28.02.2025
Umwelt
Müllskandal auf dem Chao Phraya Bangkok
Kreuzfahrtschiff verliert Lizenz nach illegalen Entsorgen von Abfällen
Enthüllung durch Ex-Schönheitskönigin löst Skandal aus
Die ersten Hinweise auf die illegale Praxis kamen von Carla Porter, ehemalige Zweitplatzierte von Miss Thailand World 2009, die die belastenden Aufnahmen auf Facebook veröffentlichte. Das Video zeigt, wie Mitarbeiter des Kreuzfahrtschiffes Plastikflaschen, Styropor-Boxen und weiteren Müll direkt in den Fluss entsorgen.Noch brisanter: Als die Crew bemerkte, dass sie beobachtet wurde, versteckte sie sich hinter einem anderen Schiff, um ihre illegalen Machenschaften ungestört fortzusetzen. Porter zeigte sich schockiert:
„Ich hätte nie gedacht, dass ein Unternehmen, das vom Fluss lebt, ihn so zerstört. Ich bin sicher, dass das kein Einzelfall ist – und dass diese Anweisung von ganz oben kommt.“
Porter geht davon aus, dass das illegale Müllentsorgen kein „Ausrutscher“ der Crew war, sondern eine gezielte Praxis der Geschäftsführung, um die Entsorgungskosten zu umgehen.
Betreiber verliert Lizenz – Behörden greifen durch
Die Aufnahmen lösten eine Welle der Empörung aus, sowohl in den sozialen Medien als auch bei Umweltgruppen. Jetzt hat die thailändische Regierung reagiert:- Die Reederei Happy International Trade, Betreiberin der "Royal Galaxy Cruise", wurde offiziell als Verantwortliche identifiziert.
- Das thailändische Transportministerium hat die Lizenz des Schiffes vorerst ausgesetzt und weitere strafrechtliche Schritte gegen die Crew eingeleitet.
- Die Marinebehörde (Marine Department) wurde beauftragt, den Fall weiter zu untersuchen und Maßnahmen zur Verschärfung der Vorschriften zu erarbeiten.
Laut Manaporn Charoensri, stellvertretende Transportministerin, drohen den Verantwortlichen empfindliche Strafen. Verstöße gegen das thailändische Schifffahrtsgesetz von 1913 können mit bis zu sechs Monaten Gefängnis und/oder einer Geldstrafe von 10.000 Baht (rund 260 Euro) geahndet werden.
Der Direktor der Marinebehörde, Kritphet Chaichuai, erklärte, dass die Behörden bereits Beweise für eine Anklage gegen die Crew sammeln und das Kreuzfahrtschiff einer umfassenden Inspektion unterziehen werden. Zudem werde mit dem thailändischen Bootsverband sowie den Betreibern von Passagierschiffen über strengere Maßnahmen zum Schutz des Chao Phraya gesprochen.
Systematische Müllentsorgung
Dass die illegale Müllentsorgung kein Einzelfall ist, bestätigt Tos, ein Restaurantbesitzer am Flussufer im Phra Ram 3-Bezirk. Laut ihm ist das ein wiederkehrendes Problem, das er schon mehrfach beobachtet hat.„Das ist ekelhaft. Wir kämpfen ständig gegen den Müll, der hier angeschwemmt wird, und dann sehe ich, wie diese Schiffe, die vom Fluss leben, ihn absichtlich verschmutzen!“
Besonders ärgerlich sei, dass der Müll oft einen widerlichen Gestank verbreite und Gäste abschrecke. Auch er stellte sich die Frage:
„Warum wurde der Müll nicht an Land entsorgt? Es ist offensichtlich, dass es sich um Abfälle vom Vortag handelt, die auf dem Schiff gelagert wurden – nur um dann direkt ins Wasser geworfen zu werden, bevor die nächsten Passagiere an Bord gehen.“
Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen wurde das betroffene Kreuzfahrtunternehmen von empörten Usern auf seiner Facebook-Seite regelrecht überflutet. Kommentare bezeichneten die Praxis als „widerlich“ und forderten dringende Konsequenzen für die Verantwortlichen. Viele Nutzer verlangten, dass sich das Unternehmen öffentlich entschuldigt, konkrete Maßnahmen ergreift und die verantwortlichen Manager zur Rechenschaft gezogen werden. Gleichzeitig hat der Skandal eine breite gesellschaftliche Debatte über Umweltethik und Unternehmensverantwortung ausgelöst. Umweltorganisationen drängen auf eine strengere Überwachung der Flusskreuzfahrten und härtere Sanktionen für Umweltvergehen.
Der Chao Phraya River, einst als „Lebensader Bangkoks“ bekannt, leidet bereits unter zunehmender Verschmutzung. Illegale Müllentsorgung, industrielle Abwässer und Plastikabfälle bedrohen die Wasserqualität und die Tierwelt des Flusses. Die Frage bleibt: Wird dieses Kreuzfahrtunternehmen tatsächlich zur Rechenschaft gezogen – oder bleibt es bei leeren Versprechungen? Eines ist sicher: Die thailändische Öffentlichkeit schaut jetzt genauer hin.
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