09.07.2026
Cannabis
Cannabis-Schmuggel eskaliert - Milliardenbranche vor dem Aus?
Anutin erwägt komplettes Ende der Cannabis-Branche
Premierminister Anutin Charnvirakul, der die Entkriminalisierung 2022 selbst maßgeblich vorangetrieben hatte, schlägt nun überraschend deutlich andere Töne an. Nach einer Serie internationaler Drogenfunde erklärte er, dass die Regierung sogar bereit sei, die gesamte Cannabis-Industrie wieder zu schließen, falls sich der Schmuggel ins Ausland nicht wirksam eindämmen lasse.
Auslöser sind mehrere spektakuläre Sicherstellungen von Cannabis aus Thailand. In den vergangenen Wochen beschlagnahmten Behörden in Deutschland, Großbritannien, Indonesien und Hongkong mehrere Tonnen Cannabis, die nach Angaben der Ermittler aus Thailand stammen. Die bisher bekannt gewordenen Mengen sind erheblich.
Allein die großen internationalen Sicherstellungen der letzten Tage summieren sich auf mindestens rund 4,6 Tonnen Cannabis. So wurden in Indonesien: 3,37 Tonnen hochwertiges Cannabis aus Thailand sichergestellt und 12 Verdächtige wurden festgenommen und auch Deutschland hätte man mit 1,2 Tonnen Cannabis die eine oder andere Kifferparty schmeissen können, denn der Stoff würde für 2,4 Millionen heftiger Joints ausreichen.
Noch beeindruckender sind die Zahlen der thailändischen Zollbehörden, die den Schmuggel schon beim Versuch verhindert hatten. Dabei beschlagnahmten die Behörden insgesamt 37.210 Kilogramm Cannabis – also 37,2 Tonnen in 3.266 Fällen. Diese Zahlen erklären, warum Premierminister Anutin nun so drastisch reagiert.
Dabei wurden sowohl organisierte Schmuggelrouten per Container als auch sogenannte Drogenkuriere auf Linienflügen entdeckt. Anutin machte deutlich, dass Thailand nicht länger als Ausgangspunkt für internationalen Drogenschmuggel gelten dürfe. Wörtlich erklärte er, man müsse die Strategie überdenken, wenn trotz immer strengerer Maßnahmen weiterhin große Mengen Cannabis außer Landes geschmuggelt würden. Sollte sich zeigen, dass die Branche mehr Schaden als Nutzen verursache, werde die Regierung sie notfalls komplett schließen.
Die Probleme sind hausgemacht. Nach der Freigabe entstanden tausende Cannabis-Shops im ganzen Land. Gleichzeitig fehlte bis heute ein umfassendes Cannabisgesetz, das den Markt eindeutig regelt. Das führte zu einer enormen Überproduktion. Die Preise brachen ein, viele Produzenten gerieten unter wirtschaftlichen Druck – und offenbar fanden kriminelle Netzwerke darin eine lukrative Gelegenheit, Cannabis in Länder zu exportieren, in denen es hohe Schwarzmarktpreise erzielt.
Für die Branche wäre eine Rückkehr zur Einstufung als Betäubungsmittel ein schwerer Schlag. Tausende Geschäfte, Anbauer und Verarbeitungsbetriebe müssten schließen oder ihre Geschäftsmodelle vollständig umstellen. Gleichzeitig erhielten Polizei und Zoll wieder deutlich weitergehende Befugnisse bei Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und Strafverfolgung.
Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen. Doch die Aussagen des Premierministers gelten als deutlichstes Signal seit der Legalisierung, dass Thailand seine Cannabispolitik grundlegend überdenken könnte. Für Betreiber von Cannabis-Shops, Produzenten und Investoren dürfte die Unsicherheit damit größer sein als je zuvor
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