20.08.2026
Nordthailand unter Wasser: Sturzfluten treffen Nan und Phayao
Todesopfer, überflutete Dörfer und Erdrutsche - schwere Unwetter im Norden
Besonders schwer getroffen hat es am 19. August die Provinz Nan im Norden Thailands. Aber Nan ist nicht allein: Auch aus Phayao werden Sturzfluten und überflutete Dörfer gemeldet, während für Lamphun die Alarmbereitschaft deutlich erhöht wurde. Gleichzeitig gelten für große Teile Nord- und Nordostthailands weiterhin Warnungen vor Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Und das Beunruhigende: Die Situation ist noch nicht vorbei.
Nan trifft es besonders heftig
Das Zentrum der aktuellen Überschwemmungen liegt im Distrikt Pua in Nan. In der Nacht zum Mittwoch regnete es in den Bergen praktisch ohne Unterbrechung. An der Messstation des Doi-Phu-Kha-Nationalparks wurden mehr als 110 Millimeter Niederschlag über Nacht registriert. Irgendwann konnten Böden und kleine Wasserläufe diese Mengen nicht mehr aufnehmen.Aus den höher gelegenen Waldgebieten schossen Wassermassen ins Tal. Innerhalb kurzer Zeit standen Häuser unter Wasser, landwirtschaftliche Flächen wurden überflutet und mehrere wichtige Straßen waren nicht mehr passierbar. Dazu kamen Erdrutsche, umgestürzte Bäume und beschädigte Verkehrswege. Besonders betroffen waren zunächst Pua, Phu Phiang und Santi Suk.
In Pua wurde die Situation so ernst, dass die Provinzverwaltung den Bereich zum Katastrophengebiet erklärte. Nach Angaben von Thai PBS waren dort schließlich 12 Tambon und 107 Dörfer betroffen. Leider blieb es nicht bei Sachschäden.
Nach dem aktuellen Stand wurde in Nan mindestens ein Todesopfer gemeldet. Neuere Lageberichte sprechen von vier betroffenen Distrikten, 21 Unterbezirken und mindestens 72 Dörfern; unterschiedliche Zwischenstände erklären die abweichenden Zahlen verschiedener Behörden und Medien.
Hinzu kam ein massiver Stromausfall. Durch umgestürzte beziehungsweise beschädigte Hochspannungsmasten waren zeitweise mehr als 27.000 Menschen ohne Elektrizität. Besonders gefährdete Bewohner wurden vorsorglich aus ihren Häusern gebracht. Boote, Jet-Skis und Rettungskräfte wurden in die betroffenen Gebiete geschickt. Zusätzlich wurde ein KA-32-Rettungshubschrauber in Bereitschaft versetzt.
Eine belastbare Gesamtzahl von Verletzten für alle aktuell betroffenen Provinzen liegt bislang noch nicht vor. Deshalb sollte man derzeit auch keine im Netz kursierenden Verletztenzahlen ungeprüft übernehmen.
Jetzt bewegt sich das Wasser Richtung Nan City
Das nächste Problem ist das Wasser, das aus den Bergen weiter flussabwärts läuft. Die Behörden beobachten deshalb insbesondere die Entwicklung Richtung Mueang Nan und Wiang Sa. Bewohner gefährdeter Gebiete wurden aufgefordert, Wertgegenstände in höhere Stockwerke zu bringen und sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Einsatzkräfte halten Boote und weitere Rettungsmittel bereit.Damit wiederholt sich ein Muster, das man bei Sturzfluten häufig sieht: Der Regen kann an einem Ort bereits nachlassen, während die eigentliche Hochwasserwelle weiter unten erst Stunden später ankommt. Für Reisende bedeutet das: Ein blauer Himmel am Morgen ist keine Garantie dafür, dass Straßen und Flüsse wenige Stunden später wieder problemlos passierbar sind.
Auch Phayao bekommt die Wassermassen ab
Weiter westlich beziehungsweise nordwestlich sieht es ebenfalls ungemütlich aus. In der Provinz Phayao trafen Sturzfluten insbesondere den Distrikt Pong. Aus mehreren Ortschaften wird berichtet, dass Wasser aus den Bergen in Wohngebiete strömte. In Tambon Ngim wurden mehrere Dutzend Häuser sowie Straßen und landwirtschaftliche Flächen überflutet beziehungsweise beschädigt. Rettungs- und Verwaltungsbehörden waren am Mittwoch vor Ort.Nan und Phayao sind deshalb derzeit nicht nur wegen normalen Hochwassers problematisch. Gerade in den bergigen Regionen besteht zusätzlich die Gefahr von plötzlichem Oberflächenabfluss und Erdrutschen. Und genau diese Kombination macht Starkregen in Nordthailand so gefährlich.
Lamphun in erhöhter Alarmbereitschaft
Für Lamphun gibt es bislang nicht dieselben Schadensmeldungen wie aus Nan. Die Provinz wurde aber zusammen mit Nan und Phayao ausdrücklich angewiesen, die Hochwasser- und Katastrophenschutzpläne vollständig zu aktivieren.Die Behörden sollen rund um die Uhr einsatzbereit sein, Warnungen gegebenenfalls über Cell Broadcast direkt auf Mobiltelefone schicken und besonders gefährdete Gebiete beobachten.
Der Gefahrenbereich
Der thailändische Katastrophenschutz DDPM hatte bereits für den Zeitraum 18. bis 21. August insgesamt 39 Provinzen wegen möglicher Sturzfluten, Hochwasser, Erdrutsche und Staunässe auf die Beobachtungsliste gesetzt. Besonders gefährdet sind Nord- und Nordostthailand. Im Norden gehören dazu unter anderem Mae Hong Son, Chiang Mai, Chiang Rai, Lampang, Phrae, Uttaradit, Tak, Sukhothai, Phitsanulok und Phetchabun. Eine zusätzliche Warnung vor Erdrutschen und Sturzfluten gilt aktuell für 15 Provinzen in Nord- und Zentralthailand.Auch der Nordosten bleibt gefährdet. Dort stehen unter anderem Loei, Nong Khai, Bueng Kan, Udon Thani, Sakon Nakhon, Nakhon Phanom, Mukdahan, Roi Et, Yasothon, Si Sa Ket und Ubon Ratchathani unter Beobachtung.
Der thailändische Wetterdienst rechnet damit, dass bis einschließlich 21. August weitere starke bis sehr starke Niederschläge auftreten können. Besonders gefährlich sind dabei nicht nur große Flüsse, sondern kleine Bäche, Bergtäler und Hanglagen.
100 Millimeter Regen sind nicht einfach „ein bisschen heftiger Monsunregen“. 110 Millimeter entsprechen 110 Litern Wasser auf jedem einzelnen Quadratmeter. Fällt eine solche Menge innerhalb weniger Stunden auf bereits durchnässte Berghänge, sucht sich dieses Wasser irgendwann seinen Weg nach unten. Und zwar ziemlich kompromisslos.
Für Touristen: Wasserfälle jetzt mit besonderer Vorsicht
Das ist nach dem jüngsten Zwischenfall am Mae Sa Waterfall bei Chiang Mai besonders aktuell.Wer derzeit in Chiang Mai, Chiang Rai, Nan, Phayao oder anderen Bergregionen unterwegs ist, sollte Ausflüge zu Wasserfällen, Höhlen, Schluchten und Flussufern besonders kritisch prüfen.Das Tückische an einer Sturzflut: Am Wasserfall selbst muss es überhaupt nicht regnen. Der Starkregen kann zehn oder zwanzig Kilometer entfernt in den Bergen niedergehen. Wenig später kommt die Wassermasse unten an.
Deshalb gilt momentan mehr denn je: Wenn Ranger einen Wasserfall sperren, Warnschilder aufstellen oder Besucher mit Trillerpfeifen aus dem Wasser holen, gibt es nichts zu diskutieren. Und auch eine überflutete Straße sollte weder mit Mietwagen noch Motorroller nach dem Motto „Das wird schon gehen“ durchfahren werden. Unter braunem Wasser ist nicht erkennbar, ob die Fahrbahn darunter überhaupt noch existiert.
Auch im Süden spielt das Wetter verrückt
Während Nordthailand mit den Wassermassen kämpft, sorgt derselbe kräftige Südwestmonsun an der Andamanenküste für ein anderes Problem.Für Ranong, Phang Nga und Phuket besteht eine Warnung vor rauer See. In der oberen Andamanensee werden Wellen von zwei bis drei Metern erwartet, in Gewittergebieten auch über drei Meter. Für Bootstouren heißt das weiterhin: Wetter und Seegang selbst prüfen und nicht automatisch davon ausgehen, dass eine angebotene Tour auch eine gute Idee ist.
Die kommenden 48 Stunden bleiben kritisch. Für Urlauber besteht kein Grund zur Panik, aber sehr wohl ein Grund, Reisepläne flexibel zu halten. Wer derzeit durch Nordthailand fährt, sollte vor längeren Überlandfahrten prüfen, ob die geplante Straße geöffnet ist, Warnmeldungen auf dem Smartphone ernst nehmen und bei extremem Regen lieber eine Stunde länger im Hotel verbringen.
Denn die aktuellen Bilder aus Nan zeigen wieder einmal ziemlich deutlich: Eine Sturzflut kündigt sich nicht höflich an. Sie kommt – und manchmal bleiben nur Minuten, um aus dem Weg zu gehen.
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