23.06.2026
Politik
Immer weniger Babys, immer mehr Senioren - Thailands stille Krise
Wer arbeitet morgen? Thailands Kampf gegen den Geburtenrückgang
Die neuesten Zahlen sind alarmierend. Im Jahr 2025 wurden in Thailand nur noch 416.574 Kinder geboren. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 75 Jahren. Gleichzeitig starben 559.684 Menschen. Damit gab es mehr als 143.000 Todesfälle mehr als Geburten.
Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit dieser Entwicklung. Noch 2015 kamen in Thailand mehr als 736.000 Babys zur Welt. Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Zahl der Geburten also um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte Thailand bereits 2026 erstmals weniger als 400.000 Geburten verzeichnen.
Die Bevölkerung schrumpft bereits seit fünf Jahren
Thailand zählt derzeit rund 65,8 Millionen Einwohner. Doch die Bevölkerungszahl sinkt inzwischen bereits das fünfte Jahr in Folge. Ein entscheidender Faktor ist die sogenannte Geburtenrate. Sie liegt in Thailand inzwischen bei nur noch etwa 1,0 Kindern pro Frau. Zum Vergleich: Für eine stabile Bevölkerungsentwicklung wären durchschnittlich 2,1 Kinder pro Frau notwendig.Damit liegt Thailand inzwischen sogar unter Japan, das oft als Paradebeispiel einer alternden Gesellschaft gilt. Länder wie Südkorea, Singapur und Thailand gehören mittlerweile zur Gruppe der Staaten mit extrem niedrigen Geburtenraten. Auch Deutschland kämpft mit einer sinkenden Geburtenrate. Nach aktuellen Zahlen liegt sie bei etwa 1,35 Kindern pro Frau und damit ebenfalls deutlich unter dem Wert, der für eine stabile Bevölkerungsentwicklung notwendig wäre.
Der entscheidende Unterschied: Deutschlands Bevölkerung wächst derzeit noch leicht oder bleibt relativ stabil, weil das Land seit Jahren auf Zuwanderung angewiesen ist. Ohne Einwanderung würde auch Deutschland bereits deutlich schrumpfen.
Thailand steht vor einer ähnlichen Herausforderung. Jahrzehntelang war das Thema Migration dort kaum relevant, doch immer mehr Experten gehen davon aus, dass auch Thailand künftig auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sein wird, um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen und die Wirtschaft am Laufen zu halten.
Junge Menschen wollen Kinder - aber die Realität spricht dagegen
Interessanterweise zeigen Umfragen, dass die meisten jungen Thais keineswegs grundsätzlich auf Kinder verzichten möchten.Das eigentliche Problem sind wirtschaftliche und gesellschaftliche Hürden. Viele junge Erwachsene sehen sich mit hohen Lebenshaltungskosten, steigenden Wohnungspreisen, Schulden und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert. Hinzu kommen fehlende Betreuungsangebote für Kinder sowie Arbeitszeiten, die Familie und Beruf oft schwer vereinbar machen.
Experten betonen deshalb, dass finanzielle Einmalzahlungen oder Geburtenprämien allein kaum Wirkung zeigen. Viel wichtiger seien verlässliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, bessere Bildungsangebote und eine familienfreundliche Gesellschaft.
Regierung schlägt Alarm - Wer arbeitet morgen?
Die Folgen des Geburtenrückgangs werden bereits sichtbar.Immer weniger junge Menschen müssen künftig immer mehr ältere Menschen versorgen. Gleichzeitig droht ein wachsender Fachkräftemangel. Unternehmen könnten Schwierigkeiten bekommen, ausreichend Personal zu finden, während die Kosten für Renten, Gesundheitsversorgung und Pflege steigen.
Besonders betroffen wären Branchen wie Industrie, Tourismus, Gesundheitswesen und Dienstleistungen – Bereiche, die schon heute vielerorts unter Personalmangel leiden. Nun hat die thailändische Regierung das Thema zur nationalen Priorität erklärt.
Geplant sind familienfreundlichere Arbeitsplätze, bessere Unterstützung bei der Kinderbetreuung, leichterer Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen und Programme zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung.
Langfristig soll die Geburtenrate wieder steigen. Doch selbst optimistische Prognosen gehen davon aus, dass Thailand noch Jahrzehnte mit den Folgen des demografischen Wandels leben wird.
Thailand im Jahr 2075 – nur noch 40 Millionen Einwohner?
Einige Bevölkerungsforscher rechnen damit, dass Thailand innerhalb der nächsten 50 Jahre rund ein Drittel seiner Bevölkerung verlieren könnte. Statt knapp 66 Millionen Menschen könnten dann nur noch etwa 40 Millionen Einwohner im Land leben. Ob es tatsächlich so weit kommt, hängt von vielen Faktoren ab: Familienpolitik, wirtschaftliche Entwicklung, Migration und nicht zuletzt davon, ob es gelingt, jungen Menschen die Entscheidung für Kinder wieder zu erleichtern.Fest steht jedoch schon heute: Sowohl Thailand als auch Deutschland stehen vor derselben Herausforderung. Beide Länder werden künftig weniger junge Menschen haben, mehr ältere Menschen versorgen müssen und ohne Zuwanderung ihre heutige Bevölkerungszahl kaum halten können. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob die Gesellschaft altert. Die entscheidende Frage ist, wie gut sie sich darauf vorbereitet.
Alle Kinderbilder von unserem Lieblings-Fotomensch Gerhard Veer
⇒ Gerhard Veer - Fotograf, Entdecker und Freund der Schönheit
Die Kurzbiografie eines begnadeten Thailand-Fotografen und Freundes
Quelle: The National Statistical Office of Thailand (NSO), TheNation
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