09.10.2026
Bangkok
Bangkok zur besten Stadt der Welt gewählt
Thai-Metropole auf Platz 1 - Liebeserklärung an das schönste Chaos der Welt
Und das ist durchaus bemerkenswert. Denn noch im vergangenen Jahr tauchte Bangkok in der Liste der 20 beliebtesten Städte überhaupt nicht auf. Jetzt steht die Stadt ganz oben auf dem Siegertreppchen. Ein ziemlich spektakulärer Sprung für eine Metropole, die von ihren Besuchern mindestens ebenso viel Geduld wie Begeisterungsfähigkeit verlangt.
Wer schon einmal im Bangkoker Berufsverkehr festgesteckt, bei 35 Grad im Schatten einen Tempel besichtigt oder sich durch das Gewimmel der Straßenmärkte geschoben hat, weiß schließlich: Bangkok ist nicht unbedingt die bequemste Stadt der Welt. Aber möglicherweise eine der aufregendsten.
Wer oder was ist eigentlich Condé Nast Traveller?
Hinter der Auszeichnung steckt keineswegs irgendein Reiseblog, der einmal jährlich seine persönlichen Lieblingsziele zusammenstellt.Condé Nast Traveller gehört zu den international bekanntesten und einflussreichsten Reisemagazinen. Es erscheint seit 1987 in den USA unter dem Namen Condé Nast Traveler, die britische Ausgabe Condé Nast Traveller folgte 1997. Beide gehören zum internationalen Medienkonzern Condé Nast, der unter anderem auch die traditionsreichen Magazine Vogue, GQ, Vanity Fair und The New Yorker herausgibt.
Das Magazin richtet sich vor allem an anspruchsvolle und reisebegeisterte Leser, die sich für außergewöhnliche Reiseziele, Hotels, Gastronomie, Kultur und besondere Urlaubserlebnisse interessieren. Dabei geht es keineswegs ausschließlich um Luxusreisen, sondern auch um authentische Erlebnisse, interessante Menschen und die kulturellen Besonderheiten einer Destination.
Die jährlich vergebenen Readers’ Choice Awards zählen zu den bekanntesten Publikumsauszeichnungen der internationalen Reisebranche. Anders als bei einer Juryentscheidung bestimmen hier die Leser selbst, welche Städte, Länder, Hotels, Resorts, Fluggesellschaften und Reiseerlebnisse ihnen besonders gefallen haben.
Die britische Ausgabe veranstaltete ihre Leserwahl 2026 bereits zum 29. Mal. Die Ergebnisse beruhen auf den Stimmen ihrer britischen Leserschaft. Es handelt sich also nicht um eine wissenschaftlich repräsentative weltweite Befragung, sondern um ein internationales Reiseranking aus der Perspektive britischer Reisender. Trotzdem besitzt die Auszeichnung in der Tourismusbranche erhebliches Gewicht. Schließlich stammen die Bewertungen von Menschen, die selbst reisen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen.
Bangkok vor Paris, Istanbul und Rom
Das Ergebnis der diesjährigen Abstimmung ist eindeutig. Bangkok erreicht 97,68 Punkte und liegt damit vor der französischen Hauptstadt Paris mit 97,14 Punkten. Auf Platz drei folgt Istanbul mit 96,67 Punkten, gefolgt von Rom und Valletta auf Malta.Die zehn bestplatzierten Städte 2026:
- Bangkok, Thailand – 97,68 Punkte
- Paris, Frankreich – 97,14 Punkte
- Istanbul, Türkei – 96,67 Punkte
- Rom, Italien – 95,96 Punkte
- Valletta, Malta – 95,76 Punkte
- Shanghai, China – 95,19 Punkte
- Tokio, Japan – 94,76 Punkte
- Seoul, Südkorea – 93,76 Punkte
- Sydney, Australien – 92,72 Punkte
- Amsterdam, Niederlande – 92,44 Punkte
Besonders interessant ist die starke Präsenz asiatischer Metropolen. Neben Bangkok finden sich Shanghai, Tokio und Seoul unter den ersten zehn. Singapur schafft es dagegen lediglich auf Platz 20.
Auch der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, wie stark sich die Vorlieben der Reisenden verändern können. 2025 gewann noch Valletta auf Malta, während Bangkok überhaupt nicht unter den ersten 20 auftauchte.
Warum ausgerechnet Bangkok?
Die Begründung des Magazins dürfte jedem Thailand-Liebhaber ziemlich bekannt vorkommen. Bangkok vereint eine faszinierende Mischung aus jahrhundertealter Kultur, moderner Großstadt, spektakulärer Gastronomie, außergewöhnlichen Hotels und einem Nachtleben, das selbst hartgesottene Großstädter gelegentlich an ihre Grenzen bringt.Da stehen prachtvolle Tempel und goldene Buddhastatuen nur wenige Minuten von glitzernden Einkaufszentren und futuristischen Wolkenkratzern entfernt. Auf den Straßen verkaufen kleine Garküchen für wenige Baht Gerichte, die geschmacklich so manches teure Restaurant alt aussehen lassen. Gleichzeitig gehören einige der besten Luxushotels und Spitzenrestaurants Asiens zur Bangkoker Gastronomieszene.
Das Magazin hebt besonders den Königspalast, den Wat Phra Kaew mit dem Smaragd-Buddha und den Wat Pho mit seinem riesigen liegenden Buddha hervor. Dazu kommen die lebhaften Märkte, die unzähligen Streetfood-Stände, ausgezeichnete Restaurants und spektakuläre Rooftop-Bars. Und tatsächlich ist es genau diese Mischung, die Bangkok so besonders macht.
Morgens durch einen jahrhundertealten Tempel schlendern, mittags in einer kleinen Garküche eine fantastische Nudelsuppe essen, nachmittags durch klimatisierte Luxus-Shoppingcenter bummeln und abends im 60. Stockwerk eines Wolkenkratzers einen Cocktail genießen – das funktioniert in kaum einer anderen Stadt so selbstverständlich wie in Bangkok.
Natürlich ist Bangkok kein perfektes Postkartenidyll. Der Verkehr kann einen in den Wahnsinn treiben, die Hitze ist manchmal gnadenlos und die Luftqualität lässt besonders während der Smogperioden zu wünschen übrig. Dazu kommen Menschenmassen, Lärm, gelegentliche Überschwemmungen und Taxifahrer, deren Taxameter ausgerechnet bei ausländischen Fahrgästen manchmal unter mysteriösen technischen Problemen leiden.
Aber gerade das macht Bangkok auch zu einer Stadt mit Ecken, Kanten und einem unverwechselbaren Charakter. Hier wird nicht versucht, jede Straße touristisch durchzustylen. Neben eleganten Luxushotels findet man winzige Familienrestaurants, traditionelle Märkte und lebendige Wohnviertel, in denen das ganz normale thailändische Leben stattfindet. Und während andere Metropolen abends langsam zur Ruhe kommen, scheint Bangkok häufig erst richtig aufzuwachen.
Die Stadt bietet eine enorme Vielfalt an Erlebnissen für praktisch jeden Geldbeutel. Man kann hier problemlos ein kleines Vermögen ausgeben, muss es aber keineswegs. Ein köstliches Abendessen für wenige Euro ist ebenso möglich wie ein exklusives Menü in einem international ausgezeichneten Spitzenrestaurant.
Eine Auszeichnung mit Signalwirkung
Für Thailands Tourismusbranche kommt die Wahl zu einem interessanten Zeitpunkt. Der internationale Wettbewerb um Reisende ist groß, und gerade asiatische Metropolen investieren erheblich in Infrastruktur, Hotels, Attraktionen und touristische Angebote.Dass Bangkok nun ausgerechnet von den Lesern eines international angesehenen Reisemagazins an die Weltspitze gewählt wurde, ist deshalb eine willkommene Bestätigung für die Attraktivität der Stadt.
Allerdings sollte man die Auszeichnung richtig einordnen: Bangkok wurde nicht von einer internationalen Expertenkommission zur objektiv besten Stadt der Welt erklärt. Es handelt sich um eine Leserwahl, bei der persönliche Reiseerfahrungen und Vorlieben entscheidend sind.
Und genau das macht das Ergebnis eigentlich besonders sympathisch.
Denn offenbar haben die Teilnehmer nicht nur nach perfekten Straßen, sauberer Luft oder funktionierendem Nahverkehr bewertet, sondern danach, wie sehr sie eine Stadt begeistert und welche Erinnerungen sie hinterlässt.
Bangkok – nicht perfekt, aber unvergesslich
Vielleicht ist das letztlich das Geheimnis der thailändischen Hauptstadt. Bangkok ist laut, heiß, manchmal chaotisch und gelegentlich ziemlich anstrengend. Aber die Stadt ist gleichzeitig unglaublich lebendig, vielseitig, faszinierend und voller Überraschungen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt hinter den großen Sehenswürdigkeiten eine Metropole, in der es auch nach dem zehnten Besuch noch unendlich viel Neues zu erleben gibt.Und während Paris mit seinem Eiffelturm, Rom mit dem Kolosseum und Istanbul mit dem Bosporus um die Gunst der Reisenden werben, reicht Bangkok offenbar eine Mischung aus goldenen Tempeln, fantastischem Essen, bunten Märkten und diesem ganz besonderen thailändischen Lebensgefühl.
Und wer einmal nachts mit einer Schüssel Boat Noodles am Chao Phraya gesessen und die beleuchteten Tempel am gegenüberliegenden Ufer betrachtet hat, kann diese Entscheidung wahrscheinlich ziemlich gut nachvollziehen.
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