Falang Preise Thailand
Andere Nationalität, anderer Preis: Thailands umstrittenes Dual Pricing
Gleicher Eingang, zehnfacher Preis - Thailand und die Ausländerpreise
Wer schon etwas länger durch Thailand reist, kennt diese kleine Überraschung an der Kasse vermutlich: Man steht gemeinsam mit thailändischen Freunden vor einem Nationalpark, Tempel, historischen Park oder einer anderen Sehenswürdigkeit, möchte Eintrittskarten kaufen – und stellt fest, dass die gleiche Tür für den einen Besucher erheblich günstiger aufgeht als für den anderen.
Willkommen beim Dual Pricing.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Thailändische Staatsbürger bezahlen einen niedrigeren Eintrittspreis, ausländische Besucher einen höheren. Und wir reden dabei nicht immer über einen kleinen Touristenaufschlag von zehn oder zwanzig Prozent. Bei manchen staatlichen Sehenswürdigkeiten beträgt der Unterschied das Fünffache, gelegentlich sogar das Zehnfache.
Das sorgt seit Jahren für Diskussionen. Die einen halten es für völlig legitim, dass ein Land seinen eigenen Bürgern einen günstigeren Zugang zu Natur und Kulturgütern ermöglicht. Andere empfinden es als diskriminierend, wenn allein der Pass darüber entscheidet, ob jemand 40 oder 400 Baht bezahlen muss.
Ganz so einfach wie „Abzocke“ oder „völlig gerecht“ ist die Sache allerdings nicht.
Zunächst einmal sollte man mit einem häufigen Missverständnis aufräumen: Unterschiedliche Eintrittspreise sind zumindest bei staatlichen Einrichtungen keine heimliche Masche eines besonders geschäftstüchtigen Kassierers, sondern häufig ganz offiziell festgelegt. Besonders bekannt ist das System bei den thailändischen Nationalparks. Das Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation unterscheidet bei seinen Eintrittspreisen ausdrücklich zwischen thailändischen und ausländischen Besuchern.
Je nach Park und Tarifgruppe können beispielsweise 40 Baht für einen thailändischen Erwachsenen und 200 Baht für einen Ausländer verlangt werden, andernorts sind es 60 gegenüber 300 Baht. Bei besonders bekannten touristischen Zielen können für Ausländer auch 400 Baht fällig werden.
Damit bezahlt der ausländische Besucher schnell das Fünf- oder sogar Zehnfache. Natürlich sind 400 Baht – rund zehn Euro – für die meisten europäischen Urlauber kein Betrag, der das Reisebudget zum Einsturz bringt. Die Diskussion dreht sich deshalb meist weniger um die absolute Summe als um das Prinzip dahinter. Denn derselbe Eingang, derselbe Wanderweg, derselbe Wasserfall und derselbe Aussichtspunkt kosten plötzlich unterschiedlich viel, je nachdem, welchen Pass man besitzt.
Nicht nur Nationalparks machen Unterschiede
Dual Pricing endet keineswegs am Eingang der Nationalparks. Unterschiedliche Tarife findet man auch bei historischen Parks und staatlichen Museen des Fine Arts Department, bei einigen großen touristischen Tempelanlagen und Kulturstätten sowie teilweise bei privaten Zoos, Aquarien, Freizeitparks und anderen Attraktionen.Besonders deutlich wird das beim Grand Palace in Bangkok: Thailändische Staatsbürger erhalten gegen Vorlage ihres Ausweises kostenlosen Eintritt, ausländische Besucher bezahlen derzeit 500 Baht. Beim historischen Park Phanom Rung nennt das Fine Arts Department beispielsweise 20 Baht für Thais und 200 Baht für andere Nationalitäten, während auch andere historische Anlagen erhebliche Unterschiede kennen.
Bei privaten Attraktionen muss man allerdings unterscheiden: Dort handelt es sich nicht um eine staatlich vorgegebene Politik, sondern um die Preisgestaltung des jeweiligen Unternehmens. Und natürlich gibt es auch unzählige Sehenswürdigkeiten, Tempel und Einrichtungen in Thailand, bei denen für alle derselbe Preis gilt.
20 Baht gegen 200 Baht – und beide besuchen dasselbe
Ein besonders anschauliches Beispiel liefern die historischen Parks des thailändischen Fine Arts Department. Für Phanom Rung in Buriram werden offiziell 20 Baht für thailändische Besucher und 200 Baht für Besucher anderer Nationalitäten ausgewiesen. Faktor zehn.Auch beim historischen Park Phimai wurden bei Veranstaltungen zuletzt Tarife von 20 Baht für Thais und 200 Baht für Ausländer genannt. Beim Phu Phrabat Historical Park in Udon Thani sind es aktuell 20 Baht gegenüber 120 Baht. Das sind keine Gerüchte aus irgendwelchen Facebook-Gruppen, sondern Preise, die das zuständige Fine Arts Department selbst veröffentlicht.
Gerade bei historischen Stätten lässt sich allerdings auch die Gegenposition gut nachvollziehen: Thailand betrachtet diese Anlagen als Teil seines nationalen kulturellen Erbes und möchte der eigenen Bevölkerung einen möglichst günstigen Zugang ermöglichen.
Ein thailändischer Schüler oder eine Familie aus dem Isaan soll eben nicht aus finanziellen Gründen darauf verzichten müssen, die eigene Geschichte kennenzulernen. Das ist ein durchaus vernünftiges Argument. Die Frage ist eher, ob daraus zwangsläufig ein fünf- oder zehnmal höherer Eintrittspreis für jeden Nicht-Thailänder folgen muss.
Und plötzlich feiern die Thai-Ziffern ein erstaunliches Comeback
Für langjährige Thailand-Reisende besitzt das Dual Pricing noch eine kleine, beinahe folkloristische Besonderheit.Thailand besitzt bekanntlich eigene Ziffern: ๐ ๑ ๒ ๓ ๔ ๕ ๖ ๗ ๘ ๙
Wer heute durch einen thailändischen Supermarkt läuft, an einer Tankstelle bezahlt, eine Speisekarte liest, im Einkaufszentrum Preise vergleicht oder online einkauft, begegnet allerdings fast ausschliesslich den international gebräuchlichen Ziffern 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9.
Die traditionellen Thai-Ziffern sind keineswegs völlig verschwunden und werden beispielsweise in amtlichen, kulturellen oder religiösen Zusammenhängen weiterhin verwendet. Im kommerziellen Alltag spielen sie aber eine wesentlich kleinere Rolle als früher. Bei öffentlicher Auspreisung eigentlich gar keine mehr.
Erstaunliche Überlebenskräfte entwickeln sie aus Sicht mancher Thailand-Reisender allerdings ausgerechnet dort, wo man sie besonders gerne verstehen würde: an vielen Eintrittskassen mit Dual Pricing. Dann findet sich beispielsweise irgendwo der Preis ๒๐ บาท, während für den ausländischen Besucher daneben ausgesprochen international verständlich 200 BAHT steht.
Nun wäre es unfair zu behaupten, die Thai-Ziffern würden grundsätzlich eingesetzt, um ausländischen Besuchern den Preisunterschied zu verheimlichen. Dafür gibt es keinen Beleg, und die Verwendung traditioneller Ziffern ist selbstverständlich Teil der thailändischen Schrift- und Verwaltungskultur. Dass ausgerechnet auf manchen Preislisten mit unterschiedlichen Tarifen die traditionelle Zahlenkultur eine besonders robuste Überlebensfähigkeit demonstriert, besitzt dennoch einen gewissen Charme. Oder zumindest Unterhaltungswert. 😏
Das stärkste Argument dafür: Einkommen und Steuerzahler
Ganz von der Hand weisen lässt sich die Idee hinter unterschiedlichen Preisen nicht. Das durchschnittliche Einkommen eines thailändischen Haushalts liegt weit unter dem eines durchschnittlichen deutschen, schweizerischen oder österreichischen Urlaubers. Ein Eintrittspreis von 400 oder 500 Baht hat deshalb für viele Thais eine völlig andere Bedeutung als für einen europäischen Touristen, der mehrere tausend Euro für Flug und Urlaub ausgegeben hat.Wenn Thailand seinen Bürgern ermöglichen möchte, die eigenen Nationalparks, Museen und Kulturgüter für 20 oder 40 Baht zu besuchen, während internationale Touristen stärker zur Finanzierung beitragen, kann man das durchaus als sozialpolitische Entscheidung verstehen.
Hinzu kommt das Argument der Steuerfinanzierung. Staatliche Nationalparks, Museen und historische Anlagen werden zumindest teilweise aus thailändischen öffentlichen Mitteln finanziert. Thailändische Bürger tragen also über Steuern und Abgaben zu ihrem Unterhalt bei.
Auch das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Viele Länder kennen ähnliche Modelle. Einheimische oder Einwohner erhalten vergünstigten Zugang zu Museen, Sehenswürdigkeiten oder öffentlichen Einrichtungen, während Touristen mehr bezahlen.
Das Problem ist weniger „Thai günstiger“ als die Frage: Warum entscheidet der Pass?
Genau an dieser Stelle beginnt allerdings die interessantere Diskussion. Denn das thailändische System orientiert sich häufig nicht am Wohnsitz oder am Einkommen, sondern an der Staatsangehörigkeit.Nehmen wir zwei Besucher.
- Der erste ist Deutscher, lebt seit 20 Jahren in Thailand, arbeitet dort, bezahlt thailändische Steuern, besitzt vielleicht sogar Permanent Residence, spricht Thai und hat seine Familie im Land.
- Der zweite besitzt die thailändische Staatsangehörigkeit, lebt seit 25 Jahren in Zürich, verdient dort sehr gut und verbringt zwei Wochen Urlaub in Thailand.
Wer bekommt den günstigeren Eintritt? In der Regel der thailändische Staatsbürger. Spätestens hier wird das Argument „Die Thais bezahlen schließlich Steuern“ etwas schwieriger, denn unser deutscher Langzeitresident tut das ebenfalls.
Ein System nach Wohnsitz könnte dieses Problem lösen. Wer dauerhaft in Thailand lebt und dies nachweisen kann, bekäme den lokalen Tarif; klassische Urlauber bezahlten den touristischen Preis. Solche Residententarife gibt es international durchaus.
Und wie groß darf der Unterschied eigentlich sein?
Vielleicht liegt genau hier der Kern der Diskussion. Dass Thailand seinen eigenen Bürgern günstigeren Zugang zu nationalen Natur- und Kulturschätzen ermöglichen möchte, dürfte für viele ausländische Besucher überhaupt kein Problem darstellen.Wenn ein Thai 100 Baht und ein Tourist 150 oder 200 Baht bezahlt, werden vermutlich nur wenige Urlauber empört die Koffer packen. Bei 20 gegen 200 Baht oder 40 gegen 400 Baht verändert sich jedoch die Wahrnehmung. Dann geht es plötzlich nicht mehr um einen kleinen Einheimischenrabatt, sondern um Faktor zehn.
Und genau deshalb wird Dual Pricing emotionaler diskutiert, als es die absoluten Beträge eigentlich vermuten lassen. 400 Baht bringen einen europäischen Thailandurlauber normalerweise nicht in finanzielle Schwierigkeiten. Aber zehnmal so viel bezahlen zu müssen wie der Mensch direkt vor einem in der Kassenschlange fühlt sich eben anders an.
Dual Pricing ist nicht dasselbe wie der berühmte „Farang-Preis“
Man sollte außerdem zwei Dinge auseinanderhalten. Offizielles Dual Pricing bei einem Nationalpark oder Museum ist transparent, staatlich geregelt und steht auf einer Preisliste.Etwas völlig anderes ist der berüchtigte inoffizielle „Farang-Preis“.
Wer schon länger in Thailand unterwegs ist, kennt möglicherweise die Situation: keine Preisliste, kein Taxameter, kein Schild – stattdessen die Frage „How much?“, gefolgt von einem kurzen prüfenden Blick auf den Fragenden und einer bemerkenswert spontanen Preisfindung.
Das kann beim Tuk-Tuk passieren, bei einem Bootsfahrer, auf einem Markt oder bei irgendeiner anderen individuell ausgehandelten Dienstleistung. Mit dem offiziellen Dual Pricing hat das wenig zu tun. Dort entscheidet nicht der Staat über unterschiedliche Eintrittstarife, sondern ein Verkäufer darüber, welchen Preis er beim jeweiligen Kunden glaubt durchsetzen zu können.
Und auch hier gilt: Das passiert, aber keineswegs überall und bei jedem. Thailand besteht glücklicherweise nicht aus Millionen Menschen, die morgens aufstehen und überlegen, wie sie heute einen Farang um 50 Baht erleichtern können.
Diskriminierung oder legitimer Einheimischenrabatt?
Am Ende hängt die Bewertung stark davon ab, aus welcher Perspektive man auf das System schaut.Aus thailändischer Sicht lässt sich argumentieren: Unsere Nationalparks und historischen Stätten gehören zum nationalen Erbe, unsere Bürger sollen sie sich leisten können und internationale Besucher können mit ihren höheren Eintrittspreisen einen größeren Beitrag zu Erhaltung und Betrieb leisten. Das ist keine völlig absurde Position.
Aus Sicht eines ausländischen Langzeitbewohners wiederum klingt die Sache anders: Ich lebe hier, bezahle hier Steuern, gebe mein Geld in Thailand aus und werde an der Kasse trotzdem ausschließlich aufgrund meiner Nationalität anders behandelt. Auch diese Kritik ist schwer von der Hand zu weisen.
Vielleicht wäre „Resident oder Tourist“ die bessere Frage
Dual Pricing muss deshalb nicht zwangsläufig abgeschafft werden, um fairer zu werden. Eine Möglichkeit wäre, stärker zwischen Einwohnern und Touristen statt ausschließlich zwischen Thais und Ausländern zu unterscheiden. Thailändische Staatsbürger und nachweislich dauerhaft in Thailand lebende Ausländer könnten beispielsweise einen Residententarif erhalten, während internationale Urlauber den regulären touristischen Eintritt bezahlen.Damit bliebe das sozialpolitische Ziel erhalten, der Bevölkerung günstigen Zugang zu Natur und Kultur zu ermöglichen, während gleichzeitig Menschen berücksichtigt würden, die Thailand seit Jahren zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht haben. Und vielleicht müsste auch nicht jeder Preisunterschied gleich Faktor zehn betragen.
Diese Seite verwendet
Stock images by Depositphotos
Stock images by Depositphotos
Diese Seite Teilen:

Jetzt registrieren











