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04.02.2026

Amüsantes  

All-you-can-eat mit Ahnenbonus - Buffet oder Beerdigung

Wenn Touristen eine Bestattungszeremonie für ein Restaurant halten

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Man sagt ja, Reisen bilde. In diesem Fall bildete es vor allem eines: ein bemerkenswertes Missverständnis zwischen westlicher Buffet-Erwartung und thailändischer Trauerkultur – irgendwo im Süden Thailands, wo plötzlich ein Leichenschmaus zur kulinarischen Entdeckung wurde.

In der Provinz Nakhon Si Thammarat fand Ende Januar eine ganz normale thailändische Beerdigung statt. Familie, Freunde, Nachbarn – alles wie vorgesehen. Was allerdings nicht auf dem Ablaufplan stand: ausländische Gäste, die zielstrebig Platz nahmen, Wasser serviert bekamen und offenbar fest davon ausgingen, gerade ein äußerst authentisches Lokal entdeckt zu haben. Dass alle anderen „Gäste“ Schwarz trugen, schien nicht aufgefallen zu sein.

Der Gastgeber kommentierte das Geschehen mit hörbarer Freude und einer Prise galligem Humor, während seine Familie tat, was thailändische Familien nun einmal tun: Sie servierten Essen. Kommentarlos. Freundlich. Effizient. Offenbar ist es kulturell einfacher, Fremde zu bewirten, als sie zu korrigieren.

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Erst, als die Kehlen befeuchtet und die Mägen gefüllt waren, klärte man die beiden Herren darüber auf, dass sie sich nicht in einem neu eröffneten Geheimtipp mit Dorfcharme befanden, sondern mitten in einer Trauerzeremonie. Die Reaktion: Entschuldigung, Dankbarkeit – und vermutlich eine neue Urlaubsgeschichte für zu Hause, die niemand glauben wird.

In Thailand gehört es zur Tradition, bei Beerdigungen Speisen und Getränke anzubieten. Nicht aus Partylaune, sondern aus Respekt, Dankbarkeit und dem Wunsch, Verdienste für die Verstorbenen zu sammeln. Dass dieses Prinzip nun auch spontan auf ahnungslose Touristen ausgeweitet wurde, sagt viel über die Gelassenheit – und wenig über kulturelle Orientierungshilfen für Reisende.

Und dann kamen mehr

Weil gute Dinge bekanntlich Wiederholungen brauchen, tauchte am nächsten Tag gleich die nächste Gruppe Ausländer auf. Drei diesmal. Kurz die Lage sondiert, vorsichtig nachgefragt, ob es sich um ein Restaurant handle – und dann ebenfalls versorgt. Warnung inklusive: Das Essen sei etwas scharf. Trauer ja, Mitleid nein.

Die Mutter des Gastgebers servierte routiniert, als gehöre internationale Verpflegung bei Beerdigungen längst zum erweiterten Protokoll. Überraschung auf beiden Seiten, Freude bei den Gästen, stille Fassungslosigkeit beim Publikum im Netz.

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Die Videos verbreiteten sich rasend schnell, inklusive Interviews bei ThaiRath. Die Reaktionen schwankten erwartungsgemäß zwischen herzlichem Lob für die Großzügigkeit der Familie und misstrauischem Stirnrunzeln: Waren die Fremden wirklich ahnungslos – oder schlicht kulinarische Opportunisten mit gutem Timing?

Andere wiederum verteidigten die Gastgeber entschieden: Wer bei einer Beerdigung Essen anbietet, tut dies aus spiritueller Überzeugung. Und wer dabei niemanden ausschließt, lebt genau jene Werte, auf die Thailand so gerne stolz ist – Mitgefühl, Gastfreundschaft und die Fähigkeit, selbst absurde Situationen ohne Gesichtsverlust zu meistern.

Während anderswo ein falsches Restaurant zu einem peinlichen Moment wird, entsteht hier eine Geschichte, die gleichzeitig rührend, komisch und tief kulturell ist. Wer in Thailand zufällig bei einer Beerdigung landet, bekommt vielleicht mehr als nur Essen serviert – nämlich eine Lektion in Menschlichkeit.

Und eine Erkenntnis fürs nächste Mal: Wenn kein Menü aushängt, alle schwarz tragen und jemand leise weint, ist es vermutlich kein neues Streetfood-Konzept. Aber essen darf man trotzdem.

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