29.10.2026
Wirtschaft
Koh Mak - die Insel, die lieber schön als reich sein möchte
Keine Hotelburgen, kein Massentourismus - lebe lieber nachhaltig
Es gibt in Thailand Inseln, auf denen scheinbar jeden Monat ein neues Luxusresort entsteht, die nächste Hügelkuppe für eine Poolvilla planiert wird und irgendwann selbst die letzte Palme einem Infinitypool mit Meerblick weichen muss. Und dann gibt es Koh Mak. Eine kleine, wunderschöne Insel in der Provinz Trat, die offenbar etwas verstanden hat, was andernorts gerne übersehen wird: Man muss nicht jeden Quadratmeter eines Paradieses zubetonieren, um davon leben zu können.
Zwischen Koh Chang und Koh Kood gelegen, ist Koh Mak gerade einmal rund 16 Quadratkilometer groß. Hier gibt es keine riesigen Hotelanlagen, keine vielstöckigen Häuser, keine Partymeilen und keine Einkaufszentren. Stattdessen findet man Kokospalmen, Kautschukplantagen, kleine Resorts, gemütliche Restaurants, ruhige Strände und eine geradezu wohltuende Gelassenheit.
Das ist kein Zufall. Dahinter steckt eine bemerkenswerte Geschichte.
Fünf Familien und eine ziemlich gute Idee
Ein großer Teil der Insel befindet sich seit Generationen im Besitz weniger alteingesessener Familien. Häufig ist von fünf Gründerfamilien die Rede, deren Nachfahren bis heute erheblichen Einfluss auf die Entwicklung Koh Maks haben. Und statt möglichst viele Grundstücke an große Investoren zu verkaufen, setzen sie auf eine andere Strategie: Die Insel soll ihren ursprünglichen Charakter behalten, der Tourismus überschaubar bleiben und die lokale Bevölkerung möglichst viel von den Einnahmen profitieren.Das klingt fast ein bisschen altmodisch. In Zeiten, in denen aus jedem zweiten Aussichtshügel ein Immobilienprojekt werden soll, ist es aber geradezu revolutionär. Natürlich gibt es auch auf Koh Mak Hotels, Resorts und Ferienunterkünfte. Schließlich lebt die Insel zu einem guten Teil vom Tourismus. Aber das Angebot ist überwiegend klein, persönlich und überschaubar. Große Hotelketten und gigantische Ferienanlagen bestimmen hier nicht das Landschaftsbild.
Acht Regeln für ein besseres Inselparadies
Die Bewohner haben sich sogar eine eigene Charta für nachhaltigen Tourismus gegeben. Darin werden acht Grundsätze formuliert, die helfen sollen, Koh Mak als ruhiges und umweltverträgliches Reiseziel zu erhalten. Dazu gehören der Schutz der natürlichen Ressourcen, ein bewusster Umgang mit Energie und Abfällen, die Förderung lokaler Produkte und Unternehmen sowie der Verzicht auf touristische Entwicklungen, die nicht zum Charakter der Insel passen.Besonders bemerkenswert: Koh Mak positioniert sich seit Jahren als Low-Carbon Destination, also als Reiseziel, das seine Umwelt- und Klimabelastung möglichst gering halten möchte. Elektrofahrzeuge, Fahrräder, lokale Lebensmittel, Müllvermeidung und ein möglichst schonender Umgang mit der Natur gehören zu den Bausteinen dieses Konzepts. Ganz konkret: Keine Autofähren für Touristenfahrzeuge, keine störenden motorisierten Wassersportarten, Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr und eine Obergrenze für Mietmotorräder von 70 Prozent der Zahl der Gästezimmer.
Auch die Abwesenheit grösserer Einkaufs- und Unterhaltungskomplexe ist Teil der besonderen Atmosphäre. Wer auf Koh Mak einen riesigen Supermarkt, ein internationales Fast-Food-Angebot oder die nächste wilde Beachparty sucht, dürfte enttäuscht werden.Wer dagegen Ruhe, Natur und ein bisschen ursprüngliches Thailand erleben möchte, ist hier ziemlich richtig.
Nicht alles ist verboten – aber vieles bewusst unerwünscht
Allerdings muss man einen wichtigen Unterschied machen: Koh Mak ist keine Insel mit einem pauschalen gesetzlichen Verbot für neue Hotels. Die besondere Entwicklung beruht vor allem auf den Eigentumsverhältnissen, dem Engagement der Inselbewohner, lokalen Vereinbarungen und der bewussten Entscheidung, keinen ungezügelten Massentourismus anzustreben.Neue touristische Projekte sind deshalb nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Sie sollen aber möglichst zur Größe, Infrastruktur und Philosophie der Insel passen. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Nationalparkinseln, auf denen touristische Übernachtungen teilweise vollständig untersagt sind. Koh Mak setzt nicht auf die Abschaffung des Tourismus, sondern auf seine Begrenzung und Gestaltung.
Weniger Beton, mehr Lebensqualität
Und genau darin liegt der eigentliche Reiz dieses Modells. Denn der Erfolg einer Urlaubsinsel lässt sich nicht ausschließlich an der Zahl ihrer Hotelbetten, an steigenden Grundstückspreisen oder an der Menge der ankommenden Touristen messen.Was nützt schließlich das fünfte neue Luxusresort, wenn dafür das Trinkwasser knapp wird, die Abwasserentsorgung nicht mehr funktioniert, die Strände überfüllt sind und die Einheimischen sich das Leben auf ihrer eigenen Insel kaum noch leisten können? Koh Mak versucht, solche Probleme möglichst früh zu vermeiden.
Natürlich ist auch hier nicht alles perfekt. Die Insel muss mit begrenzten Ressourcen umgehen, Abfall entsorgen, Energie bereitstellen und die Interessen von Bewohnern, Unternehmen und Urlaubern unter einen Hut bringen. Nachhaltigkeit ist kein Zustand, den man einmal beschließt und dann für immer erreicht. - Aber die Richtung stimmt.
Ein Vorbild für andere thailändische Inseln?
Während auf Koh Samui und Koh Phangan inzwischen strengere Bau- und Umweltschutzvorschriften die weitere Bebauung empfindlicher Landschaftszonen begrenzen sollen, geht Koh Mak einen anderen Weg. Hier steht nicht nur die Frage im Mittelpunkt, was gesetzlich noch erlaubt ist, sondern auch, welche Art von Tourismus man überhaupt haben möchte.Das ist ein bemerkenswerter Gedanke. Denn die schönsten Inseln Thailands sind nicht deshalb so begehrt geworden, weil dort möglichst viele Hotels stehen. Sondern wegen ihrer Natur, ihrer Strände, ihrer Atmosphäre und der Menschen, die dort leben. Ausgerechnet diese Eigenschaften durch immer neue Bauprojekte zu zerstören, wäre wirtschaftlich betrachtet eine ziemlich kurzsichtige Idee.
Eine Insel, die man hoffentlich auch in 20 Jahren noch wiedererkennt. Koh Mak wird vermutlich niemals das Nachtleben von Phuket, die Hotelvielfalt von Koh Samui oder die Besucherzahlen von Koh Phi Phi erreichen. Und das ist auch gut so. Die kleine Insel beweist, dass touristische Entwicklung nicht zwangsläufig bedeuten muss, immer größer, lauter und voller zu werden.
Manchmal ist die klügste Entscheidung eben nicht, das nächste Resort zu bauen, sondern die Palmen einfach stehen zu lassen. Dafür verdient Koh Mak ein dickes Lob. Und hoffentlich möglichst viele Nachahmer. 🌴
- 2018: Die Inselgemeinschaft verabschiedete die acht Punkte umfassende Koh-Mak-Charta.
- 2022: Aufnahme in die internationalen Green Destinations Top 100.
- 2023: Zweiter Platz bei den Green Destinations Story Awards auf der ITB Berlin.
- 2025: Laut einem Bericht von The Nation leben nur etwa 530 Menschen dauerhaft auf Koh Mak; die Insel verfügt über ungefähr 550 Gästezimmer.
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