17.08.2026
First Class ohne Flugticket - Ein ausrangierter A380 begeistert
Airbus zum Einsteigen für 80 Baht - Verrückter Nachtmarkt in Rayong
Der Doppelstöcker ist inzwischen Mittelpunkt eines Marktes mit Gastronomie, Geschäften und jeder Menge Flugzeug-Nostalgie. Und das Beste für Luftfahrtfans: Man kann sogar wieder einsteigen. Nur abheben wird dieser A380 garantiert nicht mehr.
Thai Airways besaß insgesamt sechs Airbus A380. HS-TUE mit der Hersteller-Seriennummer MSN 125 gehörte zu den jüngeren Exemplaren und wurde der Airline erst im Oktober 2013 übergeben. Der Vierstrahler kam unter anderem auf stark frequentierten Verbindungen nach London, Frankfurt, Paris, Tokio und Singapur zum Einsatz.
Dann kam Corona
Da war dann für den A380 HS-TUE erstaunlich schnell Schluss. Am 14. April 2020 absolvierte der A380 seinen letzten Flug. Der war allerdings weniger glamourös als seine früheren Langstrecken: Von Bangkok-Suvarnabhumi ging es nur noch nach U-Tapao. Dort wurde das Flugzeug abgestellt. Damit endete seine aktive Karriere nach weniger als sieben Jahren – für ein Verkehrsflugzeug dieser Größenordnung geradezu absurd früh.Sechs A380 – und keiner sollte zurückkehren. Thai Airways holte seine sechs Superjumbos nach der Pandemie nicht wieder in den regulären Flugbetrieb zurück. Die Flugzeuge wurden zum Verkauf angeboten, doch der Markt für gebrauchte A380 ist überschaubar. Hinzu kommt ein kurioses wirtschaftliches Problem: Bei solchen Maschinen können Triebwerke, Komponenten und Ersatzteile mehr wert sein als das komplette flugfähige beziehungsweise wieder flugfähig zu machende Flugzeug.
HS-TUE hatte allerdings mehr Glück als viele andere ausgemusterte Superjumbos. Statt vollständig zerlegt und verwertet zu werden, bekam er ein zweites Leben.
Ein A380 zieht nach Rayong
Ende 2025 wurde das riesige Flugzeug in U-Tapao zerlegt und anschließend nach Rayong transportiert. Dort setzte man wesentliche Teile wieder zusammen und machte den A380 zum Herzstück eines neuen Freizeit- und Marktgeländes.Das klingt schon bei einem normalen Verkehrsflugzeug nach einer ordentlichen Umzugsaktion. Beim A380 sprechen wir allerdings von einem Flugzeug, das im Originalzustand rund 73 Meter lang, 24 Meter hoch und fast 80 Meter breit ist.
Einfach Abschleppwagen bestellen und bei Google Maps „Rayong“ eingeben funktioniert da eher nicht.
Seitdem steht der ehemalige König der Langstrecke zwischen Marktständen, Gastronomie und Geschäften und sorgt wahrscheinlich für mehr Selfies als während seiner aktiven Zeit.
Für 80 Baht wieder an Bord! Besucher können den ehemaligen Thai-Airways-Jet sogar von innen besichtigen. Der Eintritt wurde zuletzt mit 80 Baht angegeben – gut zwei Euro. Das Hauptdeck wurde weitgehend leergeräumt und dient heute als große Veranstaltungs- und Besucherfläche. Einige Economy-Sitze blieben jedoch erhalten – inklusive Bildschirmen, Sicherheitskarten und Teilen der ursprünglichen Kabinenausstattung.
Spannender wird es eine Etage höher. Im Upper Deck sind noch Bereiche der ehemaligen Economy und Business Class sowie ein großer Teil der einstigen First Class erhalten. Von ursprünglich zwölf First-Class-Sitzen sollen noch acht vorhanden sein. Auch die ehemalige Lounge, Toiletten, Garderoben und Galleys vermitteln noch einen Eindruck davon, wie es gewesen sein muss, mit diesem Giganten zu reisen.
Heute darf man dort ganz entspannt probesitzen – und braucht dafür weder Royal-Orchid-Goldstatus noch ein mehrere Tausend Euro teures First-Class-Ticket. Interessant für Flugzeugfans sind außerdem alte Handbücher, Dokumentationen und die Crew-Ruheräume. Letztere sind offenbar weitgehend erhalten geblieben.
Cockpit ja – fliegen eher schwierig. Auch ins Cockpit kann man einen Blick werfen. Wer allerdings hofft, dort einen nahezu flugbereiten A380 vorzufinden, wird enttäuscht. Wertvolle Instrumente und Displays wurden ausgebaut und als Ersatzteile verwertet. An ihrer Stelle befinden sich teilweise Bilder; zahlreiche Schalter und Bedienelemente ohne wirtschaftlichen Wert blieben dagegen erhalten.
Vier Triebwerke? Nur fürs Auge! Von außen sieht HS-TUE wieder erstaunlich vollständig aus. Aber die echten Aggregate wurden ausgebaut – schlicht weil sie viel zu wertvoll sind, um unter einem ausrangierten Flugzeug auf einem Nachtmarkt herumzuhängen. Die heute sichtbaren Triebwerke sind Attrappen.
Ein A380 als Markt-Dach
Und genau darunter spielt sich inzwischen das neue Leben des A380 ab. Rund um den Flieger entstand ein kleiner Markt mit Streetfood, Café, Geschäften, Souvenirs und weiteren Verkaufsständen. Abends wird aus dem ehemaligen Langstreckenjet die ziemlich spektakuläre Kulisse eines thailändischen Nachtmarkts.Andere Länder stellen ein ausgemustertes Flugzeug ins Museum und hängen Absperrbänder davor.
In Thailand stellt man einen Airbus A380 hin, baut Essensstände darunter und sagt sinngemäß: Kommt rein, schaut euch um und danach gibt´s Pad Kra Pao. Und vielleicht ist das tatsächlich das schönere Ende für HS-TUE.
Statt nach gerade einmal sieben Jahren Flugbetrieb in Einzelteilen zu verschwinden, dürfen Menschen weiterhin durch seine beiden Decks laufen, in den alten Sitzen Platz nehmen und sich vorstellen, gleich nach London oder Tokio zu starten. Nur die Ansage des Kapitäns dürfte diesmal etwas anders ausfallen:
„Meine Damen und Herren, willkommen an Bord. Unsere heutige Flugzeit beträgt null Stunden und null Minuten. Dafür können Sie anschließend direkt unter der Tragfläche zu Abend essen.“ 😁
Für Flugzeugfans, die ohnehin in Rayong, Pattaya oder Richtung Koh Samet unterwegs sind, ist der ungewöhnliche A380 damit definitiv einen Abstecher wert.
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