04.02.2026
Amüsantes
Öffentlicher Nahverkehr durch Menage á trois neu interpretiert
Französisches „Savoir Vivre“ im thailändischen Verkehr führt zur Abschiebung
Was als nächtliche Tuk-Tuk-Fahrt begann, entwickelte sich offenbar rasch zu einem sehr freien, sehr kreativen und vor allem sehr öffentlichen Performance-Projekt. Während andere Touristen Selfies vor Sonnenuntergängen schießen, entschieden sich diese Urlauber für eine Darbietung, die man sonst eher aus schlecht beleuchteten Streaming-Kategorien kennt.
Für manche durchaus verständlich, wenn es doch mal eilig ist und das Hotel wegen des Staus noch weit weg ist. Dumm nur: Phuket ist keine Kulisse für improvisiertes Straßentheater dieser Art. Und noch dümmer: Dashcams, Smartphones und rote Ampeln existieren. Und das französische „Savoir vivre“ deckz sich nicht unbedingt mit den öffentlichen thailandischen Moralvorstellungen – auch wenn in keinen Land häufiger Fremdgegangen wird… aber eben nicht im TukTuk.
Der bemitleidenswerte Chronist des Geschehens
Ein Motorradfahrer, der eigentlich nur ordnungsgemäß im Verkehr festhing, wurde zum schrecklich geplagten unfreiwilligen Zeugen einer Szene, die sich selbst durch eine Plastikplane nicht mehr als „Privatsache“ tarnen ließ. Fliehen? Unmöglich. Wegsehen? Offenbar auch.Also tat er das einzig Vernünftige: Er dokumentierte das Geschehen, fuhr nach Hause, verteilte Kopien des unsäglichen Geschehens in allen sozialen Medien – und meldete dann den Vorfall, der ja sein Seelenheil völlig ruinierte, der Polizei. Man kann ihm vieles vorwerfen, aber sicher nicht mangelnde Zivilcourage oder fehlende Leidensfähigkeit.
Staatsgewalt trifft Liebesdrang
Die thailändischen Behörden reagierten wenig romantisch. Statt Applaus gab es Ermittlungen, statt Rosen eine Anzeige wegen unsittlichen Verhaltens in der Öffentlichkeit und statt Urlaubserinnerungen eine Geldstrafe. Das Ganze wurde als ausreichend schwerwiegend eingestuft, um den Aufenthalt kurzerhand zu beenden.Das Ergebnis fiel ebenso nüchtern wie endgültig aus: Zu den 5.000 Baht Strafe wurde die Aufenthaltserlaubnis entzogen, die Abschiebung umgehend organisiert, ein Eintrag auf der schwarzen Liste folgte auf dem Fuß, und das familienfreundliche Image der Insel konnte offiziell als gerettet zu den Akten gelegt werden. Thailand kann vieles – lächeln, verzeihen, ignorieren. Öffentliche Gruppengymnastik im Tuk-Tuk gehört allerdings eindeutig nicht zum kulturellen Angebot.
Im Tuk-Tuk waren bemerkenswerterweise drei Personen zu sehen: das französische Pärchen – und ein weiterer Mann, offensichtlich thailändischer Staatsbürger. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser in den offiziellen Verlautbarungen der Polizei eine Art behördliche Unsichtbarkeit entwickelt hat, vermutlich aus Rücksicht auf das nationale Gleichgewicht oder schlicht aus dramaturgischer Bequemlichkeit.
Lektion für Touristen
Was lernen wir daraus? Ein Tuk-Tuk ist kein Erotikstudio, öffentlicher Raum bleibt öffentlicher Raum – auch nachts –, und „was im Urlaub passiert“ bleibt nur dann im Urlaub, wenn es weder gefilmt noch bei der Polizei eingereicht wird. Durch durchsichtige Plastikvorhänge kann man überraschenderweise hindurchsehen, und wer kulturelle Offenheit mit grenzenloser Toleranz verwechselt, wird früher oder später sehr bodenständig vom Gegenteil überzeugt – inklusive unfreiwilligem Rückflug, den man dann auch noch selbst bezahlenPhuket bleibt ein Paradies für Strände, Partys, Sonnenuntergänge und Cocktails. Für spontane erotische Straßenkunst empfiehlt sich hingegen ein anderer Ort. Oder zumindest ein Raum mit Tür, Wänden und ohne Ampelschaltung. Manche Souvenirs sollte man einfach nicht mitnehmen. Und manche Erinnerungen hätte man besser gar nicht erst produziert.
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