13.05.2026
Bangkok
Immer diese Ausländerinnen - Polizei geht gegen Freelancer vor
Wenn das Nachtleben wieder Besuch von der Polizei bekommt
Die Gegend ist ohnehin kein unbekanntes Pflaster. Sukhumvit 4 liegt mitten in einem der bekanntesten Nachtlebenbereiche Bangkoks – dort, wo Touristen, Expats, Bars, Hotels, Taxis, Streetfood und sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle auf engem Raum zusammenkommen. Kurz gesagt: Wer dort abends unterwegs ist, erwartet nicht unbedingt klösterliche Stille und Mineralwasser mit Zitronenscheibe.
Nach Angaben der Polizei hatten Anwohner gemeldet, dass Gruppen ausländischer Frauen auf der Straße Männer angesprochen und Sexdienste angeboten hätten. Das störe nicht nur das Wohnumfeld, sondern schade auch dem touristischen Image der Gegend. Also wurde eine Kontrolle eingeleitet.
Während des Einsatzes beobachteten Beamte mehrere Frauen am Straßenrand, die mutmaßlich Passanten – besonders ausländische Männer – angesprochen haben sollen. Am Ende wurden sechs Frauen festgenommen: fünf Vietnamesinnen und eine Frau aus Usbekistan.
Ihnen wird ein Verstoß gegen das thailändische Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung der Prostitution vorgeworfen. Konkret geht es um das Ansprechen, Einladen, Sich-Anbieten oder Folgen von Personen an öffentlichen Orten zum Zweck der Prostitution. Der betreffende Abschnitt sieht eine Geldstrafe von bis zu 1.000 Baht vor – also eine Strafe, die im Vergleich zum polizeilichen Auftritt eher nach Verwaltungsdonner mit Kleingeld klingt.
Ob die Einwanderungsbehörden zusätzlich Schritte wie Ausweisung oder weitere Maßnahmen prüfen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Und ob nicht vielleicht thailändische "Gewerbetätige" unliebsame Konkurrenz aus dem Weges schaffen wollten, auch nicht.
Der Einsatz ist kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten gab es mehrere ähnliche Aktionen gegen mutmaßliche ausländische Sexarbeiterinnen in Bangkok und anderen Touristenzentren. Bereits im März wurden in derselben Sukhumvit-Gegend 16 ausländische Frauen festgenommen, darunter Frauen aus Tansania, Kenia und Vietnam.
Auch Pattaya stand mehrfach im Fokus. Dort nahm die Polizei im April am Pattaya Beach 16 ausländische Frauen fest, die angeblich Sexdienste angeboten haben sollen. Genannt wurden unter anderem Frauen aus Kirgisistan, Usbekistan und Uganda. Schon im Februar hatte es in Pattaya eine weitere Razzia gegeben, bei der 20 ausländische Frauen, viele aus afrikanischen Ländern, festgenommen wurden. Die Frauen bestritten damals die Vorwürfe, während die Polizei unter anderem Kondome und Gleitgel als Beweismittel sichergestellt haben soll.
Auch auf Koh Phangan gab es im März einen ähnlichen Fall mit zwei Frauen aus Uganda. In Kanchanaburi wurde es im selben Monat deutlich ernster: Dort wurden zwei Staatsangehörige aus Myanmar im Zusammenhang mit Prostitution und mutmaßlichem Menschenhandel festgenommen. In diesem Fall ging es laut Berichten auch um minderjährige Migranten aus Myanmar – und damit um eine ganz andere, wesentlich schwerwiegendere Dimension.
Die wiederholten Einsätze zeigen, dass Thailand derzeit sichtbarer gegen Prostitution in touristischen Zonen vorgeht, besonders wenn ausländische Beteiligte, öffentliche Beschwerden oder Social-Media-Videos im Spiel sind. Für die Behörden geht es dabei offiziell um Ordnung, Sicherheit und das Image wichtiger Touristengebiete.
Ganz verschwinden wird das Thema damit wohl kaum. In Bangkok und Pattaya ist das Nachtleben schließlich keine spontane Erfindung von letzter Woche. Aber sobald Beschwerden laut werden, Videos viral gehen und der Eindruck entsteht, bestimmte Straßen würden zu offen als Geschäftsfläche genutzt, kommt die Polizei ins Spiel.
Oder anders gesagt: In Thailand darf vieles lange im Halbschatten existieren – aber wenn es zu sichtbar wird, schlecht fürs Image aussieht und dann auch noch im Internet herumgereicht wird, wird aus dem Halbschatten ziemlich schnell Blaulicht.
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