10.07.2026
Jomtien Beach Pattaya und der Müll
Das ewige Strand-Upgrade – jetzt mit gratis Bauschutt, Plastik und Überraschungsnägeln
Ein Besucher berichtete kürzlich von wilden Müllkippen entlang einiger Straßen. Dort stapeln sich Bauschutt, alte Möbel, Haushaltsabfälle und Essensreste teilweise tagelang. Der Duft erinnert laut Anwohnern weniger an tropische Meeresbrise als vielmehr an eine Mischung aus Komposthaufen und Abenteuerurlaub. Bonuspunkt: Verstopfte Abflüsse sorgen dafür, dass sich ein Teil dieser "Dekoration" früher oder später auf den Weg Richtung Meer macht.
Doch damit nicht genug. Erst Anfang des Jahres sorgten Videos für Aufsehen, die zeigten, wie während Bauarbeiten Abwasser ins Meer gepumpt wurde. Die Erklärung der Behörden: Das Wasser habe lediglich eine Baustelle behindert und musste deshalb... nun ja... irgendwohin. Die Natur war offenbar so freundlich, als Endlager einzuspringen.
Kurz darauf floss am südlichen Ende des Strandes wieder einmal eine dunkel gefärbte, übel riechende Brühe aus einem großen Abfluss direkt ins Meer. Wenige Tage später präsentierte sich Jomtien Beach nach Wind und Wellen erneut im bekannten Look: kilometerlange Teppiche aus Holzresten, Plastikflaschen, Styropor und allerlei Treibgut. Einige Badegäste berichteten sogar von Nägeln zwischen dem angeschwemmten Müll – Barfußlaufen wurde damit spontan zur Extremsportart.
Natürlich hatte jeder dieser Vorfälle seine eigene Ursache. Zusammengenommen ergeben sie jedoch ein Muster, das in Pattaya inzwischen fast schon Tradition hat. Sobald kräftiger Regen fällt, verwandeln sich Straßen, Kanäle und Abflüsse in kostenlose Expresslieferdienste Richtung Strand. Alles, was vorher irgendwo achtlos entsorgt wurde, genießt anschließend eine kleine Stadtrundfahrt mit Endstation Meer.
Dabei bemüht sich die Stadt durchaus regelmäßig um Müllsammelaktionen, Umweltkontrollen und Untersuchungen nach Verschmutzungen. Doch kaum ist ein Müllberg verschwunden, scheint irgendwo schon der nächste auf seinen großen Auftritt zu warten.
Man könnte fast meinen, Pattaya verfüge über eine ganz besondere Spezialeinheit: Inspektoren mit magischen Sonnenbrillen. Sobald sie auf einen Müllberg schauen, verschwindet dieser... zumindest aus den offiziellen Berichten. Leider funktioniert dieser Trick offenbar nur auf dem Papier, denn der Müll selbst bleibt erstaunlich hartnäckig an Ort und Stelle.
Das Problem reicht übrigens weit über Jomtien hinaus. Landesweit gelangen nach Schätzungen jedes Jahr rund 51.000 Tonnen unsachgemäß entsorgter Kunststoff in Thailands Gewässer. Rund zwölf Prozent des gesamten Abfalls bestehen aus Plastik. Beeindruckende Zahlen – wobei die Bewohner von Jomtien längst nicht mehr in Tonnen rechnen. Sie messen den Erfolg der Müllpolitik inzwischen eher daran, ob heute der Gehweg oder der Strand zuerst zugemüllt ist.
Und so gilt auch 2026 wieder das berühmte Motto aus dem britischen Silvesterklassiker "Dinner for One":
"Same procedure as last year? Same procedure as every year!"
Bleibt zu hoffen, dass irgendwann einmal nicht nur neue Hotels und Eigentumswohnungen schneller wachsen als Palmen – sondern auch die Müllentsorgung mit der Entwicklung Schritt hält. Denn eines steht fest: Der Strand von Jomtien hätte deutlich bessere Attraktionen verdient als seine unfreiwillige Dauerausstellung unter dem Titel "Kunststoff, Bauschutt & Co. – Open Air Edition".
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