28.10.2026
Wirtschaft
Der Bungalow ist derselbe, nur der Preis hat fünf Sterne
Jeder zweite Hotelbetrieb schreibt rote Zahlen - nach Jahren kräftiger Preissteigerungen wird die Luft für Thailands Hotellerie dünner.
Es gab einmal eine Zeit, da war Thailand nicht nur das Land des Lächelns, sondern auch das Land der erfreulich günstigen Hotelzimmer. Ein hübscher Bungalow unter Palmen, ein ordentliches Frühstück, ein Pool und ein freundliches Team – und das Ganze zu Preisen, bei denen man sich als Urlauber noch fragte, ob man vielleicht versehentlich den Wochenpreis statt des Tagespreises bezahlt hatte.
Diese Zeiten sind zumindest in vielen beliebten Urlaubsregionen vorbei. In den vergangenen fünf Jahren haben zahlreiche Hotels ihre Preise kräftig angehoben. Was vor einigen Jahren noch ein bezahlbares Mittelklassehotel war, präsentiert sich heute nicht selten mit einem Zimmerpreis, der eher an ein europäisches Vier-Sterne-Haus erinnert. Nur dass der Wasserhahn gelegentlich immer noch tropft, die Klimaanlage röhrt und die letzte Renovierung offenbar irgendwann unter König Bhumibol stattgefunden hat.
Natürlich betrifft das nicht alle Hotels. Es gibt weiterhin wunderbare, preiswerte Unterkünfte und hervorragend geführte Resorts. Aber gerade in beliebten Regionen wie Phuket, Koh Samui oder Krabi ist die Preisentwicklung vieler Häuser kaum zu übersehen. Und jetzt kommen Zahlen auf den Tisch, die manchen Hotelbetreiber nachdenklich stimmen dürften.
Jeder zweite Hotelbetrieb schreibt rote Zahlen
Eine aktuelle Analyse des Kasikorn Research Center zeichnet ein ziemlich ungemütliches Bild der thailändischen Hotellerie. Demnach schrieben 51 Prozent der untersuchten Hotelunternehmen im Jahr 2025 Verluste. Bei kleineren Betrieben lag der Anteil sogar bei 54 Prozent. Besonders bitter: 42 Prozent der kleinen Betriebe verzeichneten bereits drei Jahre hintereinander Verluste, nämlich von 2023 bis 2025.Auch die Zahl der Betriebsschließungen steigt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden 148 Schließungen registriert, rund 42 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Nun bedeutet das natürlich nicht, dass plötzlich die Hälfte aller thailändischen Hotels unmittelbar vor der Pleite steht. Aber es zeigt, dass die wirtschaftliche Lage längst nicht so rosig ist, wie manche Hochglanzbroschüre vermuten lässt.
Immer mehr Hotels – aber wo bleiben die Gäste?
Das nächste Problem ist hausgemacht. Thailand hat seine Hotelkapazitäten in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Für 2026 werden rund 876.000 Hotelzimmer genannt, etwa 11,7 Prozent mehr als 2019. Gleichzeitig rechnet KResearch für 2026 nur noch mit rund 31,4 Millionen internationalen Gästen. Das wären etwa vier Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich weniger als die knapp 40 Millionen Besucher des Rekordjahres 2019.Mit anderen Worten: Mehr Zimmer konkurrieren um weniger internationale Gäste als vor der Pandemie. Das erinnert ein wenig an eine Straße, in der schon fünf Restaurants Schwierigkeiten haben, ihre Tische zu füllen – woraufhin jemand beschließt, direkt daneben noch drei neue zu eröffnen. Selbstverständlich mit höheren Preisen. Man muss schließlich irgendwie die Baukosten wieder hereinholen.
Besonders in Phuket entstehen weiterhin neue Hotelprojekte, während auch in Bangkok Tausende zusätzliche Zimmer geplant sind. Dabei ist nicht jeder neue Hotelbau automatisch ein Fehler. Moderne, gut durchdachte Resorts können erfolgreich sein und neue Zielgruppen erschließen. Doch je größer das Angebot, desto schwieriger wird es für ältere, austauschbare Unterkünfte, ihre hohen Preise durchzusetzen.
Aus dem günstigen Thailandurlaub wurde vielerorts ein Luxusvergnügen
Natürlich haben auch thailändische Hoteliers mit gestiegenen Kosten zu kämpfen. Personal, Lebensmittel, Energie, Instandhaltung, Versicherungen und die Provisionen großer Buchungsplattformen belasten die Betriebe. Dafür muss man Verständnis haben.
Weniger Verständnis haben Urlauber allerdings, wenn ein Hotel seine Zimmerpreise innerhalb weniger Jahre massiv erhöht, ohne dass sich an Ausstattung, Service oder Zustand auch nur das Geringste verbessert hat. Ein neuer Preis macht aus einem alten Bungalow noch lange keine Luxusvilla. Und drei dekorativ gefaltete Handtücher auf dem Bett ersetzen weder eine funktionierende Dusche noch eine vernünftige Matratze.
Gerade in der Hochsaison scheinen manche Hotels inzwischen nach dem Prinzip zu kalkulieren: Wir verlangen einfach mal das Doppelte – irgendeiner wird schon buchen. Und tatsächlich hat das während der starken Erholung des Tourismus nach der Pandemie vielerorts funktioniert. Die Nachfrage zog an, die Reisenden wollten endlich wieder Urlaub machen und zahlreiche Hotels nutzten die Gelegenheit, ihre Preise neu zu positionieren.
Nur lässt sich eine außergewöhnlich starke Nachfrage eben nicht beliebig in die Zukunft verlängern. Wer seine Preise dauerhaft auf Spitzenniveau hält, muss auch dauerhaft Spitzenleistungen bieten. Sonst entdeckt der Urlauber irgendwann, dass es außer Thailand noch andere schöne Länder gibt.
Auch Urlauber können rechnen
Thailand bleibt ein faszinierendes Reiseziel mit großartigen Stränden, fantastischem Essen, beeindruckender Kultur und einer Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Aber die Konkurrenz schläft nicht.Vietnam, Malaysia, Indonesien und andere asiatische Reiseziele bieten ebenfalls schöne Strände, attraktive Hotels und häufig ein interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hinzu kommen höhere Flugkosten, die das gesamte Urlaubsbudget zusätzlich belasten können. Und wer für zwei Wochen Thailand inzwischen deutlich mehr bezahlen muss als noch vor einigen Jahren, schaut sich vielleicht doch einmal genauer an, was er für sein Geld bekommt.
Besonders Familien und Langzeiturlauber rechnen nach. Denn zwischen 80 und 160 Euro pro Nacht liegen bei einem dreiwöchigen Aufenthalt immerhin 1.680 Euro Unterschied. Geld, das man auch für Ausflüge, gutes Essen oder gleich den nächsten Urlaub verwenden könnte. Das bedeutet nicht, dass Thailand plötzlich zu teuer für jeden geworden ist. Aber der Preisvorteil, der das Land über Jahrzehnte besonders attraktiv machte, ist in manchen Regionen und Hotelkategorien deutlich geschrumpft.
Die Großen bauen, die Kleinen kämpfen ums Überleben
Besonders schwierig wird die Situation für kleinere, familiengeführte Hotels. Sie können steigende Kosten oft schlechter abfedern, haben weniger Verhandlungsmacht gegenüber Buchungsplattformen und verfügen selten über die Marketingbudgets internationaler Hotelketten.Gleichzeitig konkurrieren sie mit neuen Resorts, privaten Poolvillen und Ferienwohnungen. Manche Betreiber stehen deshalb vor einer unangenehmen Entscheidung: Preise senken, investieren oder schließen.
Für Reisende ist ein größerer Wettbewerb grundsätzlich erfreulich. Für die Beschäftigten und kleinen Familienbetriebe, die seit Jahren um ihre Existenz kämpfen, ist die Entwicklung dagegen alles andere als lustig. Denn hinter jeder Hotelschließung stehen Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren können, und Unternehmer, die möglicherweise ihre Ersparnisse in ein kleines Resort investiert haben.
Vielleicht ist weniger manchmal mehr – auch beim Zimmerpreis
Die aktuellen Zahlen sind kein Beweis dafür, dass allein überhöhte Zimmerpreise für die Schwierigkeiten der Branche verantwortlich sind. Dafür spielen zu viele Faktoren zusammen: veränderte Besucherströme, schwankende Nachfrage, zusätzliche Hotelkapazitäten, gestiegene Betriebskosten und der Wettbewerb mit anderen Reisezielen.Aber die Preisentwicklung gehört durchaus auf den Prüfstand. Ein Hotel, das seine Preise über Jahre kräftig erhöht hat und gleichzeitig über fehlende Gäste klagt, sollte sich zumindest fragen, ob die eigene Kalkulation noch zur Realität passt. Nicht jeder freie Hotelraum ist ein Zeichen dafür, dass Thailand zu wenige Touristen hat. Manchmal könnte er auch ein Hinweis darauf sein, dass das angebotene Zimmer seinen Preis schlicht nicht mehr wert ist.
Thailand braucht keine möglichst teuren Hotelzimmer, sondern attraktive Unterkünfte mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn genau damit hat sich das Land über Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Vielleicht erleben wir gerade eine notwendige Korrektur. Hotels, die Qualität, Service und faire Preise miteinander verbinden, haben gute Chancen, sich im Wettbewerb zu behaupten. Andere werden ihre Erwartungen möglicherweise etwas nach unten korrigieren müssen.
Und wer für einen in die Jahre gekommenen Strandbungalow inzwischen den Preis einer kleinen Präsidentensuite verlangt, könnte irgendwann feststellen, dass die Gäste zwar weiterhin nach Thailand kommen – aber lieber woanders übernachten.
Quellen: TheNation, KResearch, ThaiPBS
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