Abt sorgt in Thailand für Skandal: Sex, Gold und Spendengelder - Reisenews Thailand
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14.09.2026

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Abt sorgt in Thailand für Skandal: Sex, Gold und Spendengelder

Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und 290 Millionen Baht auf dem Konto

Abt sorgt in Thailand für Skandal: Sex, Gold und Spendengelder - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Eigentlich ist das Leben eines buddhistischen Mönchs recht übersichtlich geregelt: Enthaltsamkeit gehört unbedingt dazu, persönlicher Reichtum eher nicht – und Spendengelder eines Tempels sollten im Idealfall auch tatsächlich beim Tempel ankommen. Im berühmten Wat Phutthaisawan in Ayutthaya scheint man diese Grundsätze möglicherweise etwas großzügiger interpretiert zu haben.

Der ehemalige Abt des historischen königlichen Tempels, der 66-jährige Phra Wachirayan, besser bekannt als Luang Pho Atichot, wurde am 10. September festgenommen. Die Vorwürfe der Ermittler sind durchaus umfangreich: Veruntreuung von Tempelgeldern, Amtsmissbrauch und Geldwäsche. Und als wäre das für einen hochrangigen buddhistischen Geistlichen noch nicht unangenehm genug, kam auch noch eine 47-jährige Frau namens Punyawee „Ae“ Rungrueang ins Spiel.

Erst kam die Frau – dann kamen die Millionen

Die Geschichte begann im Juli mit einem anonymen Hinweis. Darin wurde nicht nur behauptet, der Abt unterhalte eine für einen zölibatär lebenden Mönch eher unpraktische intime Beziehung. Die Hinweisgeber wunderten sich offenbar auch darüber, dass seine Bekannte trotz fehlender regelmäßiger Beschäftigung plötzlich über ein bemerkenswertes Vermögen verfügte.

Abt sorgt in Thailand für Skandal: Sex, Gold und Spendengelder - Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und 290 Millionen Baht auf dem Konto Symbolfoto 3
Die Polizei begann zu ermitteln – und wurde nach eigenen Angaben ziemlich schnell fündig. Überwachungskameras aus der Residenz des Abtes sollen tatsächlich sexuelle Kontakte zwischen beiden dokumentiert haben. Teile der Aufnahmen fanden inzwischen ihren Weg in die thailändischen Medien. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam dabei ein Tisch, der offenbar für Tätigkeiten verwendet wurde, die in der buddhistischen Hausordnung eher nicht unter „bestimmungsgemäße Nutzung“ fallen dürften.

Damit war zumindest das religiöse Problem des Abtes schnell geklärt. Geschlechtsverkehr gehört für buddhistische Mönche zu den schwersten Verstößen gegen die Ordensregeln und führt zum Verlust des Mönchsstatus. Am 10. September war deshalb Schluss mit der Robe.
Doch der Sex sollte sich ziemlich schnell als das kleinere Problem herausstellen.

Mehr als 92 Millionen Baht – aber nicht auf dem Tempelkonto

Nachdem die Ermittler schon einmal etwas genauer hinsahen, interessierten sie sich zunehmend für die Finanzen des Tempels. Dabei stießen sie nach eigenen Angaben auf zwei auffällige Geldströme. Rund 89 Millionen Baht (ca. 2,32 Mio. EUR) sollen für Renovierungsarbeiten am Tempel gespendet worden sein. Weitere etwa 2,8 Millionen Baht (ca. 73.000 EUR) sollen aus Amuletten und anderen religiösen Gegenständen stammen.

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Entsprechende Spendenbescheinigungen des Tempels soll es gegeben haben. Nur auf dem Konto des Tempels kam das Geld laut Polizei nicht an. Kein einziger Baht, erklärte der zuständige Ermittler.

Damit geht es inzwischen um mehr als 92 Millionen Baht (ca. 2,4 Mio. EUR), deren Verbleib Gegenstand des Strafverfahrens ist. Die Frau soll nach Auffassung der Ermittler dabei geholfen haben, Gelder zu verschieben, Vermögenswerte zu erwerben und deren Herkunft zu verschleiern. Auch auf den Namen ihrer Tochter sollen Vermögenswerte eingetragen worden sein.

Buddhistische Bescheidenheit – 138 Millionen Baht in bar

Richtig spektakulär wurde die Angelegenheit allerdings erst bei der Durchsuchung der Räume des ehemaligen Abtes. Dort fanden die Ermittler nach aktuellen Angaben rund 138,3 Millionen Baht Bargeld – etwa 3,6 Millionen EUR. Nicht als Zahl in irgendeiner Bilanz und auch nicht auf einem Tempelkonto. Bargeld.

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Dazu kamen Goldbarren und Goldschmuck im geschätzten Wert von etwa 70 Millionen Baht (ca. 1,83 Mio. EUR). Und weil offensichtlich noch etwas Platz im Sparstrumpf war, entdeckten die Ermittler außerdem Bankguthaben von mehr als 290 Millionen Baht – rund 7,6 Millionen EUR, die mit dem ehemaligen Abt in Verbindung stehen.

Allein Bargeld und Gold aus seinen Räumen beziffert die Polizei auf rund 205 Millionen Baht (ca. 5,35 Mio. EUR). Damit nicht genug: Bei Punyawee wurden laut Ermittlern weitere knapp 3,9 Millionen Baht Bargeld, Gold im Wert von gut 6,1 Millionen Baht, Bankbücher sowie Grundstücksunterlagen und weitere Finanzdokumente gefunden.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Diese gewaltigen Summen sind nicht automatisch alles gestohlenes Tempelgeld. Die Behörden untersuchen derzeit, wem die Vermögenswerte tatsächlich gehören, woher sie stammen und welcher Teil möglicherweise rechtmäßig erworben wurde. Der bisher konkret bezifferte Verdacht der Veruntreuung betrifft rund 92 Millionen Baht beziehungsweise 2,4 Millionen EUR.

Ausgerechnet ein königlicher Tempel

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Besonders peinlich ist die Affäre wegen des Schauplatzes. Wat Phutthaisawan ist schließlich kein kleiner unbekannter Dorftempel irgendwo im Hinterland. Die Anlage in Ayutthaya stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den bedeutenden historischen Tempeln der ehemaligen Königsstadt.

Der ehemalige Abt verfügte über zahlreiche Anhänger und war insbesondere für seine Amulette bekannt. Zu deren Besitzern sollen hochrangige Beamte, Geschäftsleute, Polizisten und Militärs gehören. Selbst Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul soll eines seiner Amulette getragen haben.

Und nun diskutiert Thailand weniger über deren spirituelle Kräfte als über Bargeldberge, Goldbarren – und einen inzwischen ziemlich berühmten Tisch. 😊😊😊

Der vermutlich unschuldigste Beteiligte: der Tisch

Denn besagtes Möbelstück entwickelt inzwischen beinahe ein Eigenleben. Nachdem bekannt wurde, was die Überwachungskameras dort aufgezeichnet haben sollen, wurde Medienberichten zufolge sogar gefordert, den inzwischen berüchtigten Tisch zu zerstören. Er sei eine Schande beziehungsweise ein Fluch für den Buddhismus.

Man könnte natürlich auch argumentieren, dass der Tisch vermutlich das unschuldigste Objekt der gesamten Geschichte ist. Aber Möbel haben bekanntlich keine Lobby.

Und schon wieder ein Mönchsskandal

Besonders bitter für den thailändischen Sangha: Der Fall kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Erst 2025 erschütterte der große „Golf“-Skandal das Land. Damals ging es um eine Frau, die intime Beziehungen zu mehreren hochrangigen Mönchen gehabt haben und anschließend mit kompromittierenden Bildern beziehungsweise Videos Geld verlangt haben soll.

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Der Fall löste eine landesweite Diskussion darüber aus, wie Mönche kontrolliert werden, wie transparent die Finanzen wohlhabender Tempel tatsächlich sind und warum bei Millionenbeträgen offenbar manchmal erstaunlich wenig Kontrolle stattfindet.

Kaum ist diese Diskussion etwas abgeklungen, liefert Ayutthaya nun die Fortsetzung – diesmal mit einer bemerkenswerten Kombination aus Sex, mutmaßlich verschwundenen Spendengeldern, Gold und Bargeld in einer Größenordnung, bei der selbst so mancher mittelständische Unternehmer kurz nachrechnen dürfte. Inzwischen geht es um Vermögenswerte von mehreren hundert Millionen

Der ehemalige Abt und Punyawee befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft. Ein Gericht verweigerte beiden zunächst die Freilassung gegen Kaution. Die Ermittler wollen nun umfangreiche Finanzbewegungen nachvollziehen und prüfen, ob weitere Personen beteiligt waren. Gleichzeitig untersucht die Anti-Money Laundering Office die Herkunft und Verschiebung der Vermögenswerte.

Und genau hier könnte der Fall noch deutlich größer werden. Aktuelle Medienberichte sprechen inzwischen von mehr als 700 Millionen Baht – über 18 Millionen EUR – an Vermögenswerten und Finanzspuren, die untersucht beziehungsweise mit den Beschuldigten in Verbindung gebracht werden.

Auch hier gilt allerdings: Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass 700 Millionen Baht veruntreut wurden. Es bedeutet lediglich, dass die Ermittler inzwischen einen verdammt großen finanziellen Heuhaufen durchsuchen müssen, um herauszufinden, welche Nadel wem gehört.

Für Thailand ist die Geschichte deshalb mehr als nur ein wunderbar bizarrer Boulevardfall. Tempel erhalten jedes Jahr enorme Summen von Gläubigen. Menschen spenden für Renovierungen, religiöse Zeremonien, soziale Projekte, Schulen, Bestattungen oder schlicht deshalb, weil sie damit „Tam Bun“ – Verdienste für ihr Karma – erwerben möchten. Dieses System funktioniert vor allem durch Vertrauen.

Die thailändische Polizei rät deshalb inzwischen ausdrücklich dazu, bei größeren Spenden darauf zu achten, dass das Geld tatsächlich auf ein offizielles Konto des Tempels überwiesen wird und nicht auf private Konten von Mönchen, Einzelpersonen oder irgendwelchen angeschlossenen Organisationen.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dem jüngsten Skandal. Denn Enthaltsamkeit kann man brechen, eine Robe kann man ablegen und einen kompromittierenden Tisch kann man notfalls verbrennen. Aber wenn Gläubige irgendwann anfangen zu glauben, dass ihre Tempelspende möglicherweise zwischen Goldbarren, Privatkonten und Schlafzimmermöbeln endet, bekommt der thailändische Buddhismus ein wesentlich größeres Problem.
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