02.09.2026
Pattaya
5.000 US-Seeleute kommen nach Pattaya - strikte Verbotsliste wartet schon
Landgang ja, aber die Soi 6, Soi 7, Cannabis und Jetskis sind tabu.
Es gibt Nachrichten, bei denen man beinahe körperlich mitfühlen kann. Rund 5.000 amerikanische Seeleute und Marines haben viele Monate auf See verbracht, erreichen endlich Thailand, Pattaya liegt praktisch vor der Haustür – und dann präsentiert man ihnen eine Liste mit Dingen, die sie nicht tun dürfen. Und diese Liste ist durchaus bemerkenswert.
Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und Begleitschiffe des amerikanischen Trägerverbandes besuchen vom 2. bis 6. September Chon Buri. Die Abraham Lincoln soll mit rund 4.800 Besatzungsmitgliedern im Hafen von Laem Chabang festmachen, während der Zerstörer USS Frank E. Petersen Jr. mit weiteren gut 300 Personen in Si Racha liegt.
Insgesamt kommen damit mehr als 5.000 Angehörige der US Navy in die Region – und Pattaya bereitet sich auf einen kleinen amerikanischen Landgang vor. Nach Einschätzung der Behörden könnten etwa 60 Prozent der Besatzungen während des Hafenaufenthalts nach Pattaya fahren. Das wären rund 3.000 Männer und Frauen, von denen viele auch in der Stadt übernachten dürften.
Eigentlich hervorragende Nachrichten für Pattaya, Wäre da nicht diese Verbotsliste....
Soi 6? Leider nein.
Besonders bitter dürfte für manchen weitgereisten Seemann eine unscheinbare Zeile in den Vorschriften sein.Soi 6, Soi 6/1 und Soi 7 sind tabu. Ausgerechnet.
Wer Pattaya ein wenig kennt, wird die geradezu tragische Dimension dieser geografischen Einschränkung verstehen. Man fährt Tausende Seemeilen über den Pazifik, verbringt nach Angaben des Bürgermeisters rund 280 Tage an Bord, erreicht schließlich eine der berühmtesten Vergnügungsstädte Asiens – und einige ihrer berüchtigtsten Straßen werden kurzerhand zum Sperrgebiet erklärt.
Das ist ungefähr so, als würde man nach München zum Oktoberfest fahren und am Eingang erfahren, dass Bier leider nicht Bestandteil des Programms ist. Immerhin bleibt den amerikanischen Gästen ein kleiner Trost: Die Walking Street darf besucht werden. Allerdings ist dort spätestens um 2 Uhr morgens Feierabend. Pattaya ja – aber bitte in der Navy-kompatiblen Version.
Cannabis? Ebenfalls gestrichen
Auch die zahlreichen Cannabis-Shops der Stadt dürfen sich von der Aussicht auf tausende amerikanische Kunden verabschieden. Cannabis-Läden und entsprechende Angebote stehen für die US-Militärangehörigen ebenfalls auf der Verbotsliste. Dabei ist weniger entscheidend, was Thailand seinen Besuchern grundsätzlich erlaubt oder nicht erlaubt: Angehörige des US-Militärs unterliegen zusätzlich ihren eigenen militärischen Vorschriften.Der Landgang soll schließlich Erholung bringen und nicht mit einem ausgesprochen unangenehmen Gespräch beim Vorgesetzten enden. Auch Apotheken wurden in den Berichten im Zusammenhang mit den für die Besatzungen gesperrten Einrichtungen genannt.
Und bitte auch keinen Jetski
Wer nun denkt, die Seeleute könnten den ausgefallenen Besuch in der Soi 6 einfach durch ein bisschen Action auf dem Wasser kompensieren, wird erneut enttäuscht. Auch zahlreiche Wassersportaktivitäten sind verboten. Insbesondere Jetski-Fahrten, Flyboarding und Parasailing stehen auf der No-Go-Liste.Ausgerechnet Seeleute dürfen also in Pattaya nicht aufs Wasser.
Nach 280 Tagen auf einem Flugzeugträger dürfte sich die Begeisterung darüber allerdings möglicherweise in Grenzen halten. Ein Ausflug nach Koh Larn ist dagegen erlaubt. Man darf also durchaus aufs Meer schauen – nur bestimmte Methoden, sich darauf zu vergnügen, sollte man vermeiden.
Pattaya putzt derweil schon einmal die gute Stube
Die Stadt nimmt den Besuch ausgesprochen ernst. Bei einer Sicherheitsbesprechung im Rathaus am 31. August kamen Vertreter Pattayas, der Touristenpolizei, Verwaltungsbeamte und Sicherheitspersonal der amerikanischen Schiffe zusammen.Polizeistreifen sollen verstärkt, Überwachungskameras kontrolliert und die touristische Infrastruktur auf den ungewöhnlich großen Besucheransturm vorbereitet werden. Für den Transport der Seeleute sollen 40 Shuttlebusse eingesetzt werden. Sie verkehren täglich ungefähr zwischen 5 Uhr morgens und 2 Uhr nachts.
Zu den wichtigsten Unterkünften gehören das Hard Rock Hotel Pattaya und das Hilton Pattaya. Die Besatzungsmitglieder dürfen dort übernachten oder anschließend auf ihre Schiffe zurückkehren.
Pattaya möchte sich also von seiner besten Seite zeigen.Und dafür wurde offenbar kurz vorher noch einmal kräftig aufgeräumt.
Plötzlich entdeckt Pattaya die Straßenprostitution
Nur wenige Tage vor der Ankunft des amerikanischen Trägerverbandes rückte ein etwa 20-köpfiges Team aus Polizei und Sozialbehörden aus. Das Ziel: Straßenprostitution... die es ja nach Aussagen der Beamten Pattaya und der Regierung gar nicht gibt.An der Beach Road, der Second Road und in weiteren öffentlichen Bereichen wurden nu 25 Frauen festgenommen – 18 Thailänderinnen, fünf Laotinnen und zwei Uganderinnen. Ihnen wurde vorgeworfen, auf der Straße sexuelle Dienstleistungen angeboten zu haben. Die Frauen erhielten Geldstrafen und wurden anschließend wieder freigelassen.
Die Behörden erklärten, damit werde das geltende Verbot der Straßenprostitution durchgesetzt. Gleichzeitig wolle man verhindern, dass Minderjährige in dieses Milieu geraten. Auch nach Kindern, die zum Betteln oder Straßenverkauf gezwungen werden, soll verstärkt Ausschau gehalten werden.
Das sind selbstverständlich vernünftige Ziele. Ein klein wenig bemerkenswert ist lediglich das Timing.
Denn dass es in Pattaya Prostitution gibt, dürfte den Behörden dann doch erst am Wochenende vor der Ankunft des amerikanischen Flugzeugträgers aufgefallen sein. Es handelt sich schließlich um eines der besser gehüteten Geheimnisse Südostasiens – ungefähr auf dem Geheimhaltungsniveau von „In Thailand gibt es Reis“.
Prostitution ist verboten
Auch beim Treffen mit den amerikanischen Vertretern wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Kauf und Verkauf sexueller Dienstleistungen in Thailand illegal sind.Besonders streng wurde vor jeder Form sexueller Ausbeutung von Minderjährigen gewarnt. Sexuelle Handlungen beziehungsweise die Vermittlung entsprechender Dienstleistungen mit Personen unter 18 Jahren sind selbstverständlich absolut tabu und können schwerwiegende strafrechtliche Konsequenzen haben.
Dass die Behörden diesen Punkt vor einem Landgang von mehreren tausend Seeleuten noch einmal besonders hervorheben, dürfte kaum zufällig sein. Der etwas skurrile Teil besteht vielmehr darin, dass Pattaya seit Jahrzehnten international gerade für eine Unterhaltungsindustrie bekannt ist, die offiziell in weiten Teilen überhaupt nicht existieren dürfte.
Aber Gesetze und gelebte Realität führen in Thailand gelegentlich eine ausgesprochen moderne Fernbeziehung.
280 Tage auf See – und das Konto ist voll
Für Pattayas Geschäftsleute gibt es allerdings einen ausgesprochen erfreulichen Aspekt des Besuchs. Bürgermeister Poramet Ngampichet verwies darauf, dass die Besatzungen nach rund 280 Tagen auf See erhebliche Teile ihrer Gehälter und Zulagen noch nicht ausgegeben hätten.Nach Gesprächen mit Vertretern der US-Botschaft und der Navy geht Pattaya davon aus, dass jedes Besatzungsmitglied während des Aufenthalts ungefähr 100 bis 150 US-Dollar pro Tag ausgeben könnte.
Die Stadt rechnet deshalb mit einem zusätzlichen Umsatz von mindestens 100 Millionen Baht während des fünftägigen Besuchs. Hotels, Restaurants, Bars, Einkaufszentren, Massagesalons, Taxis und zahlreiche andere Betriebe dürften sich über den amerikanischen Geldregen entsprechend freuen.
Nur die Geschäfte in der Soi 6 & 7 müssen diesmal tapfer sein.
Pattayas Behörden haben die örtlichen Unternehmen außerdem ausdrücklich aufgefordert, ihre amerikanischen Gäste fair zu behandeln. Keine Fantasiepreise, keine plötzlich wundersam veränderten Rechnungen und keine kreative Interpretation der Speisekarte, nur weil ein paar tausend Menschen mit Dollar auf dem Konto in der Stadt auftauchen.
Die Anbieter sollen angemessene Preise verlangen und ordentliche Leistungen erbringen. Auch die Touristenpolizei fährt ihre Präsenz hoch. Die Hotline 1155 steht rund um die Uhr zur Verfügung, zusätzlich können Besucher über die Tourist-Police-App ihren Standort übermitteln und Hilfe anfordern.
Pattaya möchte schließlich ein guter Gastgeber sein und setht mit beiden Beinen auf dem Spassbremspedal.
Für Pattaya dürfte der Besuch trotzdem ein ausgezeichnetes Geschäft werden. Rund 3.000 mögliche Übernachtungsgäste, tausende weitere Besucher und geschätzte 100 Millionen Baht zusätzliche Einnahmen innerhalb weniger Tage nimmt man schließlich gerne mit.
Für einige amerikanische Seeleute könnte die Ankunft dagegen eine kleine Lektion darüber werden, dass Vorfreude und Realität manchmal mehrere Straßenzüge auseinanderliegen. Nach 280 Tagen auf See endlich Pattaya – und dann hängt ausgerechnet an der Soi 6 gedanklich das Schild: „Heute leider geschlossene Gesellschaft.“ Jedoch ist die Stadtverwaltung bemüht, klarzustellen, dass die strengen Regeln für die Matrosen nicht auf ihrem Mist gewachsen ist, sondern als Vorschriften-Katalog von der Navy so zur Umsetzung übergeben wurde.
Manchmal schreibt das Leben eben die traurigsten Seemannsgeschichten ganz ohne Schiffbruch.
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