10.08.2026
Wirtschaft
Die Expat Economy verändert Thailands Einzelhandel
Langzeiturlauber & Auswanderer geben deutlich mehr Geld aus als Thai-Kunden
Eine aktuelle Analyse von The 1 Insight, der Marktforschungs- und Datenanalyseabteilung der Central Group, zeigt deutlich: Ausländische Kunden entwickeln sich zu einem der wichtigsten Wachstumsmotoren des thailändischen Handels. Im Durchschnitt geben sie rund 50 Prozent mehr Geld aus als thailändische Käufer. Noch vor wenigen Jahren lebte der Einzelhandel vor allem von klassischen Touristen. Gekauft wurden Souvenirs, Kleidung, Elektronik oder Kosmetik für den Koffer nach Hause.
Heute hat sich das Bild deutlich verändert. Immer mehr Ausländer führen in Thailand einen ganz normalen Alltag. Sie gehen im Supermarkt einkaufen, richten ihre Wohnung ein, kaufen Möbel, Kinderkleidung, Sportartikel oder Haushaltsgeräte. Viele arbeiten im Homeoffice, verbringen mehrere Monate pro Jahr im Land oder haben sich dauerhaft niedergelassen. Genau diese Entwicklung bezeichnet The 1 Insight als „Expat Economy“ – eine Wirtschaft, die nicht mehr vom kurzfristigen Urlaubsgeschäft lebt, sondern vom täglichen Leben ausländischer Bewohner.
Die Studie unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Kundengruppen.
Die wichtigste Gruppe sind die Langzeitbewohner. Dazu zählen Menschen, die dauerhaft oder für längere Zeit in Thailand leben, arbeiten, ihre Familie gegründet haben oder eine Immobilie besitzen. Diese Gruppe wächst seit Jahren kontinuierlich und sorgt für regelmäßige Umsätze in nahezu allen Bereichen des Einzelhandels.
Daneben gibt es die sogenannten Frequent Visitors. Diese verbringen zwar ihren Lebensmittelpunkt nicht in Thailand, reisen aber mehrmals pro Jahr ins Land und halten sich oft insgesamt drei Monate oder länger hier auf. Auch sie kaufen längst nicht mehr nur Urlaubssouvenirs, sondern decken sich mit Dingen des täglichen Lebens ein. Während die Zahl der Langzeitbewohner weiter steigt, scheint sich das Wachstum bei den häufigen Besuchern inzwischen etwas zu stabilisieren.
Jeder kauft anders
Besonders spannend ist, dass sich die Einkaufsgewohnheiten je nach Herkunftsland deutlich unterscheiden. Die Analysten sprechen sogar von einem eigenen „Shopping Fingerprint“ jeder Nationalität.Chinesen investieren in Wohnungen und Kosmetik
Chinesische Kunden geben besonders viel Geld für Möbel, Haushaltsartikel und Heimwerkerbedarf aus – mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt aller ausländischen Käufer. Auch Kosmetik und Beauty-Produkte stehen ganz oben auf der Einkaufsliste. Die Zahlen zeigen deutlich, dass viele Chinesen längst nicht mehr nur als Touristen kommen, sondern Wohnungen besitzen oder sich langfristig in Thailand aufhalten.Russische Familien kaufen für den Alltag
Besonders auffällig ist das Einkaufsverhalten russischer Familien. Vor allem auf Phuket, wo sich in den vergangenen Jahren eine große russischsprachige Gemeinschaft entwickelt hat, dominieren Einkäufe für Kinder, Lebensmittel und Haushaltswaren. Souvenirs spielen dagegen kaum noch eine Rolle. Die regelmäßigen Einkäufe machen russische Familien inzwischen zu einer stabilen Kundengruppe für Supermärkte, Drogerien und Familiengeschäfte.Japaner kaufen wie Einheimische
Auch die japanische Community zeigt ein interessantes Einkaufsverhalten. Im Bangkoker Stadtteil Sukhumvit, dem traditionellen Zentrum der japanischen Expat-Gemeinschaft, stehen Lebensmittel, Gesundheitsprodukte, Schreibwaren und Dinge des täglichen Bedarfs im Mittelpunkt. Das Kaufverhalten unterscheidet sich kaum noch von dem thailändischer Familien – allerdings auf einem deutlich höheren Ausgabenniveau.Beauty made in Thailand begeistert Myanmar und Laos
Kunden aus Myanmar kaufen überdurchschnittlich viele Beauty-Produkte und Modeartikel. Ein Teil der Einkäufe erfolgt für den Eigenbedarf, vieles wird aber auch als Geschenk oder sogar für den Weiterverkauf im Heimatland erworben.Auch Käufer aus Laos reisen regelmäßig über die Grenze, um ganze Familieneinkäufe in Thailand zu erledigen. Neben Kosmetik landen häufig Kinderartikel und Sportbekleidung im Einkaufswagen.Malaysia – viel Potenzial nach oben
Malaysische Besucher konzentrieren sich dagegen vor allem auf Mode. Beliebte Einkaufsziele sind Hat Yai und die großen Shoppingcenter Bangkoks. Obwohl sie pro Besuch ähnlich viel Geld ausgeben wie russische Kunden, reisen sie bislang seltener nach Thailand. Hier sieht der Handel noch erhebliches Wachstumspotenzial.Europäer zählen nicht?
Doch, aber die Studie hat auffällige Einkaufsmuster zum Thema. Die Studie wollte nicht die größten Ausgabengruppen darstellen, sondern auffällige Unterschiede im Einkaufsverhalten einzelner Nationalitäten. Deshalb tauchen Europäer oder Deutsche nicht explizit auf, obwohl sie für die thailändische Wirtschaft insgesamt eine bedeutende Rolle spielen. Viele deutsche, britische, französische oder skandinavische Langzeitresidenten kaufen ähnlich ein wie thailändische Familien.Thailand entwickelt sich zum Lifestyle-Hub Asiens
Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie sehr sich Thailand verändert. Das Land ist längst nicht mehr nur ein klassisches Urlaubsziel. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst dafür, hier mehrere Monate im Jahr zu verbringen oder ihren Lebensmittelpunkt ganz nach Thailand zu verlegen.Diese Entwicklung macht sich inzwischen in nahezu allen Bereichen bemerkbar – vom Immobilienmarkt über internationale Schulen bis hin zu Supermärkten, Restaurants und Einkaufszentren. Für den Handel bedeutet das eine deutlich verlässlichere Einnahmequelle als das klassische Tourismusgeschäft. Wer dauerhaft im Land lebt, kauft schließlich regelmäßig ein – Woche für Woche, Monat für Monat.
Mit über 20 Millionen Mitgliedern verfügt die Kundenplattform The 1 der Central Group über eine der größten Datenbanken Thailands. Die Auswertung zeigt eindrucksvoll, dass ausländische Kunden heute längst mehr sind als Urlauber mit Kreditkarte. Sie entwickeln sich zunehmend zu einer festen Säule der thailändischen Wirtschaft und tragen dazu bei, Thailand immer stärker als regionales Lifestyle-Zentrum Asiens zu etablieren.Für den Einzelhandel dürfte die sogenannte Expat Economy deshalb in den kommenden Jahren mindestens genauso wichtig werden wie der klassische Tourismus – vielleicht sogar wichtiger.
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