23.08.2026
Story
Die bewegte Geschichte des Soneva Kiri auf Koh Kood
Was ist aus dem legendären und wohl teuersten Resort geworden?
Schon die Anreise fühlte sich weniger nach Hoteltransfer und mehr nach Beginn eines kleinen Abenteuers an. Gäste wurden von Bangkok mit einem Soneva-eigenen Flugzeug zur winzigen Nachbarinsel Koh Mai Si geflogen. Dort wartete bereits ein Boot für die letzten Minuten über das Meer. Kein großer Flughafen, kein Transferbus, keine Hotelauffahrt mit Reisegruppen – man näherte sich dem Resort tatsächlich übers Wasser.
Und spätestens nach der Ankunft war klar: Normaler Hotelurlaub war hier ohnehin nicht vorgesehen.
Robinson-Crusoe-Traum für Menschen mit extradicker Kreditkarte
Als Soneva Kiri Ende 2009 eröffnete, brachte die Soneva-Gruppe ihr auf den Malediven entwickeltes Konzept des „Barefoot Luxury“ erstmals nach Thailand. Die Idee war eigentlich herrlich widersprüchlich: möglichst nah an der Natur leben und gleichzeitig auf nahezu keinen erdenklichen Luxus verzichten.So entstand mitten im tropischen Grün Koh Koods ein Resort, das sich nicht mit einer riesigen Hotelfassade wichtigmachte. Die Villen verschwanden zwischen Bäumen und Palmen, gebaut wurde mit viel Holz und Bambus, und große Teile der Anlage wirkten eher wie ein luxuriöses Dschungeldorf als wie ein klassisches Fünf-Sterne-Hotel.
Nur waren die vermeintlichen „Hütten“ meist größer als Ein-, Zwei-, oder Fünffamilienhäuser. Schon die kleineren Villen boten mehrere hundert Quadratmeter Platz, die größten Residenzen kamen auf Dimensionen von weit über 1.000 Quadratmetern. Dazu Privatpools, riesige Terrassen, offene Badezimmer, Meerblick und jede Menge Abstand zum Nachbarn. Und das zu Preisen von rund 1.300.- EUR für eine "Standard"-Villa in der Nebensaison bis hin zu 14.000.- EUR für die Villa mit 6 Schlafhäusern - ebenfalls in der Nebensaison - versteht sich.
Wer hier Urlaub machte, sollte möglichst vergessen, dass es außerhalb Koh Koods noch eine Welt gab.
Der Kellner kam schon mal durch die Luft
Das Besondere an Soneva Kiri waren aber nicht allein Größe und Luxus, sondern die geradezu verspielten Ideen. Berühmt wurde das Treepod Dining. Die Gäste nahmen in einer geflochtenen Bambuskapsel Platz, die anschließend hoch in die Baumkronen gezogen wurde. Dort schwebte man über dem Dschungel und blickte aufs Meer. Und weil ein normaler Kellner offenbar zu langweilig gewesen wäre, kam der Service per Zipline durch die Bäume angeflogen.Anderswo gab es das Cinema Paradiso, ein Freiluftkino über dem Wasser. Man saß unter tropischem Sternenhimmel, schaute Filmklassiker und ließ sich dazu Essen und Getränke servieren. Dazu kamen ein Observatorium, Spa, Weinkeller, Wassersport, Dschungelausflüge und das legendäre thailändische Restaurant Benz´s am Wasser.
Soneva Kiri war deshalb eines dieser seltenen Hotels, bei denen man Fotos sehen konnte und sofort wusste, welches Resort gemeint war.
Luxus mit grünem Gewissen
Auch beim Thema Nachhaltigkeit war Soneva seiner Zeit voraus. Die Gruppe beschäftigte sich bereits mit CO₂-Kompensation, bevor das bei Luxushotels zum Standardwortschatz jeder Pressemappe gehörte. Markenwasser in Plastikflaschen wurde verbannt, Wasser selbst aufbereitet und abgefüllt, Abfall sollte möglichst wiederverwertet werden.Natürlich blieb ein Luxusresort mit Privatflugzeug, riesigen Pools und klimatisierten Villen ein Luxusresort. Aus Soneva Kiri wurde dadurch kein klimaneutrales Bambuscamp. Aber der Versuch, extremen Komfort mit möglichst wenig Eingriff in die Natur zu verbinden, gehörte von Anfang an zur Identität des Hauses.
Dann kam 2020 – und plötzlich stand selbst dieses abgeschiedene Paradies still.
Corona erreicht auch die einsame Insel
Mit dem Zusammenbruch des internationalen Reiseverkehrs verschwand praktisch über Nacht die Kundschaft, von der ein derart exklusives Resort lebt. Im Mai 2020 wurde Soneva Kiri vorübergehend geschlossen. Für ein Hotel, dessen Gäste überwiegend aus dem internationalen Luxussegment kamen und teilweise eigens eingeflogen wurden, waren weltweite Reisebeschränkungen natürlich ein schmerzhafter Volltreffer. Auch Soneva musste Kosten reduzieren und Gehälter kürzen.Doch ausgerechnet das Konzept des Resorts erwies sich nach den ersten Lockerungen als Vorteil. Wer es sich leisten konnte und wieder reisen durfte, suchte plötzlich genau das, was Soneva Kiri schon immer angeboten hatte: Abgeschiedenheit, riesige Privatvillen, viel Natur und möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen.
Das Resort kam zurück
Und dann kam der 6. März 2022.Mitten in der Nacht brennt eine Villa
Am frühen Sonntagmorgen brach in einer der großen Villen Feuer aus. Die Flammen breiteten sich in der überwiegend aus Holz errichteten Unterkunft rasend schnell aus und zerstörten die Villa. Gäste konnten sich retten beziehungsweise wurden evakuiert; der materielle Schaden wurde zunächst auf etwa 22 Millionen Baht geschätzt.
Danach wurde es unangenehm für das Resort. Betroffene Gäste erhoben schwere Vorwürfe hinsichtlich des Brandschutzes, des aus Bambus, Holz und Schilf erbauten Resorts. Es entstand eine öffentliche Diskussion über Rauchmelder, Alarmierung und Sprinkleranlagen. Soneva widersprach Teilen der Darstellung und erklärte unter anderem, die Villen seien mit Rauchmeldern ausgestattet. Polizei und Forensiker untersuchten den Brand.
Für eines der teuersten Resorts Thailands war das ein erheblicher Imageschaden. Doch auch dieses Kapitel bedeutete nicht das Ende von Soneva Kiri. Der überwiegende Teil der Anlage war nicht betroffen, der Betrieb ging weiter und das Resort blieb auch danach eine der bekanntesten Luxusadressen des Landes.
Und dann verschwand Soneva
Der wesentlich größere Einschnitt kam 2025. Nach rund 15 Jahren endete die Verbindung mit der Marke Soneva. Aus Soneva Kiri wurde Kiri Private Reserve. Das klang zunächst weniger dramatisch, als es tatsächlich war. Schließlich verschwand das Resort nicht über Nacht. Vielmehr sollte das außergewöhnliche Refugium unter neuem Namen und außerhalb der Soneva-Gruppe weiterleben.Doch kurz darauf gingen die Türen zu.
Und sie sind bis heute nicht wieder aufgegangen. Kiri Private Reserve ist noch immer geschlossen.Seit Juli 2025 befindet sich das ehemalige Soneva Kiri in einer umfangreichen Renovierungs- und Umbauphase. Es gibt zwar Hinweise und Ankündigungen, die auf eine Wiedereröffnung gegen Ende 2026 zielen, einen verlässlich bestätigten Eröffnungstag gibt es derzeit jedoch nicht. Wer momentan versucht, seinen nächsten Koh-Kood-Urlaub dort zu buchen, stößt deshalb nicht auf ein frisch renoviertes neues Luxushotel.
Und vielleicht ist das auch gut so, wenn die Arbeiten tatsächlich so umfangreich sind wie angekündigt. Denn dieses Resort einfach mit neuen Sofas, etwas frischer Farbe und einem neuen Schild am Eingang wieder aufzumachen, würde seiner Geschichte kaum gerecht. Denn renovieren lässt sich vieles – Charakter nicht so einfach. Genau darin liegt die spannende Frage für die Zukunft.
Aus Soneva Kiri kann man technisch ohne Weiteres ein noch luxuriöseres Resort machen. Man kann Villen erneuern, Pools modernisieren, Badezimmer austauschen und Restaurants neu gestalten. Aber kann man dieses eigenartige Gefühl erhalten?
Den Moment, wenn das kleine Flugzeug auf Koh Mai Si landet. Die Bootsfahrt hinüber nach Koh Kood. Die riesigen Villen zwischen den Bäumen. Das Abendessen hoch oben in einer Bambuskapsel. Den Kellner, der durchs Blätterdach angeflogen kommt. Das Kino unter Sternen und diese wunderbare Mischung aus „Wir wohnen mitten im Dschungel“ und „Eigentlich fehlt uns hier gerade absolut nichts.“
Das war die eigentliche Besonderheit von Soneva Kiri.
Seit seiner Eröffnung 2009 hat dieses Resort inzwischen eine erstaunliche Geschichte hinter sich: Es wurde zu einer Ikone des thailändischen Luxustourismus, überstand Corona und eine monatelange Schließung, erlebte einen schweren Villenbrand, erholte sich erneut – und verlor schließlich 2025 nach anderthalb Jahrzehnten seinen berühmten Namen. Jetzt befindet sich das Haus in der vielleicht größten Pause seiner Geschichte.
Soneva Kiri gibt es nicht mehr. Kiri Private Reserve soll seine Geschichte fortsetzen – hat aber auch nach einem Jahr noch keinen einzigen Gast empfangen. Und deshalb warten wir gespannt darauf, was irgendwann hinter den geschlossenen Türen zum Vorschein kommt. Denn Thailand hat inzwischen wirklich keinen Mangel an fantastischen Luxusresorts. Aber ein Resort wie das alte Soneva Kiri? Nein. davon gab es eben nur eines.
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