31.03.2025
Bangkok
Bangkok nach dem Beben: 6.000 beschädigte Gebäude
Gebäude unter Beobachtung und Eigentümer unter Zugzwang
Wie der stellvertretende Bangkoker Gouverneur Sannon Wangsrangboon am 29. März mitteilte, gingen allein am ersten Tag über 2.100 Meldungen ein – bis zur Mittagszeit stieg die Zahl bereits auf über 5.000. Der sprunghafte Anstieg sei vor allem auf die wachsende Sensibilisierung in der Bevölkerung zurückzuführen. „Die Leute schauen jetzt genauer hin – und sie melden, was ihnen Sorgen macht“, so Wangsrangboon.
Die Bangkok Metropolitan Administration (BMA) passt nun ihre Abläufe an, um schneller und effektiver auf die Flut an Meldungen zu reagieren. Freiwillige Ingenieure spielen dabei eine zentrale Rolle – ihre Einsätze werden neu koordiniert und nach Fallkomplexität priorisiert.
Auf Anweisung von Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt wurden Eigentümer und Betreiber von Gebäuden mit mehr als acht Stockwerken sowie jene in neun besonders relevanten Nutzungskategorien angewiesen, umgehend Inspektionen durchzuführen und tägliche Berichte vorzulegen. Ziel ist es, die freiwilligen Helfer zu entlasten und die Verantwortung stärker auf die sogenannten „juristischen Personen“ – also Hausverwaltungen oder Eigentümergemeinschaften – zu übertragen.
Derzeit sind über 5.500 Schadensmeldungen in Bearbeitung. Die freiwilligen Fachleute arbeiten in zwei Teams: zertifizierte Bauingenieure übernehmen die komplexen Fälle, während erfahrene technische Helfer sich um leichtere Schäden kümmern.
Ein zentrales Team des Engineering Institute of Thailand koordiniert die Einsätze und wertet die vor Ort gesammelten Daten aus. Von den über 2.000 frühzeitig eingereichten Fällen benötigen rund 700 eine Besichtigung – oft mehrfach pro Gebäude. Am Vortag konnten 28 Objekte überprüft werden, sieben davon sind bereits abgeschlossen.
In der Bevölkerung wird vor allem die schnelle Bearbeitung der Fälle durch das digitale Meldesystem Traffy Fondue positiv aufgenommen. Die Plattform ermöglicht eine einfache, app-freie Schadensmeldung direkt über LINE (@traffyfondue). Nutzer können dort Fotos, Standortdaten und weitere Informationen zu Gebäuderissen einreichen.
Trotz der großen Belastung durch das Erdbeben zeigt sich Bangkok handlungsfähig – vor allem dank der schnellen Reaktion freiwilliger Ingenieure und dem funktionierenden digitalen Meldesystem. Die Stadt nutzt die Krise, um Prozesse zu verbessern, Verantwortlichkeiten klarer zu regeln und langfristig die Sicherheit von Gebäuden zu erhöhen.
Und eines steht fest: Die Risse in den Wänden haben auch Risse im alten Verwaltungssystem sichtbar gemacht – vielleicht ein Anstoß zur strukturellen Erneuerung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne
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