28.09.2026
Wetter
Hochwasser Thailand: 10.000 Soldaten im Einsatz, Airports im Chaos
Wasser, Staus und Hamsterkäufe und irgendwo schwimmt ein Krokodil
Und während in manchen Bangkoker Supermärkten Wasserflaschen und Instantnudeln aus den Regalen verschwinden, kämpfen am Suvarnabhumi Airport nicht nur Reisende mit der Anfahrt, sondern auch die Airlines mit fehlendem Personal und liegengebliebenem Gepäck. Thailand steht keineswegs komplett unter Wasser – doch die Auswirkungen der außergewöhnlich heftigen Regenfälle sind inzwischen in weiten Teilen des Landes zu spüren.
Mehr als 545.000 Menschen vom Hochwasser betroffen
Nach Angaben des thailändischen Katastrophenschutzes DDPM waren am Sonntag 25 Provinzen mit 128 Bezirken, rund 2.500 Dörfern und 174.803 Haushalten von Überschwemmungen betroffen. Das entspricht mehr als 545.000 Menschen. Bislang wurden acht Todesfälle im Zusammenhang mit der aktuellen Hochwasserlage gemeldet.Die Probleme reichen von Nord- und Zentralthailand bis in den Osten. Hinzu kommt Bangkok, wo nach tagelangem Starkregen alle 50 Bezirke zu Katastrophengebieten erklärt wurden. Das bedeutet allerdings nicht, dass die gesamte Hauptstadt unter Wasser steht. Die Einstufung erleichtert vor allem den schnellen Einsatz zusätzlicher Mittel und Hilfskräfte.
Besonders niedrig gelegene Stadtteile kämpfen jedoch weiterhin mit erheblichen Wassermengen. Seit Donnerstag waren in Bangkok zeitweise annähernd 300 Millimeter Regen gefallen.
Jetzt kommt die Armee – und zwar nicht zu knapp
Wie ernst die Situation inzwischen genommen wird, zeigt der Umfang des Militäreinsatzes. Das Verteidigungsministerium hat mehr als 10.000 Soldaten und über 1.000 Militärfahrzeuge für die Hochwasserhilfe mobilisiert.Die Soldaten helfen bei Evakuierungen, transportieren ältere und bettlägerige Menschen aus gefährdeten Gebieten, errichten Hochwasserbarrieren und schützen wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser. Militärgelände wird außerdem als sichere Abstellfläche für Fahrzeuge angeboten und kann bei Bedarf als Notunterkunft genutzt werden.
Was sonst Panzer, Lastwagen und Mannschaftstransporter bewegt, wird damit vorübergehend zur ziemlich robusten thailändischen Hochwasserflotte.
Suvarnabhumi: Flughafen trocken, Mitarbeiter kommen nicht zur Arbeit
Besonders interessant für Reisende ist die Situation am Suvarnabhumi Airport. Der Flughafen selbst ist geöffnet und der Flugbetrieb läuft grundsätzlich weiter. Das Problem liegt teilweise einige Kilometer davor.Überschwemmte Straßen und Verkehrsprobleme verhindern, dass zahlreiche Mitarbeiter des Bodenpersonals rechtzeitig zur Arbeit kommen. Gleichzeitig fielen bei Thai Airways mehrere Fahrzeuge für den Gepäcktransport aus. Das Resultat war ein erheblicher Gepäckstau mit teilweise stundenlangen Wartezeiten.
Besonders eindrucksvoll erwischte es ausgerechnet thailändische Sportler auf dem Weg zu den Asian Games nach Japan. Ringer, Golfer und Rugbyspieler mussten wegen Problemen mit Gepäck und Sportausrüstung teilweise rund acht Stunden am Flughafen warten. Suvarnabhumi hat Thai Airways inzwischen aufgefordert, zusätzliches Personal einzusetzen und defekte Gepäckfahrzeuge schnellstmöglich wieder flottzumachen.
Für Urlauber bleibt die Empfehlung deshalb eindeutig: Flugstatus prüfen und erheblich mehr Zeit einplanen. Für internationale Flüge werden derzeit mindestens drei-vier Stunden vor Abflug am Flughafen empfohlen, für Inlandsflüge zwei Stunden. Die stark vom Hochwasser betroffene Route über Lat Krabang sollte möglichst gemieden werden. Denn der pünktlichste Flieger nützt wenig, wenn Passagier oder Koffer noch irgendwo im Bangkoker Hochwasser stecken.
Schulen bleiben geschlossen
Auch der Alltag der Bangkoker bekommt die Folgen inzwischen deutlich zu spüren. Am Montag, 28. September, bleiben die Schulen unter Verwaltung der Bangkok Metropolitan Administration geschlossen.Grund sind überflutete Straßen, massive Verkehrsbehinderungen und mögliche Gefahren auf den Schulwegen. Gleichzeitig sollen die Schulgebäude auf Schäden kontrolliert werden.
Die Maßnahme betrifft die städtischen BMA-Schulen und bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche privaten und internationalen Schulen Bangkoks ebenfalls geschlossen bleiben.
Nationalparks machen die Tore dicht
Auch Urlauber außerhalb Bangkoks sollten ihre Tagesplanung momentan besser noch einmal überprüfen.Besonders drastisch ist die Situation im Khao Yai National Park. Nachdem zunächst nur einzelne Wasserfälle und Wege geschlossen worden waren, wurde der Nationalpark inzwischen bis auf Weiteres für Besucher und Übernachtungsgäste geschlossen. Sturzfluten haben Wege und Infrastruktur beschädigt; unter anderem wurde eine Brücke auf dem Weg zum Haew-Narok-Wasserfall von den Wassermassen zerstört.
Auch in anderen Regionen wurden touristische Ziele vorsorglich geschlossen. In Kanchanaburi betrifft das unter anderem Bereiche im Khuean Srinagarindra National Park und Sai Yok National Park, darunter Wasserfälle, Höhlen und Campingplätze. Auch im Phu Toei National Park in Suphan Buri wurden touristische Bereiche beziehungsweise Übernachtungsmöglichkeiten vorübergehend gesperrt.
Wer derzeit einen Nationalpark besuchen möchte, sollte deshalb unbedingt am selben Morgen noch einmal den aktuellen Öffnungsstatus prüfen.
Hamsterkäufe: Wasser, Nudeln und Konserven
Und wie es sich für eine größere Wetterlage gehört, beginnt irgendwann der Moment, in dem Menschen feststellen, dass man möglicherweise mehr als zwei Flaschen Wasser und eine halbe Packung Kekse im Haus haben sollte.In überschwemmten Teilen Bangkoks wurden Geschäfte stärker frequentiert und Regale mit Trinkwasser, Instantnudeln und haltbaren Lebensmitteln teilweise deutlich leerer. Menschen wateten durch überflutete Straßen, um sich mit Vorräten einzudecken.
Auch die Supermarktkette Tops richtete ein 24-Stunden-Krisenzentrum ein. Einzelne Filialen mussten schließen oder ihre Öffnungszeiten verändern. Eine generelle Versorgungskrise gibt es jedoch nicht; das Unternehmen betonte, dass grundsätzlich ausreichend Waren vorhanden seien und die Lieferketten überwacht würden.
Also: Hamsterkäufe ja, Thailand ohne Mama-Nudeln bislang nein.
Ayutthaya hat ein zusätzliches Problem
Während Bangkok vor allem versucht, die gewaltigen Regenmengen wieder loszuwerden, kämpft Ayutthaya mit einem zweiten Problem: Wasser kommt nicht nur vom Himmel, sondern auch von Norden.In Bang Ban stand das Hochwasser zuletzt stellenweise mehr als zwei Meter hoch. Häuser wurden überflutet und Bewohner mussten wieder Boote benutzen. Gleichzeitig werden über das Chao-Phraya-System weiterhin große Wassermengen aus dem Norden abgeführt.
Damit kann der Wasserstand in niedrig gelegenen Gebieten weiter problematisch bleiben, selbst wenn der Regen nachlässt. Genau das unterscheidet Ayutthaya von den typischen Bangkoker Straßenüberflutungen, bei denen nach einem Wolkenbruch häufig innerhalb einiger Stunden wieder Normalität einkehrt.
Khao Yai schickt sein Wasser gleich weiter
Rund um den Khao Yai National Park zeigt sich außerdem, wie schnell sich Starkregen aus bergigen Regionen weiter unten bemerkbar macht. Sturzfluten aus dem Nationalpark überschwemmten vier Bezirke der Provinz Prachin Buri. Straßen und Gemeinden wurden überflutet, nachdem enorme Wassermengen aus den Bergen herunterkamen.Und als wäre das alles noch nicht abwechslungsreich genug, suchen Behörden in Sa Kaeo nach einem Krokodil, das während der Überschwemmungen verschwunden sein soll. Damit bekommt der gut gemeinte Ratschlag, nicht durch unbekanntes braunes Hochwasser zu waten, gleich noch ein zusätzliches Argument.
Pattaya und Ostthailand bleiben ebenfalls im Blick
Pattaya und Si Racha hatten bereits zuvor schwere Überschwemmungen erlebt. Straßen verwandelten sich innerhalb kürzester Zeit in Flüsse, Fahrzeuge blieben liegen und in einzelnen Gebieten erreichte das Wasser mehr als einen Meter.Auch Chonburi, Rayong, Chanthaburi, Trat, Sa Kaeo, Prachin Buri, Nakhon Nayok und Chachoengsao standen zuletzt unter besonderer Hochwasserbeobachtung.
Gerade im Osten bleibt die Gefahr lokaler Sturzfluten hoch. Wer dort unterwegs ist, sollte deshalb weniger auf die Wetter-App für die gesamte Provinz schauen als auf die konkrete Situation am jeweiligen Ort. Tropische Starkregenfälle können ausgesprochen lokal sein.
Immerhin gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt erklärte, die Situation beginne sich zu stabilisieren. Wenn keine weiteren außergewöhnlich großen Regenmengen hinzukommen, könnten die Pumpwerke und Kanäle einen erheblichen Teil des Wassers in den kommenden Tagen ableiten. Auch die großräumige Wetterlage soll sich nach den bisherigen Prognosen langsam beruhigen, allerdings ist die kurzfristige Lage von heute und morgen, davon eher unbeeindruckt und lässt wohl nochmals kräftig was vom Himmel..
Thailand steht nicht komplett unter Wasser
Bei all den spektakulären Bildern ist deshalb etwas Einordnung wichtig: Thailand ist weiterhin bereisbar und große Teile des Landes funktionieren völlig normal. Selbst innerhalb Bangkoks unterscheiden sich die Bedingungen teilweise von Stadtteil zu Stadtteil erheblich.Wer aktuell unterwegs ist, sollte trotzdem mehr Zeit einplanen, Flüge und Transfers kontrollieren, vor Nationalparkbesuchen den Öffnungsstatus prüfen und überflutete Straßen nicht auf eigene Faust durchqueren.
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