Stelzenhäuser Thailand
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Stelzenhäuser Thailand

Thailands Stelzenhäuser - zwischen Fluss, Flut und Freiheit

Leben auf dem Wasser wo Thailand noch im Rhythmus der Flüsse lebt


Zoom Stelzenhäuser Land + Leute - 1 © Gerhard Veer

Am frühen Morgen liegt noch ein leichter Dunst über dem Wasser, während irgendwo zwischen den Häusern der Motor eines Longtailbootes zum Leben erwacht. Eine Frau hängt Wäsche auf ihrer kleinen Holzterrasse auf, ein Fischer zieht sein Boot an den Steg, aus einer offenen Küche duftet es nach gebratenem Knoblauch, Chili und Reis, und ein älterer Mann sitzt mit seinem ersten Kaffee des Tages vor dem Haus und schaut auf den langsam vorbeiziehenden Fluss. Eine Straße gibt es vor seiner Haustür nicht, eine Garage braucht er auch nicht – dafür liegt unten am Steg sein Boot.

So oder ähnlich beginnt der Tag noch heute in den meisten der alten Wassergemeinden Thailands. Was für Besucher wunderbar exotisch und ein wenig romantisch aussieht, ist für die Menschen, die dort leben, seit Generationen vollkommen normal. Thailand war schließlich schon immer ein Land des Wassers, und lange bevor asphaltierte Straßen Dörfer und Städte miteinander verbanden, waren Flüsse und Khlongs die wichtigsten Verkehrswege des Landes.

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Wer heute mit einem Boot durch die alten Kanäle von Thonburi fährt, an den Flussufern von Ayutthaya unterwegs ist oder das auf Pfählen errichtete Koh Panyee in der Phang-Nga-Bucht besucht, entdeckt noch viele dieser Häuser. Manche sind liebevoll restauriert, andere stehen ein wenig schief und sehen aus, als hätten sie bereits hundert Monsune überstanden. Ihre Holzwände sind von Sonne und Feuchtigkeit gezeichnet, kleine Veranden ragen über das Wasser, unter den Dielen schwimmt manchmal ein Fisch vorbei und irgendwo hängt fast immer Wäsche zum Trocknen.

Was dabei so romantisch aussieht, hatte ursprünglich allerdings einen sehr praktischen Grund: Wenn das Wasser regelmäßig kommt, baut man sein Haus eben so, dass es darunter hindurchfließen kann.


Ein Haus, das mit dem Monsun leben kann

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Vor allem in der großen Chao-Phraya-Ebene waren regelmäßige Überschwemmungen über Jahrhunderte nichts Außergewöhnliches. Sie gehörten zum natürlichen Rhythmus des Landes, brachten fruchtbare Böden für den Reisanbau und bestimmten das Leben der Menschen. Statt jedes Jahr aufs Neue zu versuchen, das Wasser aus ihren Häusern herauszuhalten, stellten die Menschen ihre Häuser deshalb auf hohe Pfähle.

Der eigentliche Wohnbereich lag häufig zwei Meter oder noch höher über dem Boden, während darunter ein großer, luftiger und schattiger Bereich entstand, der traditionell Tai Thun genannt wird. Während der Trockenzeit spielte sich dort ein beträchtlicher Teil des täglichen Lebens ab. Hier wurde gearbeitet, Gemüse vorbereitet, Werkzeug repariert oder gelagert, Kinder spielten im Schatten und die Großeltern ruhten sich während der heißen Nachmittagsstunden aus. Später kamen Fahrräder und Motorräder hinzu, und heute findet man unter manchen hundert Jahre alten Holzhäusern neben einer Hängematte ganz selbstverständlich einen modernen Motorroller.

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Mit Beginn der Regenzeit änderte sich das Bild. Das Wasser stieg langsam über die Felder, erreichte die Gärten und stand schließlich unter den Häusern. Was bei einem ebenerdigen Gebäude bereits eine Katastrophe gewesen wäre, gehörte beim traditionellen Stelzenhaus zur Konstruktion. Werkzeug und andere Gegenstände wurden rechtzeitig nach oben gebracht, das Motorrad an einen trockenen Ort gefahren und manchmal nahm das Boot dessen Platz ein. Der Wohnbereich darüber blieb trocken und das Leben ging weiter.

Gerade rund um Ayutthaya lässt sich noch heute erkennen, wie eng diese Lebensweise mit den Jahreszeiten verbunden war. Hochwasser bedeutete nicht automatisch Katastrophe, sondern war ein wiederkehrender Teil des Jahres. Während der trockenen Monate saß eine Familie vielleicht unter ihrem Haus, dort spielten die Kinder und dort wurde gearbeitet. Einige Monate später glitzerte an derselben Stelle Wasser, und das Boot konnte dort festgemacht werden, wo zuvor noch die Hühner herumgelaufen waren.


Als der Fluss noch die Hauptstraße war

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Um zu verstehen, warum die Häuser überhaupt so dicht am Wasser gebaut wurden, muss man sich Thailand ohne sein heutiges Straßennetz vorstellen. Der Fluss war damals nicht die schöne Aussicht hinter dem Haus, sondern die Hauptstraße direkt davor.

Über das Wasser kamen Händler mit Gemüse, Obst und Fisch, mit dem Boot fuhr man zum Markt, zum Tempel oder zu Verwandten und auf den Kanälen wurden Waren transportiert. Die wichtigste Treppe eines Hauses führte deshalb nicht zu einem Parkplatz, sondern hinunter zu einem kleinen Anleger. Wer Besuch bekam, hörte keinen Wagen vorfahren, sondern vielleicht schon von weitem den Motor eines Longtailbootes.

Noch heute gibt es entlang des Chao Phraya und seiner Nebenflüsse Häuser, an denen dieser Wandel wunderbar abzulesen ist. Auf der Wasserseite liegt die alte Holzterrasse mit dem Bootssteg, während auf der anderen Seite inzwischen eine asphaltierte Straße verläuft, an der Pickup und Motorroller stehen. Das Haus besitzt damit gewissermaßen zwei Gesichter: eines schaut in das alte Thailand, das andere in die Gegenwart.

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Mit dem Bau der Straßen veränderte sich allerdings nicht nur der Verkehr, sondern nach und nach auch die Architektur. Geschäfte wanderten auf die Straßenseite, neue Eingänge entstanden und Grundstücke wurden aufgeschüttet. Manchmal wurde der ursprünglich offene Raum unter einem Stelzenhaus zugemauert, um zusätzliche Wohnfläche zu gewinnen. So wurde aus der ehemaligen Rückseite irgendwann die Vorderseite des Hauses und aus dem Wasser, mit dem die Menschen jahrhundertelang gelebt hatten, zunehmend etwas, das draußen bleiben sollte.

Das funktionierte meistens ausgezeichnet – zumindest so lange, bis ein besonders großes Hochwasser kam. Dann zeigte sich gelegentlich, warum Großvater sein Schlafzimmer lieber zwei Meter höher gebaut hatte.


Koh Panyee – ein Dorf auf dem Meer

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Eine der spektakulärsten Formen dieses Lebens findet man weit im Süden, mitten in der traumhaften Phang-Nga-Bucht. Zwischen türkisgrünem Wasser und riesigen Kalksteinfelsen taucht dort plötzlich ein komplettes Dorf auf: Koh Panyee.

Von weitem sieht es beinahe so aus, als würden die Häuser auf dem Meer schwimmen, tatsächlich steht jedoch ein großer Teil der Siedlung auf Pfählen im flachen Wasser. Wohnhäuser, kleine Geschäfte und Restaurants stehen dort ebenso über dem Meer wie Teile der Schule und andere Einrichtungen. Schmale Wege und Stege verbinden alles miteinander, während vor vielen Häusern kein Auto, sondern ein Longtailboot liegt.

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Die Geschichte des Dorfes reicht rund zwei Jahrhunderte zurück und wird mit muslimischen Fischern verbunden, die in der geschützten Bucht eine neue Heimat fanden. Einer bekannten Überlieferung zufolge gehörte ein Mann namens Toh Baboo zu ihnen. Die Männer hatten vereinbart, eine Flagge zu hissen, sobald einer von ihnen einen geeigneten Platz zum Siedeln entdeckt hatte. Toh Baboo fand die geschützte Stelle unter dem gewaltigen Kalksteinfelsen und hisste die vereinbarte Flagge, woraus der Name Koh Panyee – sinngemäß die „Insel der Flagge“ – entstanden sein soll.

Da die Neuankömmlinge damals kein Land besitzen konnten, fanden sie eine ebenso einfache wie pragmatische Lösung: Wenn sie nicht auf dem Land bauen konnten, bauten sie eben daneben – auf Pfählen im Meer.

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Aus einigen Fischerfamilien entwickelte sich über Generationen eine komplette Gemeinde. Wer Koh Panyee heute nur während eines kurzen Tagesausflugs besucht, sieht zunächst Restaurants, Souvenirläden und andere Touristen. Spannender wird es jedoch, wenn man sich ein wenig vom touristischen Bereich entfernt oder bis zum späteren Nachmittag bleibt. Dann kehrt der Alltag zurück. In den Küchen wird gekocht, Wäsche hängt zwischen den Häusern, Fischer kümmern sich um ihre Boote und Kinder laufen über die schmalen Wege nach Hause.

Das Meer ist hier keine hübsche Aussicht, für die ein Hotel einen Aufpreis verlangen könnte. Es ist Verkehrsweg, Arbeitsplatz und Vorgarten zugleich. Die Menschen wohnen nicht einfach am Meer – sie leben seit Generationen mitten darin.

Der Fußballplatz, der einfach aufs Meer musste

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Eine der schönsten Geschichten von Koh Panyee begann 1986 mit ein paar Kindern, die eigentlich nur Fußball spielen wollten. Ein ziemlich gewöhnlicher Wunsch, wäre da nicht ein kleines geografisches Problem gewesen: Für einen Fußballplatz braucht man eine halbwegs ebene Fläche, und genau davon gibt es in einem Dorf, das fast vollständig über dem Meer errichtet wurde, ausgesprochen wenig.

Also bauten sich die Jungen ihren Platz selbst. Aus alten Holzbrettern und Teilen von Fischerflößen entstand eine Spielfläche über dem Wasser, die mit einem modernen Fußballplatz nur entfernt Ähnlichkeit hatte. Der Untergrund war uneben, das Holz nicht immer angenehm für nackte Füße und wenn der Ball über die Seitenlinie flog, landete er eben im Meer.

Davon ließen sich die Kinder nicht abhalten. Aus diesen improvisierten Anfängen entwickelte sich später der Panyee FC, dessen Nachwuchsmannschaften schließlich sogar bei Wettbewerben in Südthailand erfolgreich wurden. Der Fußballplatz wurde im Laufe der Jahre erneuert und verbessert, doch gespielt wird noch immer dort, wo eigentlich gar kein Platz zum Spielen vorhanden war.

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Wenn am späten Nachmittag Kinder einem Ball hinterherjagen, während wenige Meter daneben das Meer gegen die Pfähle schwappt und dahinter die gewaltigen Kalksteinfelsen der Phang-Nga-Bucht aufragen, bekommt die Geschichte beinahe etwas Märchenhaftes. Gleichzeitig erzählt sie ziemlich viel über die Menschen, die hier leben: Man wartet nicht darauf, dass die Umgebung zum eigenen Leben passt, sondern findet einen Weg, das Leben an die Umgebung anzupassen.


Häuser, die tatsächlich schwimmen

Nicht jedes thailändische Haus auf dem Wasser steht allerdings auf Pfählen. Mit den traditionellen Ruan Pae gibt es eine zweite Wohnform, bei der das Haus tatsächlich auf dem Wasser schwimmt.

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Besonders bekannt sind solche Floßhäuser heute in Kanchanaburi und Sangkhlaburi, wo aus der traditionellen Bauweise inzwischen auch einige wunderschöne Floating Resorts entstanden sind. Für Reisende bedeutet das eine ungewöhnliche Nacht direkt auf dem Fluss, doch lange bevor jemand an komfortable Hotelbetten, Frühstücksbuffet und WLAN dachte, waren solche Häuser schlicht eine praktische Möglichkeit, am und mit dem Wasser zu leben.

Der entscheidende Vorteil liegt auf der Hand: Steigt der Wasserstand, steigt das Haus einfach mit. Fällt der Fluss wieder, sinkt auch das Haus zurück. Statt das Wasser kontrollieren zu wollen, bewegt sich das Gebäude mit ihm.

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Am frühen Morgen kann das eine fast unwirklich schöne Atmosphäre erzeugen. Nebel liegt über dem Fluss, bewaldete Berge spiegeln sich im Wasser und irgendwo zieht langsam ein Fischerboot vorbei. Wer hier auf der kleinen Terrasse sitzt und seinen ersten Kaffee trinkt, versteht schnell, warum aus einer ursprünglich pragmatischen Wohnform irgendwann auch eine ziemlich erfolgreiche Hotelidee geworden ist.


Die Romantik hat allerdings ihre Grenzen

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So idyllisch das alles klingt, das Leben auf oder direkt über dem Wasser besteht natürlich nicht nur aus Sonnenuntergängen und vorbeiziehenden Longtailbooten. Holz, tropische Feuchtigkeit und Wasser bilden keine besonders pflegeleichte Kombination. Pfähle müssen kontrolliert und irgendwann ersetzt, Bretter repariert und Dächer instand gehalten werden, während Metall in der feuchten Luft schnell rostet.

Auch Trinkwasserversorgung, Abwasser und Müllentsorgung sind komplizierter als in einem normalen Haus an einer Straße. Hinzu kommt ein Problem, das frühere Generationen in dieser Form kaum kannten: Plastik. Wo einst hauptsächlich organische Abfälle anfielen, gibt es heute Flaschen, Verpackungen und Kunststoffe, die nicht einfach verschwinden und in einer Siedlung über dem Wasser besonders schnell dort landen können, wo sie definitiv nicht hingehören.

Das traditionelle Leben am Wasser kann deshalb auch im 21. Jahrhundert funktionieren, allerdings nur, wenn moderne Versorgung und Entsorgung mit der alten Architektur Schritt halten.

Bangkok war einmal eine Wasserstadt

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Kaum irgendwo wird der Wandel deutlicher als in Bangkok. Zwischen Hochhäusern, achtspurigen Straßen, Skytrain und endlosen Staus ist heute nur schwer vorstellbar, dass auch die Hauptstadt einmal sehr viel stärker vom Wasser geprägt war.

Bangkok und Thonburi waren von einem dichten Netz aus Khlongs durchzogen. Händler verkauften ihre Waren vom Boot, Märkte entstanden an den Kanälen und Häuser sowie Tempel orientierten sich zum Wasser. Das Boot war Taxi, Lieferwagen und Marktstand zugleich.

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Wer heute mit einem Longtailboot durch die alten Khlongs von Thonburi fährt, bekommt noch einen kleinen Eindruck von dieser vergangenen Welt. Auf einer Holzterrasse sitzt eine ältere Frau zwischen Orchideen, nebenan führt eine verwitterte Treppe direkt ins Wasser, ein Waran schwimmt gemächlich zwischen zwei Häusern hindurch und hinter der nächsten Häuserreihe hört man bereits wieder den Verkehr der Millionenstadt.

Das alte und das moderne Bangkok liegen hier manchmal nur eine einzige Hausbreite auseinander.

Hundert Jahre alte Pfähle und WLAN
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Gerade deshalb sind Thailands Stelzenhäuser keine Museumsstücke, sondern lebendige Häuser, die sich gemeinsam mit ihren Bewohnern verändert haben. An einer alten Holzwand hängt heute eine Klimaanlage, unter dem traditionellen Haus steht ein Motorroller und auf dem Dach befindet sich vielleicht eine Satellitenschüssel. Die Enkel sitzen mit ihren Smartphones auf derselben Veranda, auf der ihre Großeltern früher Fischernetze reparierten.

Manche Familien haben den offenen Bereich unter dem Haus längst zu zusätzlichem Wohnraum ausgebaut, andere lassen ihn bewusst frei und nutzen ihn weiterhin als luftigen Schattenplatz. Dort stehen Plastiktische und Werkzeug, hängen Hängematten und sitzen am Nachmittag die älteren Familienmitglieder, wenn es oben im Haus zu heiß wird.

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So verändert sich die Architektur, ohne dass ihre ursprüngliche Idee völlig verschwindet. Und vielleicht ist genau diese Idee heute wieder interessanter, als man lange dachte. Vielleicht wussten die alten Baumeister etwas, das wir vergessen haben

Moderne Städte investieren Milliarden in Hochwasserschutz, Pumpwerke, Mauern, Rückhaltebecken und gewaltige Entwässerungssysteme. Gleichzeitig beschäftigen sich Architekten weltweit wieder mit erhöhten Gebäuden, schwimmenden Häusern und Konstruktionen, die Hochwasser nicht vollständig aussperren sollen, sondern damit umgehen können.

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Die alten thailändischen Baumeister hätten über manche dieser neuen Konzepte vermutlich ein wenig geschmunzelt. Ihre Lösung war schließlich seit Jahrhunderten bekannt: Wenn das Wasser ohnehin regelmäßig kommt, gibt man ihm Raum und bringt das Haus darüber in Sicherheit.

Natürlich lässt sich ein traditionelles Holzhaus nicht einfach hunderttausendfach in einer Millionenstadt wie Bangkok aufstellen. Doch der Gedanke dahinter bleibt erstaunlich aktuell. Fortschritt muss nicht immer bedeuten, die Natur vollständig kontrollieren zu wollen. Manchmal kann es wesentlich klüger sein, sich ihr anzupassen.

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Und vielleicht versteht man genau das am besten am Abend, wenn auf Koh Panyee die letzten Ausflugsboote verschwunden sind, irgendwo bei Ayutthaya in einem Stelzenhaus das Licht in der Küche angeht und ein Fischer sein Longtailboot für die Nacht am Pfahl festbindet. Kinder laufen über einen Steg nach Hause, aus einem offenen Fenster hört man Stimmen und unter den Dielen gluckert leise das Wasser.

Seit Generationen kommen und gehen hier Monsun, Hochwasser und Trockenzeit. Menschen wurden geboren, Kinder wuchsen auf, Großeltern wurden alt, Häuser wurden repariert, erweitert und irgendwann an die nächste Generation weitergegeben. Die Welt um sie herum hat sich grundlegend verändert, doch unter ihren Häusern fließt noch immer derselbe Fluss.

Vielleicht liegt genau darin der besondere Zauber dieser alten thailändischen Lebensweise. Das Wasser ist hier weder Kulisse noch Besucher und auch nicht automatisch ein Feind. Es gehört ganz selbstverständlich zum Leben dazu.

Herzlichen Dank an Gerhard Veer, der die meisten der Potos hier gemacht hat.
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