31.10.2026
Bangkok
Party statt Polizeistunde - Bangkok will die Khao San Road entfesseln
Weltberühmte Partymeile kämpft gegen absurde Vorschriften und Korruption?
Wer schon einmal auf Bangkoks legendärer Khao San Road unterwegs war, weiß: Hier geht man nicht unbedingt hin, um um 22 Uhr einen Kamillentee zu trinken und anschließend brav ins Bett zu verschwinden. Die berühmte Backpackermeile lebt von Musik, Bars, Straßenständen, ausgelassener Stimmung und einem Nachtleben, das sich nur schwer mit einer frühen Sperrstunde verträgt.
Doch genau hier liegt seit Jahren das Problem. Obwohl die Khao San Road international als eine der bekanntesten Partymeilen Bangkoks gilt, gehört sie nach den geltenden Regelungen nicht zu den entsprechend ausgewiesenen Vergnügungszonen. Viele Betriebe arbeiten deshalb mit Restaurantlizenzen, obwohl ihr tatsächliches Geschäft eher nach Bar, Club oder Diskothek aussieht.
Und damit könnte jetzt endlich Schluss sein.
Am 30. Oktober traf sich der für das Thema zuständige Minister Paradorn Prissananantakul mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Polizei und verschiedener Behörden. Auf dem Tisch liegt ein Pilotprojekt, das spätere Öffnungszeiten auf der Khao San Road und der benachbarten Rambuttri Road ermöglichen könnte. Das Ganze trägt den Namen „Khaosan Sandbox“ und soll nicht nur die Sperrstunde, sondern gleich das gesamte Genehmigungssystem unter die Lupe nehmen.
Wenn aus einer Bar auf dem Papier ein Restaurant wird
Besonders pikant ist der Hintergrund der Initiative. Bei einer kürzlich durchgeführten Kontrolle entdeckten Beamte nicht nur mögliche Verstöße gegen geltende Vorschriften, sondern auch Hinweise darauf, dass Zahlungen an Behördenvertreter geflossen sein könnten (Riesen-Überraschung), damit diese bei bestimmten Verstößen großzügig wegschauen.Das ist natürlich eine ausgesprochen praktische Lösung für ein unpraktisches Gesetz – zumindest solange niemand genauer hinschaut. Die Regierung sieht inzwischen selbst einen Zusammenhang zwischen schwer erfüllbaren Genehmigungsvorschriften und möglichen Schmiergeldzahlungen. Wer legal keine passende Lizenz bekommen kann, sucht offenbar gelegentlich nach anderen Wegen.
Mit dem Pilotprojekt sollen deshalb sämtliche Betriebe zunächst erfasst, Genehmigungen überprüft und Sicherheitsstandards kontrolliert werden. Außerdem sind neue Risikokategorien für Lokale sowie bessere Beschwerdemöglichkeiten bei Lärmbelästigungen vorgesehen.
Die Geschäftsleute haben genug von Mitternacht
Bereits am 22. Oktober hatte sich die Khao San Road Business Association mit einem Schreiben an Premierminister Anutin Charnvirakul gewandt. Die Betreiber beklagen, dass die Durchsetzung der Mitternachtsregel erhebliche wirtschaftliche Nachteile mit sich bringe. Ausländische Besucher würden schließlich nicht extra nach Bangkok reisen, um ausgerechnet dann nach Hause geschickt zu werden, wenn andernorts die Party erst richtig beginnt.Die Geschäftsleute fordern daher zeitgemäße Vorschriften und eine schnellere Umsetzung des Pilotprojekts. Im Gegenzug haben sie ihre Zusammenarbeit bei Sicherheitskontrollen, Jugendschutz und Drogenprävention zugesagt.
Noch keine Entscheidung über längere Öffnungszeiten
Bevor jetzt allerdings alle DJs vorsorglich ihre Playlists verlängern: Beschlossen ist bislang noch nichts. Weder eine neue verbindliche Sperrstunde noch ein konkreter Einführungstermin wurden bekannt gegeben. Zunächst sollen die Behörden das bestehende Regelwerk prüfen und mit Anwohnern sowie Geschäftsleuten sprechen.Vielleicht gelingt Bangkok damit irgendwann tatsächlich das Kunststück, eine international berühmte Partymeile auch rechtlich als solche anzuerkennen. Und möglicherweise braucht es dann künftig weniger Restaurantlizenzen für Diskotheken und weniger kreative Lösungen bei der Einhaltung der Vorschriften.
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