24.09.2026
Umwelt
Elefanten, YouTuber und ein Ex-Parkbeamter - Ärger im Nationalpark
🐘 Wenn der Ex-Parkexperte den Elefanten erklärt, wie Khao Yai funktioniert
Am 18. September wurde diese Regel allerdings einer Art Praxistest unterzogen – und ausgerechnet ein Mann geriet dabei ins Visier der Behörden, der es eigentlich besonders gut wissen müsste. Ein Auto fuhr auf einer Straße im Nationalpark sehr dicht an zwei wilden Elefanten vorbei. Bei den Tieren handelte es sich um den bekannten Bullen Phlai Nga Thong und das Jungtier Ton Kla. Das Junge erschrak und wich aus. Die thailändische Nationalparkbehörde spricht von einer gefährlichen Situation und erklärte, der Fahrer sei mit unangemessener Geschwindigkeit und in sehr geringem Abstand an den Tieren vorbeigefahren. Das Fahrzeug wurde ermittelt und der Fahrer vorgeladen.
So weit eine leider nicht völlig ungewöhnliche Geschichte aus einem thailändischen Nationalpark. Dann wurde bekannt, wer am Steuer saß.
Vom Parkexperten zum Problemfall
Der Fahrer wurde als Saroj Praphan identifiziert – ein pensionierter Forstbeamter und ehemaliger Assistant Chief des Khao Yai National Park.Mit anderen Worten: Nicht irgendein Thailand-Neuling im Mietwagen, der einen Elefanten mit einer besonders großen Kuh verwechselt hat, sondern jemand, der beruflich ziemlich genau wissen sollte, was mehrere Tonnen gereiztes Wildtier mit Auto und Insassen anstellen können.Auf Videos ist zu sehen, wie sein Wagen an den Elefanten vorbeifährt, während zahlreiche Besucher am Straßenrand stehen und fotografieren. Anschließend hagelte es Kritik in sozialen Medien. Die Parkverwaltung leitete Schritte gegen den Fahrer ein. Und damit hätte die Geschichte eigentlich enden können. Tatbestand prüfen, gegebenenfalls Strafe zahlen, künftig wieder etwas mehr Abstand halten.
Der ehemalige Vizechef des Parks Saroj sieht die Sache anders.
Eigentlich wollte er nur helfen
Nach seiner Darstellung war er auf dem Heimweg, als er auf eine Ansammlung stehender Fahrzeuge traf. Zunächst habe er angenommen, ein umgestürzter Baum blockiere die Straße. Weil das während der Regenzeit im Khao Yai häufiger vorkomme, habe er sogar stets eine Säge im Auto. Vor Ort habe er dann festgestellt, dass nicht etwa ein Baum, sondern Elefanten für den Stau sorgten – und zahlreiche Touristen und YouTuber auf der Straße standen, um möglichst schöne Aufnahmen zu bekommen.Saroj argumentiert deshalb, sein Verhalten habe gerade der Sicherheit dienen sollen. Er sei weitergefahren, um die herumstehenden Besucher vor der Gefahr zu warnen. Die wiederum hätten sich seiner Ansicht nach viel zu nahe an den Elefanten aufgehalten. Das hat durchaus einen wahren Kern: Menschen, die für ein hübsches Elefanten-Selfie sämtliche Überlebensinstinkte kurzfristig deaktivieren, sind in Thailands Nationalparks kein unbekanntes Phänomen.
Nur wird die Rettungsaktion etwas erklärungsbedürftig, wenn man dafür mit dem Auto ausgerechnet an den Tieren vorbeifährt, vor denen man alle anderen warnen möchte. Feuerwehrmann mit Flammenwerfer wäre vielleicht ein etwas übertriebener Vergleich – aber die Richtung stimmt.
Und nun beschwert sich der Ex-Parkmann über den Park
Besonders pikant: Saroj akzeptiert die gegen ihn erhobenen Vorwürfe offenbar nicht einfach. Er kritisiert vielmehr die Parkmitarbeiter und stellt infrage, warum diese zugelassen hätten, dass Besucher auf der Straße herumstanden und sich den Elefanten näherten. Nach Medienberichten erwägt er sogar rechtliche Schritte gegen Verantwortliche des Parks.Damit hat der Fall inzwischen alles, was eine ordentliche thailändische Nationalparkgeschichte braucht: Elefanten, Touristen, YouTuber, einen ehemaligen Parkbeamten und die Frage, wer eigentlich wen vor wem schützen wollte. Nur die Elefanten wurden vorher offenbar nicht zur Stellungnahme gebeten.
Wilde Elefanten sind keine Fotomodelle
Bei aller Ironie hat die Sache allerdings einen ernsten Hintergrund. Wilde Elefanten im Khao Yai sind keine dressierten Tiere und schon gar keine Kulisse für das nächste Facebook- oder TikTok-Foto. Ein erschrecktes Kalb kann besonders gefährlich werden, weil erwachsene Tiere auf eine vermeintliche Bedrohung des Nachwuchses äußerst entschieden reagieren können.Die TSPCA warnte nach dem Vorfall deshalb nochmals ausdrücklich davor, wilde Tiere zu bedrängen oder zu gefährden. Und Begegnungen zwischen Menschen und Elefanten sind rund um Khao Yai momentan ohnehin keine Seltenheit.
Anfang September sorgte beispielsweise der bekannte Bulle Biang Lek für Aufmerksamkeit, als er den Nationalpark verließ und durch Moo Si spazierte – vorbei an Restaurants und sogar einem Karaoke-Lokal. Parkmitarbeiter und freiwillige Elefantenteams mussten den Verkehr sichern und dafür sorgen, dass Menschen Abstand hielten. In derselben Gegend wurden außerdem zwei Elefanten nachts beim Durchsuchen von Müll beobachtet.
Mitte September tauchte dann Phlai Duan in einem Mookata-Restaurant auf und schaute sich dort nach Essbarem um. Mitarbeiter eines Wildtierüberwachungsteams begleiteten ihn anschließend wieder in Richtung eines sichereren Gebietes. Das Problem wächst also längst über einzelne lustige Elefantenvideos hinaus.
Wer hier eigentlich wen besucht
Khao Yai ist einer der bekanntesten Nationalparks Thailands – und gerade seine wilden Elefanten gehören zu seinen größten Attraktionen. Dabei wird gelegentlich ein kleines Detail vergessen:Die Elefanten leben dort. Wir sind die Besucher.
Wenn Nga Thong und Ton Kla eine Straße überqueren, betreten sie also nicht plötzlich unseren Verkehrsraum. Die Straße führt durch ihren Lebensraum. Dann darf man tatsächlich einmal ein paar Minuten warten.
Auch wenn das perfekte YouTube-Video ruft. Auch wenn hinter einem zehn Autos stehen. Und offenbar sogar dann, wenn man früher einmal selbst im Nationalpark gearbeitet hat. Bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen einem Pkw und einem ausgewachsenen asiatischen Elefanten gibt es zwar möglicherweise unterschiedliche Auffassungen über die Verkehrsregeln. Bei der Gewichtsklasse ist die Rechtslage dagegen ziemlich eindeutig. 🐘
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