21.09.2026
Politik
Heil Hitler, dann Aua - Thai-Polizei tasert deutschen Nazi
Deutscher Tourist feiert Hitler und beschimpft einen schwarzen Kanadier rassistisch
Ein offenbar betrunkener deutscher Tourist entschied sich am 10. September allerdings für ein ganz besonderes Kulturprogramm. Statt Pad Thai, Tempelbesichtigung und Massage soll er sich für Adolf Hitler, rassistische Beschimpfungen und Nazi-Grüße entschieden haben. Das Ende der Vorstellung war dann erfreulich kurz. Knister. Plumps. Die thailändische Polizei hatte einen Taser dabei.
Deutscher Exportartikel, auf den wirklich niemand gewartet hat
Nach Angaben des 34-jährigen schwarzen Kanadiers Marsala Gueye aus Toronto saß dieser mit zwei australischen Freunden in einem Restaurant an der Khao San Road, als sich der mutmaßlich betrunkene Deutsche der Gruppe näherte.Und weil „Hallo, woher kommt ihr?“ offenbar zu gewöhnlich gewesen wäre, soll der Mann versucht haben, ihnen ein Buch über Adolf Hitler zu zeigen. Die Gruppe bat ihn, sie in Ruhe zu lassen. Damit hätte der Abend für unseren Hobbyhistoriker eigentlich beendet sein können. War er aber nicht.
Laut Gueye wurde der Mann aggressiv, verwendete wiederholt das N-Wort und tauchte später erneut auf. Dabei soll er unter anderem eine Tasse mit Hakenkreuzmotiv dabeigehabt haben. Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist außerdem zu sehen beziehungsweise zu hören, wie der Mann Hitler verherrlicht, Nazi-Grüße zeigt und rassistische Ausdrücke verwendet.
Man reist also ausgerechnet als Deutscher rund 9.000 Kilometer nach Thailand und entscheidet dann, dass die Welt unbedingt noch einmal mit dem peinlichsten Kapitel der eigenen Landesgeschichte belästigt werden müsse. Auch eine Art von Kulturbotschafter. Nur eben eine, für die man sich als Deutscher normalerweise am liebsten hinter der nächsten Palme verstecken möchte.
Die anderen gingen weg – er offenbar hinterher
Gueye und seine Freunde wechselten schließlich die Straßenseite, um dem Mann aus dem Weg zu gehen. Doch der Deutsche soll ihnen weiter gefolgt sein. Anwohner verständigten schließlich die Polizei, weil die Situation zu eskalieren drohte.Vier Beamte griffen ein. Die Polizei erklärte später, beim Eintreffen zunächst nicht gewusst zu haben, wer den Streit begonnen hatte und wer Täter oder Opfer war. Der Deutsche habe benommen beziehungsweise möglicherweise alkoholisiert gewirkt. Die Beamten beobachteten nach eigenen Angaben außerdem Flaschenwürfe von beiden Seiten, jedoch keine körperlichen Treffer.
Dann kam jener Moment, der dem kleinen Ausflug in die braune Vergangenheit ein ausgesprochen modernes Ende bereitete. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Mann auf Gueye zuläuft, während die Polizisten dazwischengehen. Einer der Beamten zieht seinen Taser. Zack. Und plötzlich hatte der vermeintliche Herrenmensch sehr intensiven Kontakt zur thailändischen Gegenwart. So schnell kann politische Spannung in elektrische umgewandelt werden. 😎
Vom „Heil Hitler“ zum Horizontalaufenthalt
Natürlich ist ein Polizeieinsatz mit einem Taser grundsätzlich kein Anlass zum Jubeln und sollte nur erfolgen, wenn die Situation ihn rechtfertigt. Eine gewisse historische Ironie lässt sich dieser Szene trotzdem nur schwer absprechen. Da reist jemand aus Deutschland nach Bangkok, soll einen schwarzen Mann rassistisch beleidigen, Hitler verherrlichen und Nazi-Grüße zeigen – und beendet seinen großen ideologischen Auftritt schließlich waagerecht auf der Khao San Road, während thailändische Polizisten um ihn herumstehen.
Khao San Road: Man lernt eben nie aus
Die Khao San Road hat in den vergangenen Jahrzehnten schon so ziemlich alles gesehen: Backpacker in Elefantenhosen, betrunkene Junggesellenabschiede, Skorpione am Spieß, nächtliche Tätowierungen, an die sich ihre Besitzer morgens nur noch anhand des Kontoauszugs erinnern können, und Touristen, deren Flip-Flops offenbar Stunden vor ihren Besitzern nach Hause gegangen sind.Ein deutscher Nazi-Fan mit Hitlerbuch, Hakenkreuz-Tasse und anschließendem Taser-Kontakt erweitert diese bemerkenswerte Sammlung nun um eine weitere Episode. Und vielleicht steckt darin sogar eine kleine Reiseweisheit: Andere Länder, andere Sitten – aber rassistische Nazi-Nummern bleiben international eine ziemlich beschissene Idee.
Auf der Khao San Road kam diesmal lediglich noch eine kleine Zusatzinformation hinzu: Manchmal steht die Antwort darauf unter Strom. ⚡😂
Deutsche Thailand-Urlauber mit bemerkenswertem Talent für internationale Peinlichkeiten sind übrigens keine ganz neue Erscheinung: 2024 brachte der damalige AfD-Politiker Niels Foitzik Koh Phi Phi gleich mit zwei Polizeieinsätzen um die Nachtruhe – inklusive fliegender Teller und Abtransport auf der Trage.
Bangkok hat jetzt also den Taser, Koh Phi Phi brauchte damals noch mehrere Polizisten und eine Trage – deutscher Qualitätstourismus kann so vielseitig sein. 😂
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