30.03.2026
Politik
Krieg am Golf - Thailand mit steigenden Versorgungsproblemen
Hat die Regierung in Bangkok nun eine Lösung gefunden?
Thailand deckt 68 Prozent seines Gas- und 90 Prozent seines Ölbedarfs aus den Golfstaaten. Die Ölreserven des südostasiatischen Landes reichen laut Time für etwa zwei Monate. Durch die Lieferengpässe leidet die Wirtschaft des Landes stark: So hat etwa die Hälfte der thailändischen Fischereiflotte mittlerweile den Betrieb eingestellt. Für Thailands Fischer, die zu den größten Meeresfrüchte-Exporteuren weltweit gehören, sei der Treibstoff einfach zu teuer geworden, berichtet
Neben den Auswirkungen auf Industrie und Verbraucher im Land, ist durch die weltweiten Energiepreisanstiege auch die für Thailands Wirtschaft so wichtige Tourismusbranche betroffen. Denn unter anderem wegen der hohen Flugpreise drohe die Zahl der ausländischen Besucher auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren zu sinken, berichtet.
Zudem sind Exporte, etwa von Reis, in den Nahen Osten eingebrochen. Laut Bloomberg könnte ein Krieg, der länger als drei Monate dauert, das Wirtschaftswachstum Thailands durch die hohen Energiepreise sowie den Einbruch von Tourismus und Exporten halbieren.
Die aggressive Außenpolitik und militärischen Aktionen unter Führung von Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind verantwortlich für die Situation und steigern weiterhin die Unsicherheit an den Energiemärkten. Steigende Ölpreise sind dabei eine direkte Folge solcher Konflikte – und diese Auswirkungen sind längst auch in Thailand an der Zapfsäule spürbar.
Aktuell verschärft sich die Lage zusätzlich durch einen sprunghaften Preisanstieg: Ende März wurden die Kraftstoffpreise innerhalb weniger Tage um rund 6 Baht pro Liter angehoben – ein ungewöhnlich starker Sprung, der viele überrascht hat. Gleichzeitig kommt es regional immer wieder zu Versorgungsproblemen, insbesondere bei Diesel. Teilweise ist er schlicht ausverkauft oder nur nach längerer Wartezeit erhältlich, sodass sich an vielen Tankstellen lange Schlangen bilden. Das sorgt nicht nur bei Autofahrern, sondern auch in Transport und Landwirtschaft für spürbaren Druck.
In den ersten drei Wochen des Iran-Kriegs hatte die Regierung die Spritpreise mit Finanzspritzen noch gedeckelt. Doch als vergangenen Mittwoch die Subventionen plötzlich gestrichen wurden, war das Ergebnis ein Preisschock an Thailands Tankstellen. Seither sind die Preise weiter gestiegen.
⇒ Lokale Benzinkrisen und Engpässe in Thailand
Die Regierung in Bangkok rief die Bevölkerung zu drastischen Energiesparmaßnahmen auf. Die Kühlung durch Klimaanlagen solle begrenzt, Treibstoff und Benzin gespart werden, Beschäftigte in Büros möglichst kurzärmelige Hemden statt Anzüge tragen. Behördenmitarbeiter wurden aufgefordert, Treppen statt Aufzüge zu nutzen oder gleich aus dem Homeoffice zu arbeiten. Zudem wurde erwogen, Tankstellen nachts zu schließen.
Wie einige andere asiatische Länder hat auch Thailand begonnen, die Kohleverstromung hochzufahren. So nimmt Thailand zwei im vergangenen Jahr stillgelegte Kohlekraftwerke wieder in Betrieb. In etlichen Ländern der Region gewinnt auch die Diskussion um Atomenergie neuen Schwung.
Verhandlungen mit dem Iran
Die Regierung in Bangkok führt auch Verhandlungen mit Teheran. Irans Führung hatte eigentlich erklärt, dass Schiffe aus "nicht-feindlichen Staaten" die Straße von Hormus passieren dürften. Einigen Tankern mit Lieferungen für Indien und Pakistan wurde die Durchfahrt seither erlaubt. Vergangenen Mittwoch konnte erstmals auch wieder ein thailändischer Öltanker nach Angaben aus Bangkok die Straße von Hormus passieren.⇒ Thailändisches Frachtschiff im Persischen Golf beschossen
Zwei Wochen zuvor war ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter noch in der Meerenge von einem Geschoss getroffen worden. Dabei brach ein Feuer an Bord aus und zwang die Besatzung zur Evakuierung - drei Besatzungsmitglieder werden vermisst.
Mittlerweile soll Iran nach Angaben von Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul thailändischen Öltankern die sichere Durchfahrt der Straße von Hormus erlauben. Mit Iran sei ein Übereinkommen ausgehandelt worden, sagte Anutin nach Angaben der Bangkok Post am Samstag und stellte in Aussicht, dass Ölimporte für das Land bald wieder gewährleistet sein sollten. Das wäre auch sehr wichtig, denn lokal sind selbst Rettungsdienste betroffen, die kein Diesel mehr zum Befüllen der Rettungsfahrzeuge haben oder Bestatter, die mangels Sprit ihre Krematorien nicht betreiben können.
Gleichwohl entschuldigte er sich auf der Pressekonferenz beim thailändischen Volk für das "Chaos", das seine Regierung im Umgang mit den Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Preise von Treibstoffen im Land verursacht habe. Die Störung der Öllieferungen halte länger an als erwartet, sagte Anutin zur Begründung. Ein baldiges Ende des Konflikts sei unwahrscheinlich. Daher habe die Regierung ihre Maßnahmen anpassen müssen.
Gleichzeitig rief der Ministerpräsident laut dem Onlinemedium Khaosod die Menschen auf, weiter Öl zu sparen. "Ich fordere die Öffentlichkeit auf, zuversichtlich zu bleiben, nicht in Panik zu verfallen und nicht zu horten."
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