26.08.2026
Pattaya
Nach 250 Tagen See - USS Abraham Lincoln kommt nach Thailand
5.000 Seeleute haben Landgang - Pattaya, halt dich fest!
Für die rund 5.000 Seeleute und Marines an Bord dürfte Thailand allerdings weit mehr sein als nur ein weiterer Punkt auf der Seekarte. Hinter ihnen liegt eine außergewöhnlich lange und belastende Einsatzzeit mit mehr als 250 Tagen auf See und mehr als 200 Tagen ohne regulären Hafenaufenthalt. Die Lincoln war monatelang im Arabischen Meer im Einsatz und unterstützte US-Operationen während des Krieges mit Iran. Erst am vergangenen Wochenende verließ der Träger die Region.
Die thailändische Marine betont ausdrücklich, dass der Besuch keine Militärübung und keine neue Operation ist. Drei Schiffe der amerikanischen Trägergruppe sollen für kurze Zeit Ostthailand anlaufen. Der Zweck ist ausgesprochen friedlich: Versorgung, Wartung – und vor allem Rest and Recreation für eine ziemlich erschöpfte Besatzung. Das genaue Datum und die beteiligten Schiffe hält die Royal Thai Navy aus Sicherheitsgründen noch zurück.
Und sollte es wie bei früheren Besuchen der Abraham Lincoln laufen, dürfte sich ein erheblicher Teil dieser „Recreation“ wenige Kilometer vom Anlegepunkt entfernt abspielen. Dass tausende Barladys, Freelancer und Toyboys extra ihre Gelbeutel geleert haben, um Platz für Neues zu schaffen, sind sicher nur Gerüte. Zum Glück gibt es ja keine Prostituion in Pattaya, sonst könnte der Landgang in Sodom und Gomorra ausarten.
Ein Flugzeugträger wie die Abraham Lincoln ist schwer vorstellbar, solange man nicht einmal neben einem gestanden hat. Das Schiff ist rund 333 Meter lang, verdrängt voll beladen etwa 100.000 Tonnen und trägt mit seinem Carrier Air Wing Dutzende Kampfflugzeuge, Hubschrauber und weitere Luftfahrzeuge. Im Grunde ist es eine Kleinstadt mit Flughafen, Kraftwerk, Krankenstation, Werkstätten, Großküchen, Wäschereien und kilometerlangen Gängen – nur eben ohne Feierabendspaziergang um den Block. Und genau darin liegt nach mehr als acht Monaten Einsatz das Problem.
Das Schiff verließ San Diego bereits im November 2025. Was als langer, aber noch halbwegs normaler Einsatz begann, wurde durch die Entwicklungen im Nahen Osten immer weiter verlängert. Die Lincoln verbrachte fast sieben Monate im Arabischen Meer und war an einem der intensivsten US-Militäreinsätze der vergangenen Jahre beteiligt. Sollte sie erst Ende September oder Anfang Oktober nach San Diego zurückkehren, wird die gesamte Mission zu den längsten Flugzeugträger-Einsätzen seit Ende des Kalten Krieges gehören.
Mehr als 250 Tage auf See bedeuten eben nicht 250 Tage Kreuzfahrt mit gelegentlichem Cocktail am Pool.
Irgendwann werden selbst 333 Meter verdammt klein
Das Leben auf einem Flugzeugträger ist eng, laut und streng durchorganisiert. Viele Besatzungsmitglieder schlafen in mehrstöckigen Kojen in Gemeinschaftsräumen, Privatsphäre ist Luxus und Schichtdienst rund um die Uhr Normalität. Auf dem Flugdeck starten und landen Jets, darunter F/A-18 Super Hornets, während unter Deck Tausende Menschen arbeiten, essen und versuchen, irgendwann ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.Während eines langen Kampfeinsatzes kommt die psychische Belastung hinzu. Es gibt kaum Möglichkeiten, einfach einmal Abstand zu gewinnen. Kein Spaziergang durch die Stadt, kein Wochenende zu Hause und über Monate nicht einmal ein Nachmittag an Land.
Bei der Abraham Lincoln sorgten die Zustände inzwischen auch in den USA für heftige Diskussionen. Angehörige berichteten von zunehmender Erschöpfung, schlechter Stimmung und psychischen Problemen. US-Medien berichteten außerdem über knapper werdende Versorgung, zeitweise Probleme mit sanitären Einrichtungen und Wartungsrückstände. Längere Einsätze bedeuten nicht nur Verschleiß bei den Menschen, sondern auch bei einem gewaltigen und technisch extrem komplexen Schiff.
Besonders ernst sind Berichte über Seeleute in psychischen Krisensituationen und Vorfälle, bei denen Besatzungsmitglieder über Bord gingen beziehungsweise dies versucht haben sollen. Die Berichte lösten auch politische Nachfragen in Washington aus. Die Führung des Pentagon und der US Navy widersprach allerdings Darstellungen, nach denen an Bord katastrophale Zustände herrschten, und erklärte, Teile der Berichterstattung zeichneten ein verzerrtes Bild.
Man sollte deshalb zwischen belegten Tatsachen und Berichten von Angehörigen unterscheiden. Unstrittig ist jedoch: Ein Einsatz dieser Länge ohne normalen Landgang ist für Besatzung und Schiff außergewöhnlich belastend.
Und genau deshalb dürfte Thailand für viele an Bord gerade ungefähr wie das gelobte Land aussehen. Und dann gehen plötzlich Tausende Seeleute von Bord, begleitet von einigen MP Einheiten, der US-Militärpolizei, die versuchen werden Ihren Haufen zu mäßigen.
Was passiert eigentlich, wenn ein amerikanischer Flugzeugträger in Thailand „landet“?
Zunächst einmal landet er natürlich nicht wirklich. 😉 Ein Schiff dieser Größe läuft einen geeigneten Tiefwasserhafen an beziehungsweise ankert entsprechend der örtlichen Bedingungen. Für große US-Marineschiffe ist Laem Chabang südlich von Bangkok und nördlich von Sattahip ein bewährter Anlaufpunkt.
Bei einem Carrier-Besuch entsteht dann eine Logistik, die man als normaler Thailandurlauber kaum mitbekommt. Tausende Besatzungsmitglieder bekommen gestaffelt Landgang, Busse und Vans fahren zwischen Hafen, Hotels und touristischen Zentren, Lieferanten bringen Nachschub zum Schiff und örtliche Dienstleister bekommen innerhalb weniger Tage einen erheblichen zusätzlichen Kundenstrom.
Nicht alle 5.000 Menschen verlassen gleichzeitig das Schiff, und ein Teil der Besatzung muss selbstverständlich immer an Bord bleiben. Trotzdem können über mehrere Tage Tausende zusätzliche Gäste in Pattaya und Umgebung auftauchen. Und die haben nach mehr als 250 Tagen auf See einen gewissen Nachholbedarf, so dass man davon ausgehen kann, dass in mancher Pattaya Bar das Bier genauso knapp wird, wie die Ladys...
Konjunkturprogramm US-Carrier für Pattaya
Hotels, Restaurants, Bars, Einkaufszentren, Taxifahrer, Massagegeschäfte, Ausflugsanbieter und andere Dienstleister dürfen sich deshalb auf ausgesprochen lebhafte Tage einstellen. Die US Navy bezeichnet den Landgang traditionell als „Liberty“. Nach acht Monaten Einsatz dürfte dieses Wort für manche Seeleute eine geradezu emotionale Bedeutung bekommen.Ein ordentliches Hotelzimmer mit einem großen Bett, einer privaten Dusche und einer Toilette, die man nicht mit Dutzenden anderen Menschen teilt, kann nach Monaten auf einem Kriegsschiff plötzlich luxuriöser wirken als eine Poolvilla auf Koh Samui. Dann kommen ganz profane Dinge: richtiges Essen, ein Steak, Burger, Thai Food, frisches Obst, Shopping, Telefonieren mit der Familie, Strand, Massagen und einfach einmal mehrere Stunden lang nichts Militärisches sehen.
Und ja – Pattaya wäre nicht Pattaya, wenn ein Teil der Besatzung nicht auch ziemlich genau wüsste, weshalb die Stadt seit Jahrzehnten bei amerikanischen Seeleuten einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Walking Street und die großen Entertainment-Zonen einen Flugzeugträger-Besuch bemerken werden.
Eine ziemlich alte Beziehung zwischen US Navy und Pattaya
Dass ausgerechnet Pattaya bei solchen Besuchen eine besondere Rolle spielt, hat historische Gründe. Die Entwicklung der Stadt zum internationalen Bade- und Vergnügungsort ist eng mit der amerikanischen Militärpräsenz während des Vietnamkriegs verbunden.US-Soldaten kamen damals zur Rest and Recreation nach Thailand, während der nahe gelegene Flugplatz U-Tapao zu einem wichtigen amerikanischen Stützpunkt wurde. Aus dem vergleichsweise kleinen Fischerort Pattaya entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein Ferien- und Unterhaltungszentrum.
Mehr als ein halbes Jahrhundert später ist die amerikanische Militärpräsenz natürlich eine völlig andere. Doch wenn ein Carrier Strike Group in Ostthailand Station macht, lebt ein kleines Stück dieser Geschichte wieder auf. Nur dass diesmal eine Besatzung kommt, die einen außergewöhnlich langen Einsatz hinter sich hat.
Politisch bemüht sich Thailand gleichzeitig darum, dem Besuch keine größere militärische Bedeutung zu geben, als er tatsächlich hat. Die Royal Thai Navy bezeichnet ihn als routinemäßigen Hafenaufenthalt nach Abschluss des Einsatzes. Gemeinsame Übungen seien nicht vorgesehen. Das ist angesichts der aktuellen geopolitischen Lage keine unwichtige Klarstellung.
Thailand und die USA sind seit Jahrzehnten enge Sicherheitspartner; Thailand ist seit 1954 amerikanischer Vertragspartner und seit 2003 ein sogenannter Major Non-NATO Ally. Amerikanische Kriegsschiffe in thailändischen Häfen sind deshalb grundsätzlich nichts Außergewöhnliches.
Irgendwo zwischen Laem Chabang und Pattaya dürften sich Anfang September einige Gastronomen und Barbesitzer bereits vorsichtig die Hände reiben. Denn wenn nach mehr als 250 Tagen auf See ein Flugzeugträger mit rund 5.000 Menschen an Bord zum Landgang kommt, ist das für die US Navy eine wohlverdiente Pause.
Für Pattayas "Dienstleister:innen" dagegen könnte es ein sehr, sehr langes Wochenende werden. 😎
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