22.02.2026
Kultur
Phrae und Ratchaburi: Thailands neue kreative Hotspots
Art Cities 2026: Zwei unterschätzte Regionen rücken ins Rampenlicht
Die Idee: Wenn Kunst und kreative Arbeit fest in einer Region verankert werden, entstehen neue Einkommensquellen, attraktivere öffentliche Räume, mehr kulturelle Identität – und ein Tourismus, der nicht nur konsumiert, sondern teilnimmt.
Warum „Art City“ mehr ist als ein Kulturpreis
Die Auswahl der beiden Provinzen soll zeigen, wie zeitgenössische Kunst soziale und wirtschaftliche Wirkung entfalten kann. Statt Kultur nur in Museen oder auf Festivals zu denken, geht es um kreative Ökosysteme, die im Alltag verankert sind: Handwerk, Design, lokale Wissensformen, kreative Bildung, öffentliche Kunst und gemeinschaftliche Projekte.Im Kern verfolgt das Programm drei Ziele:
- Sozialer Mehrwert: Gemeinschaft stärken, lokale Identität sichtbar machen, Lebensqualität heben
- Wirtschaftlicher Schub: Kreativwirtschaft fördern, neue Jobs und Einkommen ermöglichen
- Kulturtourismus: Besucher anziehen, ohne die Region zu „überfahren“ – eher neugierig machen als überrollen
Phrae
Lanna-Wurzeln als Treibstoff für Gegenwartskunst
Phrae ist eine kleinere, von Bergen umgebene Provinz im Norden Thailands – mit starken kulturellen Bezügen zur Lanna-Tradition. Gerade weil Phrae nicht zu den klassischen touristischen Hauptstrecken gehört, ist die Entscheidung spannend: Die Region steht exemplarisch dafür, wie periphere Orte Kultur als Entwicklungsmotor nutzen können.Was Phrae besonders macht, ist der Ansatz, den Kunstbegriff bewusst zu erweitern. Kunst soll nicht nur „ausgestellt“ werden, sondern gelebt: in lokalen Produkten, in Handwerk, in Gestaltung, in der Weitergabe indigener und regionaler Wissensbestände – und in kreativen Formen, die in den Alltag passen.
Der entscheidende Hebel liegt dabei in der lokalen Basis: enge Gemeinschaftsstrukturen, aktive Kulturschaffende und kooperierende Kulturinstitutionen. Phrae baut also nicht auf eine importierte Kunstszene, sondern auf das, was schon da ist – und entwickelt es zeitgemäß weiter.
Ratchaburi
Kunst als Erlebnisraum und kulturelle Vielfalt als Stärke
Ratchaburi bringt ganz andere Voraussetzungen mit. Die westliche Provinz gilt seit längerem als lebendiger Knotenpunkt zeitgenössischer Kunst, auch weil dort über Generationen hinweg Künstlernetzwerke entstanden sind und kreative Zusammenarbeit eine Tradition hat. Hinzu kommt eine ausgeprägte kulturelle Vielfalt und eine Geografie, die von urbanen Räumen bis zu ländlichen, naturgeprägten Gebieten reicht.Der Fokus liegt hier klar auf Zugänglichkeit: Kunst wird als etwas verstanden, das Menschen nicht nur betrachten, sondern erleben können – als Lernprozess, als Mitmachformat, als Begegnung. Genau deshalb wird Ratchaburi als eine Art „Art City of Experience“ beschrieben: Kunst passiert in Prozessen, in öffentlichen Präsentationen, in Interaktion und Austausch.
Ein weiterer Vorteil ist die Infrastruktur: Ratchaburi kann auf belastbare Netzwerke zwischen Staat, Privatsektor und Community aufbauen – ein wichtiger Punkt, wenn Kunst langfristig mehr sein soll als ein Event-Kalender.
Wie die Auswahl zustande kam
Die Ernennung von Phrae und Ratchaburi zu den Art Cities 2025 erfolgte nicht zufällig, sondern basiert auf einem sorgfältigen Auswahlverfahren, das sowohl strategische Planung als auch reale Voraussetzungen berücksichtigte. Entscheidend waren vor allem die Entwicklungspläne der Provinzen, die überzeugende Konzepte für die kurzfristige Weiterentwicklung innerhalb eines Jahres sowie tragfähige Perspektiven für die kommenden drei Jahre vorlegten. Dabei ging es nicht nur um Visionen auf dem Papier, sondern um konkrete Strategien, wie Kunst und Kultur nachhaltig in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur der Regionen integriert werden können.Ein weiterer zentraler Faktor war die Bewertung der tatsächlichen Situation vor Ort. Fachleute prüften, ob die vorhandenen kulturellen Strukturen, Netzwerke und kreativen Potenziale den geplanten Entwicklungen entsprechen und ob die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung gegeben sind. Ebenso wichtig war der Grad der Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden, Künstlern, kulturellen Institutionen und der Bevölkerung. Die Fähigkeit, gemeinsam langfristige Projekte zu entwickeln und umzusetzen, wurde als entscheidend für den Erfolg des Art-City-Konzepts angesehen.
Mit der offiziellen Ernennung beginnt nun eine aktive Entwicklungsphase. Beide Provinzen erhalten Zugang zu speziellen Förder- und Aufbauprogrammen, die darauf abzielen, ihre kulturellen Kapazitäten weiter zu stärken. Zudem können sie finanzielle Unterstützung für laufende und neue Kunst- und Kulturprojekte beantragen. Ziel ist es, stabile und nachhaltige kulturelle Strukturen zu schaffen, die nicht nur kurzfristige Aufmerksamkeit erzeugen, sondern langfristig bestehen bleiben und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Bedeutung für Thailand
Das Art-City-Programm steht exemplarisch für einen grundlegenden Wandel in der regionalen Entwicklungsstrategie Thailands. Während früher vor allem Infrastrukturprojekte, Industrieansiedlungen oder klassischer Tourismus im Mittelpunkt standen, rückt nun zunehmend die kulturelle Dimension in den Fokus. Kreative Räume, künstlerische Initiativen und die Pflege lokaler Identität werden als wichtige Faktoren erkannt, um Regionen nachhaltig zu stärken und neue wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen.Phrae und Ratchaburi sollen zeigen, dass Kunst weit mehr ist als ein kulturelles Zusatzangebot. Sie kann dazu beitragen, das Profil einer Region zu schärfen, neue Einkommensmöglichkeiten jenseits des Massentourismus zu schaffen und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Bevölkerung zu stärken. Gleichzeitig erhöht eine lebendige Kulturszene die internationale Attraktivität und trägt dazu bei, Thailand als vielfältiges und kreatives Reiseziel zu positionieren.
Wenn die geplanten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden, könnten Phrae und Ratchaburi zu Vorbildern für andere Regionen werden. Sie würden damit nicht nur den Titel einer Art City tragen, sondern zu konkreten Beispielen dafür werden, wie Kulturpolitik wirtschaftliche Entwicklung fördern, soziale Strukturen stärken und langfristig zur nachhaltigen Zukunft ganzer Regionen beitragen kann.
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