23.09.2026
Bangkok
Aktion Autofreies Bangkok 2026 - Bahn, Boot, Fahrrad statt Dauerstau
Skywalks, Elektroboote und Leihräder: Bangkok baut an der Verkehrswende
Bangkok und autofrei – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick ungefähr so gut zusammenpassen wie Bangkok und „angenehm kühle Mittagstemperaturen“. Doch genau daran arbeitet die Stadtverwaltung. Mit „Bangkok Car Free 2026“ sollen die Bewohner zumindest ausprobieren, ob der tägliche Weg durch die Millionenmetropole auch ohne eigenes Auto funktionieren kann.
Unter dem Motto „Let’s Shift Modes“ geht es dabei ausdrücklich nicht darum, Autos aus Bangkok zu verbannen. Die Stadt möchte vielmehr Alternativen schaffen, die bequem, sicher und miteinander verknüpft sind: BTS und MRT, Busse, Boote, Fahrräder und natürlich die eigenen Füße.
Bangkok-Gouverneur Chadchart Sittipunt machte am Dienstag gemeinsam mit seinen Stellvertretern und weiteren Führungskräften der Bangkok Metropolitan Administration selbst mit. Die Dienstwagen blieben stehen; stattdessen ging es zu Fuß, laufend, mit Bahn, Boot oder Fahrrad zum Rathaus an der Giant Swing. Auch die Botschaften von Finnland, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen beteiligten sich und schickten ihre Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit.
Nicht nur ein symbolischer autofreier Tag
Interessanter als die öffentlichkeitswirksame Aktion sind allerdings die Projekte, mit denen Bangkok das Umsteigen tatsächlich angenehmer machen will.
Zwischen Lumphini Park und Benjakitti Park gibt es inzwischen eine verbesserte Fuß- und Fahrradverbindung. Der Laufweg erhielt einen gelenkschonenderen und rutschfesten Belag, der Fußweg wurde mit Granit gepflastert. Rampen und Aufzüge erleichtern außerdem Rollstuhlfahrern, Eltern mit Kinderwagen und Radfahrern die Nutzung. LED-Beleuchtung, Videoüberwachung und Personal sollen für Sicherheit sorgen. Die Verbindung ist täglich von 6 bis 18 Uhr kostenlos geöffnet.
Auch rund um das Victory Monument tut sich einiges. Der neue Rajavithi Skywalk soll BTS-Station, Krankenhäuser und wichtige Einrichtungen entlang der Ratchawithi Road miteinander verbinden. Der über vier Meter breite Weg führt unter anderem an Rajavithi Hospital, Phramongkutklao Hospital und dem Queen Sirikit National Institute of Child Health vorbei und reicht bis in Richtung Ramathibodi Hospital. Selbst ein kleines Ambulanzfahrzeug soll den Skywalk im Notfall befahren können.
Gerade für ältere Menschen und Patienten ist die überdachte Verbindung ein großer Fortschritt: weniger Straßenüberquerungen, Schatten vor der Sonne und Schutz bei Regen.
Bangkok entdeckt seine Khlongs wieder
Auch die Wasserwege sollen stärker in das Verkehrsnetz eingebunden werden. Auf dem Khlong Phadung Krung Kasem verkehren teilweise elektrische Boote zwischen Hua Lamphong und Thewarat Market.Die Strecke besitzt elf Anlegestellen und bietet Anschlüsse an die MRT sowie am anderen Ende an Chao-Phraya-Boote und Fähren. Unter der Woche fahren die Boote morgens von 6 bis 9 Uhr sowie nachmittags von 16 bis 19 Uhr im 20-Minuten-Takt. Am Wochenende und an Feiertagen gilt zwischen 8 und 19 Uhr ein Stundentakt. Die Position der Boote lässt sich mittlerweile über ViaBus verfolgen.
Damit werden Bangkoks Kanäle wieder stärker zu dem, was sie lange vor Skytrain und Stadtautobahnen einmal waren: ganz normale Verkehrswege.
1,6 Kilometer Schatten – klingt banal, ist aber wichtig
Wer schon einmal bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit einen Kilometer durch Bangkok gelaufen ist, weiß außerdem: Die Entfernung ist oft gar nicht das eigentliche Problem. Die Sonne ist es.Deshalb testet Bangkok an der South Sathon Road einen 1,6 Kilometer langen überdachten Fußweg zwischen MRT Lumphini und dem Chong Nonsi Skywalk. Fußgänger sollen dadurch vor Sonne und Regen geschützt werden und gleichzeitig zwei Bahnverbindungen besser erreichen können. Bei Erfolg möchte die BMA das Konzept auf weitere geeignete Bereiche ausweiten.
Das klingt weniger spektakulär als eine neue Skytrain-Linie für Milliarden Baht, könnte aber im Alltag einen erstaunlich großen Unterschied machen.
Eine Million Fahrten mit Leihrädern
Auch Fahrräder sollen stärker zum Teil der alltäglichen Mobilität werden. Die Stadt setzt sich das Ziel von einer Million Bike-Sharing-Fahrten und möchte dafür zusätzliche Abstell- und Ausleihpunkte schaffen.Dabei sollen Stationen nicht einfach irgendwo hingestellt werden: Die Nutzung wird beobachtet, stark nachgefragte Standorte sollen ausgebaut und kaum verwendete Stationen gegebenenfalls verlegt werden. Vor allem Schüler und Studenten zeigen laut BMA wachsendes Interesse am Fahrrad.
Bangkok will nicht das Auto verbieten
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt der gesamten Kampagne. Bangkok Car Free 2026 ist kein Plan für eine autofreie Hauptstadt. Die BMA betont ausdrücklich, niemanden zum Verzicht auf das Auto zwingen zu wollen. Stattdessen soll eine Stadt entstehen, in der man überhaupt eine vernünftige Wahl hat.Die Verwaltung fasst das mit vier englischen Begriffen zusammen: Walkable, Bikeable, Connected und Accessible – also eine Stadt, in der man laufen und Fahrrad fahren kann, Verkehrswege miteinander verbunden sind und Mobilität möglichst allen Menschen zugänglich ist.
Am 23. September wird die Kampagne deshalb mit einem Mobilitätsforum fortgesetzt. Vertreter der Stadtverwaltung, Verkehrsexperten, Radfahrerinitiativen, Jugendorganisationen und die UN diskutieren darüber, wie sich Bangkoks Verkehr langfristig verändern kann.
Und vielleicht liegt genau darin der vernünftigste Ansatz.
Aus Bangkok wird sicherlich nicht plötzlich Amsterdam mit Pad Thai. Dafür gibt es schlicht zu viele Autos, zu große Entfernungen und zu viele Straßen, auf denen Radfahren derzeit eher unter Abenteuersport fällt. Aber wenn Bahn, Bus, Boot, Fahrrad und Fußwege tatsächlich komfortabel miteinander verbunden werden, könnte für immer mehr Menschen irgendwann die entscheidende Frage lauten: Warum eigentlich das Auto nehmen, wenn es ohne schneller und bequemer geht?
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