27.01.2026
Wissenschaft
Nipah-Virus in Thailand
Fledermäuse tragen ihn - die größere Gefahr kommt mit dem Flugzeug
Nipah-Virus in thailändischen Fledermäusen
Wie der stellvertretende Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Dr. Sophon Iamsirithaworn, erklärte, wurde das Nipah-Virus in Fruchtfledermäusen in Thailand zwar nachgewiesen, allerdings in deutlich geringerer Virusdichte als in Ländern, in denen es tatsächlich zu Krankheitsausbrüchen gekommen ist.Untersuchungen zeigen, dass nur etwa 10 % der getesteten thailändischen Fledermäuse Virusspuren tragen. Zum Vergleich: In Indien liegt dieser Anteil bei 40–50 %. Zudem fanden Forscher in Thailand keine Hinweise darauf, dass das Virus bislang von Fledermäusen auf Schweine oder Menschen übertragen wurde.
Auffällig ist jedoch ein saisonales Muster: Die Virusnachweise bei Fledermäusen häufen sich insbesondere in den Monaten April und Mai.
Schweine als gefährliche Verstärker
Die größere bekannte Gefahr entsteht nicht durch den direkten Kontakt zwischen Mensch und Fledermaus, sondern über Zwischenwirte, vor allem Schweine. Gelangen Viren von Fledermäusen auf Schweine, können diese das Virus massiv vermehren und anschließend an Menschen weitergeben.Aus diesem Grund verfolgt Thailand seit Jahren eine klare Präventionsstrategie: Schweinefarmen sind in Regionen verboten, in denen das Virus bei Fledermäusen vorkommt. Laut den Gesundheitsbehörden hat diese Maßnahme bislang erfolgreich verhindert, dass sich Infektionsketten entwickeln.
Größtes Risiko: Einschleppung durch infizierte Reisende
Nach Einschätzung der Behörden liegt die reale Gefahr aktuell außerhalb Thailands. Besondere Aufmerksamkeit gilt Ausbrüchen in Bangladesch und im indischen Bundesstaat Westbengalen. Zwar liegen diese Regionen geografisch weit entfernt, doch es gibt Direktflugverbindungen nach Thailand – insbesondere nach Bangkok (Suvarnabhumi und Don Mueang) sowie Phuket.Deshalb werden Reisende aus betroffenen Gebieten weiterhin gezielt gesundheitlich kontrolliert. Im Fokus stehen Passagiere mit Fieber oder Atemwegssymptomen und Personen, die sich in den letzten 21 Tagen in einem Ausbruchsgebiet aufgehalten haben. Nach aktuellem Stand gelten die jüngsten Ausbrüche in Bangladesch und Indien als unter Kontrolle, und in anderen Nachbarländern wurden bislang keine Fälle festgestellt.
Unterschiedliche Virusvarianten
Medizinisch besonders relevant ist die sogenannte Bangladesch-Variante des Nipah-Virus. Diese kommt auch bei den in Thailand getesteten Fledermäusen vor. Laut dem Department of Disease Control existieren zwei Hauptstämme.Der Bangladesch-Stamm ist besonders gefährlich, mit hoher Sterblichkeit, starken Atemwegssymptome und der Malaysia-Stamm, der weniger aggressiv ist. Der Bangladesch-Stamm gilt als problematischer, da er nicht nur das Gehirn, sondern auch die Lunge schwer schädigt.
Keine Impfung, keine Heilung – aber geringe Übertragbarkeit
Das Nipah-Virus wird von Experten als hochgefährlich eingestuft, weil es:- schwere Lungenentzündungen verursacht
- häufig zu Gehirnentzündungen (Enzephalitis) führt
- eine Sterblichkeitsrate von 40–75 % aufweist – abhängig von Virusvariante und medizinischer Versorgung
- Es weder eine Impfung noch ein wirksames Medikament gibt.
Gleichzeitig gibt es aber auch einen beruhigenden Faktor: Die Übertragungsrate ist vergleichsweise niedrig. Eine Ansteckung erfordert direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines infizierten Menschen, etwa durch engen Pflegekontakt.
Kinder besonders gefährdet
Ein besonderes Augenmerk legen Mediziner auf kleine Kinder. Nach Angaben von Dr. Arkom Chaiwerawattana, Direktor des Queen Sirikit National Institute of Child Health, zeigen Kinder oft weniger eindeutige Anfangssymptome als Erwachsene – obwohl der Krankheitsverlauf bei ihnen besonders schwer sein kann.Typische frühe Symptome sind:
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Muskel- und Gliederschmerzen
- Erbrechen
- Halsschmerzen
- Schwindel
Im weiteren Verlauf können auftreten:
- starke Müdigkeit und Bewusstseinsveränderungen
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
- schwere Lungenentzündung und Atemversagen
- Gehirnentzündung
Kinder, die eine Infektion überleben, können langfristige Folgen davontragen, darunter Entwicklungsverzögerungen, Lernstörungen und Epilepsie.
Wachsamkeit statt Panik
Thailand steht beim Nipah-Virus aktuell nicht vor einem Ausbruch. Zwar existiert das Virus im natürlichen Reservoir der Fledermäuse, doch die Übertragungsbarrieren funktionieren bislang. Die größte Aufmerksamkeit gilt daher der internationalen Überwachung und Einreisekontrolle, nicht dem heimischen Tierbestand.Diese Seite verwendet
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