19.08.2026
Wetter
Drama am Wasserfall - Sturzflut reißt Touristen am Mae Sa mit
Lebensmüde für ein Selfie? Wenn aus dem Traumfoto plötzlich ein Albtraum wird
Am Mae Sa Waterfall bei Mae Rim in Chiang Mai kam es am 15. August zu dramatischen Szenen. Besucher hielten sich trotz Unwetterwarnung im und unmittelbar am Wasser auf, als der Wasserstand innerhalb kürzester Zeit massiv anstieg. Parkranger erkannten die Gefahr, pfiffen die Touristen aus dem Wasser und versuchten, den Bereich zu räumen. Doch für einige wurde es verdammt knapp. Mindestens ein Tourist wurde von der Strömung erfasst und flussabwärts mitgerissen. Ranger und andere Besucher eilten zur Hilfe. Nach den vorliegenden Berichten konnten alle Betroffenen gerettet werden; mindestens eine Person wurde anschließend medizinisch untersucht.
Videos des Vorfalls zeigen eindrucksvoll, warum Flash Floods an thailändischen Wasserfällen zu den Gefahren gehören, die Touristen besonders leicht unterschätzen. Nur noch schnell das perfekte Foto …
In internationalen Berichten heißt es, Touristen hätten sich für Selfies beziehungsweise Fotos in einem gesperrten Bereich aufgehalten und Warnhinweise missachtet. Allerdings ist genau bei diesem Punkt etwas Vorsicht angebracht: Die detaillierteren lokalen Berichte bestätigen zwar, dass sich Besucher im Wasser befanden und die Ranger sie unmittelbar vor der Flut mit Pfeifsignalen zum Verlassen aufforderten. Ob die konkret mitgerissenen Personen zuvor tatsächlich eine bereits bestehende Absperrung bewusst ignoriert hatten, ist dagegen nicht eindeutig belegt.
Touristen werden mitgerissen
Das Tückische: Über dir kann noch blauer Himmel sein
Sturzfluten haben wenig mit dem gemütlich steigenden Wasserstand einer Badewanne gemeinsam. Gerade im bergigen Norden Thailands kann kilometerweit oberhalb eines Wasserfalls heftiger Regen niedergehen, während am Ausflugsziel selbst vielleicht noch nicht einmal ein Tropfen fällt.Das Wasser sammelt sich an den Berghängen, in kleinen Bächen und Nebenflüssen. Irgendwann erreicht diese Wassermasse den Hauptlauf – und aus einem idyllischen Wasserfall kann innerhalb weniger Minuten eine braune, mit Ästen, Steinen und Geröll durchsetzte Naturgewalt werden. Genau das macht die Situation so gefährlich: Wer nur in den Himmel über seinem eigenen Kopf schaut, kann sich vollkommen sicher fühlen. Bis plötzlich sehr viel Wasser kommt.
Mae Sa ist kein unbekannter Problemfall
Noch weniger verständlich wird Leichtsinn, wenn man sich die Vorgeschichte des Mae Sa Waterfalls anschaut. Bereits im Mai 2025 wurde dort wegen heftiger Regenfälle und Sturzflutgefahr das Baden verboten. Innerhalb von zwölf Stunden waren in Mae Rim damals 103 Millimeter Niederschlag gemessen worden.Im Juni 2025 wurde der Wasserfall wegen Starkregens und der Gefahr von Flash Floods erneut vorübergehend geschlossen. Auch schon im August 2024 hatte es entsprechende Probleme gegeben. Das Risiko ist also weder neu noch exotisch.
Der aktuelle Vorfall führte erneut zu einer Schließung beziehungsweise Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen. Die Behörden kündigten an, die Schutzmaßnahmen für Besucher zu verschärfen. Vielleicht sollten wir im Urlaub wieder etwas stärker akzeptieren, dass nicht jede Absperrung dazu dient, uns persönlich den Spaß zu verderben. Ein Ranger, der plötzlich hektisch wird und Menschen aus einem Wasserfall pfeift, macht das normalerweise nicht, weil seine Mittagspause bevorsteht.
Dann heißt es: Raus aus dem Wasser. Sofort. Nicht erst das Handy einpacken. Nicht noch das letzte Foto machen. Nicht schauen, was die anderen tun. Und schon gar nicht ausprobieren, wie stark die Strömung tatsächlich ist. Ein verlorenes Smartphone kann man ersetzen. Ein verlorenes Leben eher schlecht.
Es gibt Warnzeichen – aber extrem wenig Zeit
Wer während der Regenzeit Wasserfälle besucht, sollte auf einige Veränderungen besonders achten: Plötzlich trübes oder braunes Wasser, rasch steigender Pegel, stärker werdende Strömung, ungewöhnliche Geräusche sowie mitgerissene Blätter, Äste oder anderes Treibgut können auf eine herannahende Flut hinweisen. Aber auch hier gilt: Darauf sollte man sich nicht verlassen.Der Vorfall passt zudem ausgesprochen schlecht in eine Zeit, in der Thailand ohnehin mit starken Niederschlägen kämpft. Für den 18. bis 21. August hat der thailändische Katastrophenschutz 39 Provinzen mit einer Unwetterwarnung wegen möglicher Sturzfluten, Hochwasser und Erdrutsche unter besondere Beobachtung gestellt.
Gerade natürliche Sehenswürdigkeiten wie Wasserfälle, Höhlen, Schluchten und Flussläufe sollen besonders überwacht und bei gefährlichen Bedingungen geschlossen werden. Das sollte Urlauber aufhorchen lassen. Denn ein Wasserfall ist nach tagelangem Starkregen nicht unbedingt besonders attraktiv, weil dort gerade besonders viel Wasser herunterkommt.
Er kann gerade deshalb besonders gefährlich sein. Die Betroffenen von Mae Sa hatten Glück. Beim nächsten Mal muss es nicht so ausgehen.
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