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19.01.2026

Wirtschaft  

Baustellen-Unfälle: Bau-Verträge annuliert, Blacklist droht

Kran-Crashs, Wut, Konsequenzen: Regierung greift bei Großprojekten durch

Baustellen-Unfälle: Bau-Verträge annuliert, Blacklist droht - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Nach mehreren schweren Infrastrukturunfällen mit Todesopfern greift die thailändische Regierung nun sichtbar härter durch. Premierminister Anutin Charnvirakul hat das Verkehrsministerium angewiesen, bestehende Bauverträge mit dem Großkonzern Italian-Thai Development (ITD) zu beenden und das Unternehmen außerdem auf eine Blacklist setzen zu lassen. Damit soll ITD künftig von staatlichen Projekten ausgeschlossen werden – ein Schritt, der nicht nur wirtschaftlich schmerzhaft ist, sondern auch ein deutliches Signal an die gesamte Branche senden soll.

Zwei Unglücke als Auslöser

Der unmittelbare Druck entstand durch zwei besonders aufsehenerregende Tragödien. In Nakhon Ratchasima kam es zu einem Unfall, bei dem ein Kran beziehungsweise ein schweres Bauteil in Zusammenhang mit einem Infrastrukturprojekt auf einen Passagierzug stürzte. Kurz darauf folgte ein weiterer tödlicher Zwischenfall auf der Rama II Road in Samut Sakhon, einer Straße, die ohnehin seit Jahren als Baustellen- und Staugeplagte Dauerbaustelle bekannt ist. Beide Ereignisse sorgten landesweit für Entsetzen, weil sie nicht nur tödlich endeten, sondern auch ein unangenehmes Gefühl bestätigten: Dass auf einigen Großbaustellen Sicherheit oft nur dann Priorität bekommt, wenn sie bereits versagt hat.

Vertragskündigung und Blacklisting

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Anutin erklärte nach einem parlamentarischen Termin, das Verkehrsministerium werde die Verträge im Zusammenhang mit den beiden betroffenen Projekten auflösen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um weitere Gefahren für die Öffentlichkeit zu verhindern. Das Blacklisting begründete er ausdrücklich damit, dass Thailand wieder Vertrauen herstellen müsse – sowohl bei der eigenen Bevölkerung als auch im Hinblick auf das internationale Ansehen des Landes. Denn solche Bilder von Kranunfällen und Baukatastrophen passen nicht zu dem Anspruch, ein modernes, effizientes Infrastrukturland zu sein.

Was passiert mit anderen ITD-Projekten?

Ob auch weitere Bauvorhaben, bei denen ITD eine Rolle spielt, gestoppt werden, ließ Anutin zunächst offen. Die Regierung wolle sich zuerst auf die jüngsten tödlichen Vorfälle konzentrieren. Entscheidungen über andere Projekte seien nicht ausgeschlossen, würden aber erst später geprüft. Politisch ist das eine klassische Gratwanderung: Härte zeigen, ohne gleichzeitig das gesamte Bau- und Infrastrukturprogramm in eine Blockade zu treiben.

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Zusätzlich erinnerte Anutin an einen früheren prominenten Vorfall: den Einsturz eines Gebäudes des Office of the Auditor General in Bangkok, das in einem Joint-Vorhaben unter Beteiligung von ITD und China Railway Engineering Corporation gebaut wurde. Auch dort regte er an, eine Vertragsbeendigung zu prüfen. Damit wird deutlich, dass die aktuellen Entscheidungen nicht als reine Reaktion auf einen einzelnen Unfall verstanden werden sollen, sondern als Teil eines größeren Problems rund um Kontrolle, Verantwortlichkeiten und Sicherheitsmanagement.

Neuvergabe und mögliche Forderungen

Damit die betroffenen Projekte nicht dauerhaft stillstehen, will die Regierung neue Ausschreibungen starten, um Ersatzunternehmen zu finden, die die Bauarbeiten fortsetzen. Gleichzeitig wurde klargemacht, dass Thailand sich Schadensersatzansprüche offenhält: Wenn Verzögerungen oder die Neuvergabe höhere Kosten verursachen, könnte der Staat versuchen, diese finanziellen Mehrbelastungen bei ITD geltend zu machen. Gerade bei Großprojekten ist das ein entscheidender Punkt, weil Neuvergaben oft nicht nur Zeit kosten, sondern auch Budgets sprengen können.

Kritik und politisches Klima

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Parallel dazu musste Anutin auch politische Vorwürfe abwehren. Es gab Kritik, dass seine Partei Bhumjaithai angeblich chinesisch unterstützte Unternehmen bei Infrastrukturprojekten begünstige, besonders im Umfeld von China Railway Engineering Corporation. Anutin wies das zurück und betonte, dass solche Projekte nicht von einer Partei allein entschieden würden, sondern von der Regierung als Ganzes, und dass alle Verträge rechtmäßig abgeschlossen worden seien. Zudem deutete er an, dass die neu aufflammende Kritik auch mit dem näher rückenden Wahltermin zusammenhängen könne, weil Infrastrukturthemen im Wahlkampf gerne als Angriffspunkt genutzt werden.

„Jetzt wird alles anders“ – wirklich?

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Natürlich klingt eine Vertragskündigung plus Blacklisting nach einem echten Einschnitt. Gleichzeitig kennt Thailand dieses Muster leider zur Genüge: Erst passiert ein schlimmer Unfall, dann kommt der große Aufschrei, danach folgen Versprechen, Kommissionen, neue Regeln – und nach ein paar Wochen schleicht sich wieder der Alltag ein. Der Unterschied ist diesmal, dass die Regierung nicht nur „strengere Kontrollen“ ankündigt, sondern tatsächlich an den wirtschaftlichen Nerv geht. Ob das nachhaltig wirkt, wird sich daran zeigen, ob Konsequenzen auch dann bleiben, wenn die Schlagzeilen längst weitergezogen sind.

Mit der Anordnung, Verträge mit ITD zu kündigen und das Unternehmen zu sperren, setzt die Regierung auf maximale Signalwirkung: Sicherheit soll nicht länger als Nebensache gelten, und große Auftragnehmer sollen nicht unantastbar sein. Entscheidend wird nun sein, ob die angekündigte Linie konsequent durchgezogen wird – auch gegenüber Subunternehmern, Aufsichtsstrukturen und all jenen grauen Zonen, die auf Baustellen oft mehr Einfluss haben als jedes Regelbuch. Denn am Ende zählt nicht die Ankündigung, sondern ob sich die Realität auf Thailands Großbaustellen tatsächlich verändert.

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