04.06.2026
Sport
FIFA will Milliarden - Thailand sucht noch die Fernbedienung
Wenn Fußball zur Luxusware wird: Thailand und das teure WM-Theater
Die aktuelle Lage ist tatsächlich erstaunlich: Während die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bereits am 11. Juni startet und mit 48 Mannschaften sowie 104 Spielen die größte WM aller Zeiten werden soll, hat Thailand nach den zuletzt verfügbaren Meldungen noch keinen endgültigen Deal für die TV-Rechte abgeschlossen.
Und genau da beginnt das thailändische Drama mit FIFA-Logo. Nach Berichten aus Thailand liegt die Preisvorstellung für die Rechte bei mindestens 1,3 Milliarden Baht, andere Meldungen sprechen sogar von rund 1,7 Milliarden Baht. Umgerechnet sind das grob etwa 34 bis 45 Millionen Euro – also ungefähr der Betrag, bei dem jeder Finanzbeamte erst einmal still wird, der Taschenrechner leise weint und irgendwo ein Minister sagt: „Vielleicht gucken wir einfach Highlights auf TikTok?“
Das Problem ist nicht nur der Preis, sondern auch die Uhrzeit. Da die WM in Nordamerika stattfindet, laufen viele Spiele für Thailand mitten in der Nacht oder am frühen Morgen, teils zwischen etwa 3 Uhr und 9 Uhr. Für echte Fans ist das natürlich kein Problem: Kaffee, Augenringe, Büroausrede, fertig. Für Sponsoren, Restaurants, Biergärten und öffentliche Übertragungen ist es aber weniger attraktiv, wenn der große Fußballabend ungefähr dann beginnt, wenn normale Menschen entweder schlafen oder sich fragen, warum der Wecker schon wieder so aggressiv ist.
Besonders pikant: Die WM fällt in Thailand nicht mehr automatisch unter die frühere „Must Have“-Logik, nach der bestimmte große Sportereignisse frei empfangbar gezeigt werden mussten. Laut Thai PBS wurde die Fußball-WM aus dieser Regelung herausgenommen, was bedeutet: Es gibt keinen Automatismus mehr, der garantiert, dass alle Spiele kostenlos im Free-TV landen. Der Premierminister hat zwar angekündigt, sich um freie Live-Übertragungen bemühen zu wollen – aber zwischen „wir bemühen uns“ und „Deutschland gegen Brasilien läuft um 2 Uhr nachts auf Kanal XY“ liegt bekanntlich ein ganzer Ozean aus Bürokratie, Budgetfragen und FIFA-Rechnungen.
Die thailändische Regierung und die zuständigen Stellen wägen daher ab: Lohnt sich so eine Ausgabe aus öffentlichen oder halböffentlichen Mitteln wirklich, wenn die Einschaltzeiten schlecht sind, die Werbeeinnahmen unsicher bleiben und private Sponsoren offenbar nicht gerade Schlange stehen? The Nation berichtete, dass Thailand sich an einem früheren Rahmen von rund 600 Millionen Baht orientierte, während die geforderte Summe mehr als doppelt so hoch liegen soll. Das ist ungefähr so, als wolle man ein Somtam bestellen und der Kellner bringt die Rechnung für ein Fünf-Sterne-Buffet mit Champagnerfontäne.
Natürlich ist die FIFA dabei ganz unschuldig. Also offiziell. Sie verkauft nur ein Premiumprodukt, das weltweit Milliarden Menschen interessiert. Ein bisschen wie ein Straßenhändler, der merkt, dass alle Hunger haben – und dann für ein gegrilltes Hähnchen plötzlich den Preis eines Kleinwagens aufruft. Aus Sicht der FIFA ist die WM ein globales Spektakel. Aus Sicht Thailands ist sie aktuell eher ein sündhaft teurer Nachtwachendienst mit Ball.
Für die thailändischen Fußballfans bleibt damit vorerst Unsicherheit. Kommt noch ein Deal? Springt der Staat ein? Finden sich private Sponsoren? Werden nur ausgewählte Spiele gezeigt? Oder erleben viele Fans die WM 2026 in Thailand am Ende so, wie man früher verbotene Boxkämpfe hörte: über Gerüchte, Liveticker, kurze Clips und den Onkel, der irgendwo „eine App kennt“?
Noch ist nichts endgültig verloren. Aber die Situation zeigt wieder einmal sehr schön: Beim Fußball geht es längst nicht mehr nur um Tore, Leidenschaft und Nationalstolz. Es geht um Rechtepakete, Plattformstrategien, Werbefenster, Marktgrößen, Ausschreibungen und Summen, bei denen selbst ein Nationaltrainer kurz überlegt, ob er lieber Reis anbaut.
Thailand liebt Fußball. Aber ob Thailand der FIFA dafür auch 1,3 bis 1,7 Milliarden Baht hinlegt, ist derzeit die große Frage. Und wenn nicht, dann wird die WM 2026 im Königreich vielleicht zum ersten Turnier, bei dem die Fans weniger über Abseits diskutieren – sondern darüber, wer eigentlich den Fernseher bezahlt.
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