08.10.2026
Umwelt
Mehr als jeder dritte Neuwagen in Thailand fährt rein elektrisch
Elektroautos machen Tempo - Verbrenner verlieren zunehmend Marktanteile
Im August 2026 war mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw in Thailand ein reines Elektroauto.
Von insgesamt 62.417 neu zugelassenen Pkw entfielen 22.086 Fahrzeuge auf reine batterieelektrische Autos (BEV). Das entspricht einem Anteil von rund 35,4 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der BEV-Neuzulassungen um satte 124 Prozent.
Noch deutlicher wird der Wandel, wenn man Hybride dazurechnet. Im August wurden zusätzlich 13.772 klassische Hybridfahrzeuge und 1.747 Plug-in-Hybride zugelassen. Damit verfügten rund 60 Prozent aller neu zugelassenen Pkw über irgendeine Form elektrifizierten Antriebs. Der klassische reine Verbrenner kam nur noch auf knapp 40 Prozent.
Elektroautos auf dem Weg zum Massenmarkt
Auch der Blick auf das Gesamtjahr zeigt, dass der August kein einmaliger Ausreißer war. Von Januar bis August 2026 wurden rund 144.000 reine Elektro-Pkw neu zugelassen. Bei insgesamt knapp 485.000 Pkw-Neuzulassungen entspricht das bereits einem Anteil von knapp 30 Prozent über die ersten acht Monate des Jahres.Nach Daten des thailändischen Department of Land Transport, die von JETRO ausgewertet wurden, legten die BEV-Neuzulassungen bei Pkw von Januar bis August gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 93 Prozent zu.
Thailand gehört damit inzwischen zu den interessantesten Elektromärkten Südostasiens. PwC beziffert den Anteil aller elektrifizierten Fahrzeuge – also BEV und Hybride – im ersten Halbjahr 2026 auf 53 Prozent. Zwei Jahre zuvor waren es erst 32 Prozent.
Die Richtung kaum zu übersehen: Ein Elektroauto ist in Thailand 2026 längst kein exotisches Nischenprodukt mehr. Wenn in einem Monat mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw rein elektrisch fährt und zusammen mit Hybriden sechs von zehn Neuzulassungen elektrifiziert sind, hat der Umbau des thailändischen Automarktes bereits ziemlich kräftig Fahrt aufgenommen.
Auch das Ladenetz wächst kräftig mit
Das alte Argument „Und wo willst du das Ding in Thailand laden?“ verliert ebenfalls zunehmend an Schlagkraft. Parallel zum Boom der Elektroautos wurde die öffentliche Ladeinfrastruktur massiv ausgebaut. Im April 2026 gab es landesweit bereits rund 4.817 öffentliche Ladestandorte mit 14.486 Ladeanschlüssen, davon gut 9.000 DC-Schnellladepunkte. Anfang 2026 waren es noch 4.643 Standorte und knapp 14.000 Anschlüsse.Vor allem entlang der großen Fernstraßen und in Bangkok sowie den touristischen und wirtschaftlichen Zentren wird das Netz immer dichter. Geladen wird längst nicht nur irgendwo hinter einem Einkaufszentrum: Tankstellenketten, Shoppingcenter, Hotels und Rastanlagen haben das Geschäft entdeckt. Dazu kommen Netze der staatlichen Stromversorger. Allein PEA VOLTA betreibt 413 Stationen in 75 Provinzen, unter anderem mit CCS2-Schnellladern bis 360 kW; die Stationen liegen gezielt auch an wichtigen Fernverbindungen in den Norden, Süden, Osten und Nordosten des Landes. PEA verlangt seit Mai 2026 je nach Ladeleistung und Tageszeit etwa 4,90 bis 7,90 Baht/kWh. (0,13 - 0,21 EUR)
Ganz perfekt ist die Sache allerdings noch nicht. In Bangkok und den Ballungsräumen ist die Versorgung wesentlich dichter als in dünn besiedelten Regionen, und bei dem rasanten Wachstum der Elektroflotte muss der Ausbau weitergehen. Thailand hat sich deshalb 12.000 DC-Schnellladepunkte bis 2030 zum Ziel gesetzt. Wer allerdings heute mit einem modernen Elektroauto von Bangkok nach Chiang Mai, Pattaya, Hua Hin oder in Richtung Süden fährt, muss längst nicht mehr mit Verlängerungskabel und Gebetbuch im Kofferraum losfahren.
Mietwagen für E-Touristen
BEV-Mietwagen sind in Thailand inzwischen durchaus verfügbar, aber noch längst nicht so selbstverständlich wie Benziner. Besonders in Bangkok sowie an großen touristischen Standorten findet man sie bei spezialisierten Vermietern und zunehmend auch bei klassischen Anbietern. Typische Modelle sind BYD, MG, GWM/Ora, Aion und teilweise Tesla. Außerhalb der großen Zentren ist die Auswahl deutlich kleiner.Das Laden ist für Urlauber machbar, aber etwas komplizierter als Tanken, weil Thailand mehrere Ladenetze mit eigenen Apps und Bezahlsystemen hat. Zu den wichtigen Netzen gehören PEA VOLTA, EV Station PluZ, EA Anywhere und EleX by EGAT. PEA VOLTA allein weist inzwischen über 400 eigene Stationen in 76 Provinzen aus; die aktuelle Stationssuche enthält durch angeschlossene Netze sogar über 700 Standorte. Die großen Fernstraßen sind inzwischen recht gut abgedeckt.
Wie funktioniert das mit einem Mietwagen?
Normalerweise bekommst Du das Auto mit einem bestimmten Akkustand. Das Laden unterwegs zahlst Du selbst, genau wie Benzin beim normalen Mietwagen. An der Säule wird meist per App gestartet und bezahlt. PEA VOLTA beispielsweise zeigt in der App freie Ladepunkte, Steckertyp und Ladezustand an; bezahlt wird ebenfalls darüber. EA Anywhere arbeitet ähnlich.Das kann für ausländische Urlauber allerdings der nervigste Teil sein: Man sollte vor der ersten längeren Fahrt klären, welche Apps funktionieren, ob eine thailändische Telefonnummer nötig ist und welche Zahlungsmittel akzeptiert werden. Immerhin werden die Netze zunehmend miteinander verknüpft; beispielsweise tauscht EleXA Standort- und Statusdaten mit PEA VOLTA, MEA EV, EV Station PluZ, EA Anywhere und GWM aus.
Bei der Rückgabe bestimmt der jeweilige Vermieter, wie voll der Akku sein muss. Deshalb unbedingt den Mietvertrag anschauen. International sind beispielsweise Regelungen wie „mindestens 70 %“ oder „gleicher Ladestand wie bei Übernahme“ üblich; bei zu niedrigem Akkustand wird eine Ladegebühr berechnet.
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