimal hinhören muss. Neben Klassikern wie Apple, Beer, Golf oder Pancake begegnet man auch Menschen, die Airbus, Chipmunk, iPhone, Man U, Benz, Porsche, BMW, Seven, Pizza, Coke, Pepsi, Cookie, Cream, Candy, Captain, Boss, Money, Lucky, Titan, Dragon, Superman, Batman oder sogar Eleven heißen. Andere tragen Namen wie Moo (Schwein), Gung (Garnele), Gai (Huhn), Nok (Vogel) oder Maew (Katze).Ob Auto, Smartphone, Getränk, Comic-Held oder Fast Food – erlaubt ist praktisch alles, was den Eltern gefällt, modern klingt oder einfach gute Laune macht. Für Touristen wirkt das manchmal wie ein Spaziergang durch einen Supermarkt mit angeschlossenem Autohaus und Kino. Für Thailänder dagegen ist es einfach nur ein ganz normaler Vorname – und genau das macht diese Tradition so herrlich sympathisch.
Namen sind Schall und Rauch
Namen kann man ändern - jederzeit. In Thailand ist es völlig normal, seinen Namen im Laufe des Lebens zu ändern. Nicht nur der offizielle Vorname, sondern oft auch der Spitzname wird gewechselt – manchmal sogar mehrmals. Der Grund ist häufig der Glaube, dass ein neuer Name das Glück verbessern, schlechte Zeiten hinter sich lassen oder den persönlichen Erfolg fördern kann. Viele Thailänder lassen sich dabei von Astrologen oder buddhistischen Mönchen beraten, die anhand des Geburtsdatums einen besonders glücksverheißenden Namen empfehlen.Der Verwaltungsaufwand ist überschaubar, weshalb Namensänderungen deutlich häufiger vorkommen als in Europa. So kann es durchaus passsieren, dass euch eine Bekannte nach ein paar Jahren plötzlich erklärt: „Ich heiße jetzt nicht mehr Apple, sondern Pearl.“ Und niemand wundert sich darüber – außer vielleicht die ausländischen Freunde, die gerade erst gelernt hatten, sich den ersten Spitznamen zu merken.
Nicknames nicht nur privat
Überraschend für viele Besucher ist jedoch, dass diese Spitznamen keineswegs nur unter Freunden verwendet werden. Lehrer sprechen ihre Schüler damit an, Chefs ihre Angestellten, Kunden ihre Geschäftspartner und manchmal steht der Spitzname sogar auf Visitenkarten oder Firmenschildern. Fragt man stattdessen nach dem vollständigen offiziellen Namen, wirkt das fast so, als würde man gleich nach dem Personalausweis verlangen.Deshalb gibt es für Thailand eigentlich nur eine goldene Regel: Wenn sich jemand als Apple, Beer, Golf, Pancake, Boss oder Nok vorstellt, dann nennt ihn auch genau so. Ihr werdet feststellen, dass euch die Thailänder dafür sofort sympathischer finden.
Und spätestens wenn euch jemand mit einem strahlenden Lächeln die Hand gibt und sagt: „Hello, my name is Cookie.“, wisst ihr endgültig: In Thailand sind die Spitznamen oft genauso liebenswert, kreativ und einzigartig wie die Menschen selbst.
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