13.05.2026
Phuket
Anutin sagt Phukets mafiösen Strukturen den Kampf an
Phuket und die wundersame Vermehrung privater Strandflächen
Direkt nach seiner Ankunft am Phuket International Airport fuhr Anutin weiter nach Bang Tao. Dort prüfen Behörden derzeit, ob öffentliche Strandflächen und geschützte Küstenbereiche illegal von Unternehmen, Investoren oder Betreibern genutzt wurden. Die Vorwürfe sind heftig: Restaurants, Sitzbereiche, provisorische Bauten und andere gewerbliche Einrichtungen sollen sich auf staatliches Land ausgedehnt haben – teils sogar direkt auf den Strand.
Bereits im vergangenen Monat hatten die lokalen Behörden am Bang Tao Beach aufgeräumt. Restaurantmöbel, temporäre Bauten und kommerzielle Sitzbereiche wurden vom Sand entfernt, nachdem festgestellt worden war, dass einige Betreiber über ihre legalen Grundstücksgrenzen hinaus öffentliche Flächen genutzt hatten. Die Behörden stellten klar: Auch wenn Betriebe hinter dem Strand auf legal tituliertem Land arbeiten, bleibt der Sandstrand selbst öffentliches Staatsland und soll allen Menschen zugänglich bleiben.
Nach Angaben der Provinzverwaltung wurden inzwischen mehr als fünf Rai Strandland zurückgeholt. Außerdem wurden mindestens 16 Restaurants und zugehörige Strukturen identifiziert. Besonders brisant: Es gibt Vorwürfe, dass einflussreiche Investoren öffentliche Strandbereiche eingezäunt und anschließend an Betreiber weitervermietet haben sollen. Mit anderen Worten: Man nimmt Land, das einem nicht gehört, sperrt es ab und verdient dann daran. Ein Geschäftsmodell mit Charme – zumindest für Leute, denen Gesetze offenbar eher dekorativ erscheinen.
Anutin fand bei seinem Besuch deutliche Worte. Es dürfe keine einflussreichen Figuren und keine Mafia geben, erklärte er. Menschen, die Schwächere einschüchtern oder öffentliches Land für private Gewinne kontrollieren, würden nicht geduldet. Als Premierminister und zugleich Innenminister machte er klar, dass der Staat seine Autorität in Phuket wieder sichtbarer durchsetzen wolle.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um ein paar Tische im Sand oder ein paar Sonnenschirme zu viel. Der Fall Bang Tao ist zu einem Symbol geworden. Phuket lebt vom Tourismus, von seinen Stränden, vom Bild einer zugänglichen tropischen Insel. Wenn aber öffentliche Küstenstücke von privaten Interessen vereinnahmt werden, leidet nicht nur die Natur, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung und das internationale Image der Insel.
Die Behörden untersuchen zudem den Verdacht, dass an Bang Tao Restaurants, Shops und feste Gebäude auf Land errichtet wurden, das unter Schutz steht oder als öffentlicher Strandbereich gilt. Teilweise handelt es sich offenbar um Flächen, für die nach geltendem Recht gar keine Eigentumsdokumente ausgestellt werden dürfen. Gegen Dutzende Strukturen sollen bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden sein.
Vor Ort versammelten sich zahlreiche Anwohner, Geschäftsleute und Betreiber, um mit dem Premierminister zu sprechen. Nicht alle sehen sich selbst als Täter. Einige baten um Schutz, andere erklärten, sie hätten Flächen gutgläubig gemietet, ohne zu wissen, dass diese illegal besetzt oder weitervermietet worden seien. Genau hier wird der Fall kompliziert: Es gibt offenbar nicht nur Profiteure, sondern auch kleine Betreiber, die möglicherweise selbst Opfer und abhängig von dubiosen Vermietern geworden sind.
Anutin betonte deshalb, die Maßnahmen sollten nicht die Existenz ehrlicher Menschen zerstören. Ziel sei es vielmehr, öffentliche Strände wieder für die Allgemeinheit zugänglich zu machen und eine rechtmäßige Nutzung zu ermöglichen. Legitime Betriebe sollen weiter arbeiten können – aber eben ohne Naturressourcen zu schädigen oder den öffentlichen Zugang zum Strand zu blockieren.
Die Regierung kündigte außerdem an, ein sogenanntes „Bang Tao Model“ zu entwickeln. Dieses Modell soll künftig als Vorlage für die Verwaltung öffentlicher Strandflächen dienen. Geplant ist eine engere Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden, Forstbeamten und Polizei. Damit soll verhindert werden, dass Zuständigkeiten hin- und hergeschoben werden, während sich illegale Betreiber gemütlich einrichten und am Ende niemand etwas gesehen haben will.
Politisch heikel wurde der Besuch, als Anutin eine geplante Inspektion am Freedom Beach kurzfristig absagte. Auch dort gibt es Vorwürfe rund um Waldflächen, eingeschränkten öffentlichen Zugang, Einschüchterung und Einflussnetzwerke. Offiziell hieß es später, der Premierminister sei wegen eines dringenden sicherheitsrelevanten Einsatzes nach Ranong weitergereist. Dort ging es um mutmaßlich steuerhinterzogene Waren im Wert von mehr als 50 Millionen Baht.
In der Öffentlichkeit kam die Absage trotzdem nicht überall gut an. Viele hatten erwartet, dass Anutin auch am Freedom Beach klare Präsenz zeigt. Ein thailändischer Kommentator spottete sinngemäß: „Angst vor Kugeln? 5555“. Das zeigt, wie emotional das Thema inzwischen ist. Für viele Menschen geht es nicht nur um Landrecht, sondern um die Frage, ob der Staat sich gegen lokale Machtgruppen tatsächlich durchsetzen kann.
Der Fall Bang Tao zeigt einmal mehr, wie groß der Druck auf Phuket ist. Die Insel ist touristisch extrem wertvoll, die Küstenlagen sind begehrt, und wo viel Geld zu verdienen ist, wachsen manchmal auch sehr kreative Vorstellungen davon, wem öffentlicher Raum eigentlich gehört. Genau deshalb ist die Botschaft der Regierung deutlich: Strände sollen nicht privatisiert, eingeschüchtert oder still und heimlich in Geschäftsflächen verwandelt werden.
Ob aus den Ankündigungen am Ende echte dauerhafte Veränderungen werden, bleibt abzuwarten. Phuket hat schon viele Kampagnen, Räumungen und große Worte erlebt. Entscheidend wird sein, ob die Behörden auch dann noch konsequent bleiben, wenn die Kameras weg sind und die nächste Hochsaison näher rückt.
Kommentar der Red.:
Alle Jahre wieder entdeckt Phuket völlig überrascht, dass in Naturparks, Waldflächen und am Strand gebaut wurde. Einfach so. Über Nacht vermutlich. Da wacht man morgens auf, und zack – steht da ein Restaurant, ein Beachclub, eine mehrstöckige Hotelanlage mit Pool, Restaurant, Parkplatz und Frühstücksbuffet. Wer hätte das ahnen können?Natürlich hat das niemand bemerkt. Nicht die Behörden, nicht die Kontrolleure, nicht die lokalen Zuständigen, nicht die Menschen, die Genehmigungen prüfen sollen. Eine große Resortanlage ist ja auch schwer zu erkennen. So ein Hotel tarnt sich geschickt zwischen zwei Palmen, hält die Klimaanlagen an und tut so, als sei es ein Felsen.
Und wenn doch mal jemand etwas gesehen hat, dann war es wahrscheinlich nur ein kleines Missverständnis. Oder ein Umschlag. Pardon: ein kulturell fein abgestimmter Verwaltungsbeschleuniger. Teamoney ist ja kein Problem, sondern in manchen Gegenden offenbar ein traditionsreiches Schmiermittel für kreative Raumplanung.
Das Muster ist immer gleich: Erst wird gebaut, vermietet und kassiert. Dann kommt irgendwann eine Kontrolle, meist nachdem schon alles steht, alle Fotos gemacht wurden und die Betten bei Booking längst bewertet sind. Danach große Empörung, ernste Gesichter, Pressefotos, „Wir greifen jetzt hart durch“ – bis zur nächsten Anlage, die sich völlig unbemerkt in einen geschützten Hang hineinmaterialisiert.
Phuket braucht keine Archäologen. Die Insel braucht Leute, die fertige Hotels finden, bevor sie offiziell „plötzlich entdeckt“ werden. Denn wenn ein Restaurantstuhl auf öffentlichem Sand steht, ist die Ordnungsmacht schnell wach. Aber bei kompletten Anlagen in sensiblen Gebieten scheint die Sicht manchmal erstaunlich neblig zu sein.
Kurz gesagt: In Thailand wächst nicht nur Bambus schnell. Manchmal wachsen auch Resorts in Naturzonen – ganz ohne Genehmigung, aber offenbar mit sehr guter Tarnung und exzellentem Netzwerk.
Phukets Strände gehören nicht einzelnen Betreibern, Investoren oder lokalen Einflussgruppen – sie gehören der Öffentlichkeit. Und genau daran will Anutin nun offenbar erinnern. Bleibt nur zu hoffen, dass aus dieser Erinnerung mehr wird als ein Fototermin mit ernster Miene am Strand.
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