Food Courts Thailand
Thailands Food Courts - wo man für kleines Geld königlich schlemmt
Unterschätzte Fressparadiese: Klimaanlage, Curry und kleine Preise - so essen Thais
Karte aufladen
Supergünstig
Die Qual der Wahl
Wie die Einheimischen
Hygiene
Kein Bier
Thailand, wie wir es lieben
Wer in Thailand richtig lecker essen möchte, braucht weder eine Tischreservierung noch ein gestärktes Hemd oder einen Kellner, der einem mit ernster Miene erklärt, dass die drei dekorativ auf dem Teller verteilten Garnelen eine „kulinarische Interpretation des Meeres“ darstellen. Manchmal reicht eine Rolltreppe, ein bisschen Hunger und ein Hundert-Baht-Schein.
Willkommen in Thailands Food Courts! Jenen wunderbaren Futtertempeln, in denen es aus allen Ecken zischt, dampft und duftet, wo die Köche mit ihren Woks um die Wette klappern und man nach zehn Minuten mit einem herrlichen Essen am Tisch sitzt. Für einen Preis, bei dem man in Deutschland vielleicht gerade mal ein Mineralwasser und einen leicht genervten Blick des Kellners bekommt.
Leckeres im Food-Court
Und das alles meistens angenehm klimatisiert, ohne tropische Schweißausbrüche, ohne vorbeifahrende Mopeds und ohne die Sorge, dass einem beim Essen eine Kakerlake über den großen Zeh spaziert.Kulinarischer Abenteuerspielplatz mit Klimaanlage
Stellen wir uns einen typischen Food Court vor. Vielleicht im Terminal 21 in Bangkok, vielleicht in irgendeinem Kaufhaus in Chiang Mai oder einem Big C in einer kleinen Provinzstadt. Man kommt die Rolltreppe hoch, und schon beginnt das Dilemma. Links brutzelt jemand knusprigen Schweinebauch, rechts duftet eine riesige Schüssel Tom Yum, ein paar Meter weiter werden Nudeln mit einer Geschwindigkeit durch den Wok geschleudert, die jedem deutschen Arbeitsschutzbeauftragten die Tränen in die Augen treiben würde.Dazwischen sitzen thailändische Familien, Büroangestellte, Studenten, Großeltern mit Enkelkindern und der eine oder andere Tourist, der etwas verloren auf die vielen bunten Speisekarten starrt.
Und jetzt kommt die schwierigste Entscheidung des Tages: Was essen?
Das Pad Krapao sieht fantastisch aus. Aber das Massaman-Curry auch. Und die Nudelsuppe dort hinten! Moment mal, gibt es da etwa knusprige Ente? Vielleicht erst einmal eine Runde drehen.
Nach der dritten Runde hat man zwar noch nichts gegessen, dafür aber mindestens zwölf neue Lieblingsgerichte entdeckt. Das Schöne daran: Jeder sucht sich sein Essen selbst aus.
Gemütlich nein, lecker ja
Die bessere Hälfte möchte etwas Vegetarisches, die Kinder gebratenen Reis, und Papa hat sich in den Kopf gesetzt, unbedingt das Gericht mit den vielen roten Chilischoten zu probieren. Eine Viertelstunde später sitzen alle glücklich am selben Tisch. Na ja, fast alle. Papa hat inzwischen eine bemerkenswert rote Gesichtsfarbe angenommen und sucht hektisch nach einem Getränk.Einmal 200 Baht aufladen, bitte!
Wer das erste Mal in einem thailändischen Food Court essen geht, erlebt manchmal eine kleine Überraschung. Man hat sein Wunschgericht gefunden, bestellt voller Vorfreude und hält der freundlichen Köchin einen Hundert-Baht-Schein entgegen. Die Dame lächelt, schüttelt den Kopf und zeigt irgendwo hinter den Rücken des verdutzten Urlaubers.Was ist los? Ist das Essen heute kostenlos? Hat man etwas falsch ausgesprochen? Oder ist die Dame einfach nur ausgesprochen wählerisch bei ihren Gästen? Nein, das Geheimnis heißt Guthabenkarte.
In vielen Food Courts bezahlt man nämlich nicht direkt am Stand. Stattdessen holt man sich an einer zentralen Kasse eine Karte, lädt beispielsweise 200 oder 300 Baht darauf und kann damit anschließend nach Herzenslust von Stand zu Stand ziehen.
Das Ganze funktioniert erstaunlich unkompliziert. Karte hinhalten, Essen bekommen, fertig.
Und wer nach dem großen Schlemmen noch Geld übrig hat, bringt die Karte zurück und bekommt sein Restguthaben ausgezahlt. Zumindest, wenn man die Rückgabefrist nicht verschläft.
Andere Food Courts arbeiten mit Coupons oder direkten elektronischen Zahlungen. Das Prinzip bleibt aber ähnlich: möglichst wenig Aufwand, möglichst viel Essen.
Ein kleiner Tipp für Anfänger: Erst die Karte besorgen, dann bestellen. Spart den etwas peinlichen Moment, wenn man mit hungrigem Blick vor einer dampfenden Nudelsuppe steht und feststellen muss, dass Bargeld hier ungefähr so hilfreich ist wie eine Winterjacke am Patong Beach.
Festmahl für 60, 80 oder 100 Baht
Jetzt wird es richtig erfreulich. Denn in vielen einfachen Food Courts sind die Preise nach wie vor ausgesprochen zivilisiert. Eine ordentliche Nudelsuppe bekommt man vielerorts für 50 bis 80 Baht. Ein Teller Khao Man Gai, also Hähnchen mit wunderbar aromatischem Reis, liegt häufig in einer ähnlichen Größenordnung. Pad Krapao mit Spiegelei kostet vielleicht 70 oder 90 Baht, und selbst für 100 bis 150 Baht kann man sich in vielen Anlagen schon richtig schön satt essen.Natürlich gibt es Unterschiede. In den schicken Gourmetbereichen der großen Luxusmalls kann man problemlos erheblich mehr Geld loswerden. Aber gerade die einfachen Food Courts in Kaufhäusern, Supermärkten und weniger touristischen Gegenden sind häufig wahre Preis-Leistungs-Wunder.
Da sitzt man dann mit seinem dampfenden Curry, einem frisch gepressten Saft und einem zufriedenen Grinsen am Tisch und rechnet kurz nach.
In Deutschland hätte das Geld vermutlich gerade für einen Cappuccino gereicht. Mit Hafermilch und einem Schuss Sirup vielleicht nicht einmal dafür. Und während man sich noch über den günstigen Preis freut, schaut man auf den Nachbartisch und entdeckt schon wieder etwas, das unbedingt probiert werden muss.
Die Qual der Wahl
Besonders spannend sind die Stände mit den vielen fertigen Gerichten hinter der Glasscheibe. Da stehen zehn, fünfzehn oder zwanzig verschiedene Schüsseln und Bleche voller Currys, Gemüse, Fleisch und allerlei Köstlichkeiten. Man zeigt einfach auf zwei oder drei Gerichte, bekommt eine Portion Reis dazu und ist wenige Augenblicke später bestens versorgt. Die Methode hat nur einen kleinen Haken: Man weiß nicht immer ganz genau, was man gerade bestellt hat.Das kann ausgesprochen lecker sein. Es kann aber auch vorkommen, dass man ein vermeintlich harmloses Gemüsegericht probiert und plötzlich feststellt, dass die thailändische Köchin offenbar eine sehr persönliche Vorstellung davon hat, was „ein bisschen Chili“ bedeutet. Spätestens dann lernt man zwei wichtige Wörter: Mai Phet – nicht scharf. Wobei das in Thailand gelegentlich eher als freundliche Empfehlung denn als verbindliche Anweisung verstanden wird.
Zum Schluss noch etwas Süßes
Eigentlich ist man ja längst satt. Der Teller ist leer, der Bauch zufrieden, und man beschließt, nun wirklich nichts mehr zu essen. Dann kommt man auf dem Weg zum Ausgang an einem Dessertstand vorbei. Mango Sticky Rice. Kokoseis. Kleine bunte Thai-Süßigkeiten. Frische Früchte. Vielleicht noch ein Thai Iced Tea, bei dem man besser nicht nach dem Zuckergehalt fragt.Und plötzlich ist wieder Platz. Ein faszinierendes Phänomen, das vermutlich jeder Thailandurlauber kennt: Für ein gutes Dessert scheint der menschliche Magen über ein geheimes Zusatzfach zu verfügen.
Die Sache mit den Einheimischen
Ein kleiner Tipp, der in Thailand erstaunlich oft funktioniert: Schaut, wo die Thais essen. Wenn sich vor einem Stand eine längere Schlange bildet, während die Nachbarstände gelangweilt ihre Smartphones betrachten, lohnt es sich häufig, genauer hinzusehen.Vielleicht gibt es dort die beste Nudelsuppe des ganzen Food Courts. Vielleicht ist die Portion besonders großzügig. Oder die Köchin hat einfach seit zwanzig Jahren ein Rezept, das ihre Kunden süchtig macht. Manchmal erlebt man dabei wunderschöne kleine Begegnungen.
Da sitzt man mit seinem Teller am Tisch, schaut etwas skeptisch auf eine unbekannte Sauce, und schon lächelt die ältere Thai-Dame nebenan, zeigt auf das Schälchen und erklärt mit Händen und Füßen, wie man das Ganze richtig isst. Ein bisschen davon über den Reis, etwas von der anderen Sauce dazu, noch ein paar Kräuter. Man bedankt sich, probiert – und plötzlich schmeckt das Gericht doppelt so gut. Solche Momente bekommt man in einem schicken Hotelrestaurant mit silberner Besteckablage eher selten.
Wie steht es um die Hygiene?
Natürlich haben Food Courts auch einen praktischen Vorteil: Sie sind häufig sauber, klimatisiert und verfügen über organisierte Reinigungs- und Spülbereiche. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Stand automatisch perfekt hygienisch arbeitet, abere Hygiene ist hier natürlich viel einfacher, als an Strassenküchen.Es lohnt jedenfalls ein Blick auf die Frische der Zutaten, die Sauberkeit und darauf, ob die Speisen ordentlich erhitzt werden. Gerade Stände, an denen laufend frisch gekocht wird und viele Gäste bestellen, sind häufig eine gute Wahl. Und nein, man muss nicht bei jeder unbekannten Zutat sofort das Schlimmste befürchten. Wer in Thailand mit etwas Neugier und gesundem Menschenverstand unterwegs ist, wird kulinarisch meist reich belohnt.
Kein Bier zum Essen 🍺 😂
Eine kleine Warnung müssen wir allerdings noch aussprechen: In den meisten klassischen thailändischen Food Courts gibt es keinen Alkohol. Kein Chang, kein Singha, kein Leo. Stattdessen Wasser, Fruchtsäfte, Eistee und allerlei andere Getränke, die erschreckenderweise auch ohne Promille hervorragend schmecken.Für die meisten Gäste kein Problem. Für eine bestimmte Spezies von Thailandurlaubern könnte das allerdings zur ernsthaften Belastungsprobe werden. Schließlich gehört für manche das Bier zum Mittagessen wie der Reis zum Curry. Ein thailändisches Gericht ohne die obligatorische Flasche Chang? Da kann man ja gleich zu Hause bleiben!
Besonders tragisch: Man bekommt für 70 Baht ein fantastisches Essen, muss es aber bei vollem Bewusstsein und völlig nüchtern genießen. Ein Zustand, den nicht jeder Urlauber freiwillig anstrebt. 😂 Aber keine Sorge: Nach dem Essen wartet draußen garantiert irgendwo ein Lokal, in dem man den bedrohlich gesunkenen Alkoholpegel wieder auf ein persönlich akzeptables Niveau bringen kann.
Food Courts – Thailand, wie wir es lieben
Food Courts sind keine Gourmettempel mit weißen Tischdecken, und genau das macht sie so sympathisch. Hier geht es nicht um Sterne, Bewertungen oder besonders kunstvoll aufgeschäumte Saucen und gemütlich ist meist völlig anders. Hier geht es ausschlissslich ums Essen. Ums gemeinsame Genießen, ums Ausprobieren und um die wunderbare thailändische Fähigkeit, aus ein paar frischen Zutaten in wenigen Minuten etwas unglaublich Leckeres zu zaubern.Man sitzt zwischen Familien, Studenten, Büroangestellten und Rentnern, hört das Klappern der Teller, das Zischen der Woks und das fröhliche Stimmengewirr. Man probiert etwas Neues, bestellt vielleicht noch eine Kleinigkeit nach und stellt beim Bezahlen fest, dass der Geldbeutel erstaunlich wenig gelitten hat.
Und irgendwann merkt man: Das war gerade eines der schönsten Essen des Urlaubs. Ohne Meerblick, ohne Kerzenlicht, ohne Kellner – dafür mit ganz viel Thailand. Also, beim nächsten Shoppingbummel nicht nur nach T-Shirts, Souvenirs und Schnäppchen Ausschau halten. Einfach der Nase nachgehen. Die führt in Thailand erstaunlich oft zum Glück. Und wer danach immer noch behauptet, gutes Essen müsse teuer sein, hat vermutlich den Food Court nicht gefunden. 😋
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