04.12.2025
Politik
Nachmittags-Alkoholverkaufsverbot testweise aufgehoben
Feierabendbier ab 11:00 Uhr und Wein zum Kochen sind legal - 10.000 Baht Strafe für Spättrinker bleiben.
Das Ganze ist ein 180-Tage-Testlauf, der ungefähr so wirkt, als habe jemand im Regierungsapparat gesagt: „Na gut, probieren wir’s halt – aber nur ein kleines Schlückchen.“
Der Ursprung: Ein Verbot, das so alt ist wie die Strandliegen in Pattaya
Der stellvertretende Premierminister erklärte kürzlich, das Nachmittagsverbot passe „nicht mehr zu Thailands aktuellem Lebensstil“. Übersetzung: Die Leute trinken sowieso – nur halt illegal im Tante-Emma-Laden nebenan, zwischen Instantnudeln und Minzbonbons.
Akademiker, Hoteliers und praktisch jeder, der schon einmal versucht hat, um 14:05 Uhr ein Bier zu kaufen, jubeln. Auch die, die im Supermarkt zum Kochen noch ein Fläschen Wein brauchten, Denn endlich wird anerkannt, dass Menschen auch tagsüber Durst oder Bedarf haben können – schockierend. Jetzt heisst es also für die nächsten 180 Tage: Sprit gibts von 11:00 bis 01:00 Uhr.
Die Spaßbremse: Gesundheitsbehörden warnen
Wie immer im Leben gibt es aber jemanden, der mahnt: „Überlegt doch mal an die Risiken!“ Die Gesundheitsbehörden fürchten „erhöhten Konsum während der Arbeitszeit“. Ach was. Als ob der ambitionierte Büroangestellte nicht ohnehin schon weiß, wie man eine Dose hinter dem Bildschirm versteckt.Darum gibt es jetzt den berühmten „Kompromiss“ – bekannt aus Politik und unglücklichen Beziehungen: Man probiert’s einfach ein halbes Jahr und schaut, wer überlebt. Jedenfalls wurde das Experiment schon als neues Gesetz am 3. Dez. 2025 im Royal Bulletin veröffentlicht und ist damit amtlich.
Während des "Experiments" wird alles überwacht:
- Alkoholverkäufe
- Verkehrsunfälle
- Verbrechen
- Öffentliche Gesundheit
Wahrscheinlich auch, ob Touristen ihre Cocktails wieder mit Sonnenspray verwechseln
Kurz: Thailand macht ein Trink-Forschungsprojekt.
Die Tourismuslobby wollte natürlich gleich den ganz großen Wurf: Trinken bis 4 Uhr morgens, damit Thailand im Wettbewerb mit Nachbarländern nicht wie ein früh schließender Provinzclub wirkt.
Doch das Gesundheitsministerium sah sich die Unfallstatistik zwischen 2 und 3 Uhr an und sagte sinngemäß:
„Ähm… nein.“
Immerhin wurden die Öffnungszeiten etwas verlängert – von Mitternacht auf 1 Uhr. Ganz mutig.
Wer nach 1 Uhr trinkt, zahlt – und zwar richtig
Und jetzt kommt der Teil, der die ganze Geschichte würzt wie Chili im Som Tam: Wer nach erlaubter Zeit im Club oder Bar weitertrinkt, riskiert eine Strafe von 10.000 Baht. Ja, 10.000 Baht – das sind ungefähr drei Strandmassagen, zwei Rollerunfälle und eine Nacht in einem Boutique-Hotel für Leute ohne Geschmack.Man stelle sich die Szene vor:
Es ist 1:03 Uhr. Der Barkeeper zieht die Augenbraue hoch. Das Bier ist noch halb voll.
Und plötzlich schwebt über allem die 10.000-Baht-Guillotine in Form eines netten Polizisten, der Deinen kriminellen Akt des Spättrinkens entdeckt hat. Wer dann um 1:03 Uhr noch einen Schluck nimmt, hat entweder Mut, Geld oder bereits so viel getrunken, dass er denkt, das Schild „Penalty 10,000 Baht“ sei nur ein besonders strenger Drinkname.
Übrigens werden Autofahrten im rotzbesoffenen Zustand, mit zwischen 1.000 und 2.000 Baht geahndet. Wobei wir wieder bei dem Thema Überwachung des Verkehrs wären... s.o.
Achso, und natürlich gilt das "Spättrinkverbot" nicht für alle Bars, Clubs, Kneipen und Pubs, denn das wär ja zu einfach. Es gibt also Gebiete, Viertel, aber auch einzelne Lokale, die eine Lizenz haben, um länger auszuschenken. Beruhigend für den Gast, nur wie will er wissen, ob die Kneipe, in der er gerade sitzt, eine solche Lizenz hat?
Thailand wagt einen Schritt in Richtung moderner Trinkkultur – allerdings mit angezogener Handbremse, Helm, Safety Vest und Kontrollkommission. Die nächsten 180 Tage entscheiden, ob das Land bereit ist für den Nachmittagstrinker, den Feierabends-Vorverleger und den „Ich brauch jetzt ein Chang, sonst halt ich die Hitze nicht aus“-Touristen. Und wer trotz neuer Freiheit nach 1 Uhr erwischt wird, bekommt eben die legendäre 10.000-Baht-Ohrfeige vom Staat.
Prost – aber bitte pünktlich.
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