13.11.2025
Politik
Phuket im Rubelrausch - wie Russen die Insel dominieren
Tourismusrekord: Thailands Ferieninsel mit heftigen Nebenwirkungen
Russischer Vormarsch an der Andamanensee
Von Januar bis Oktober erreichten 4,16 Millionen internationale Gäste direkt Phuket – das sind 97,5 % des Vor-Pandemie-Niveaus. Fast ein Fünftel davon kam aus Russland. Mit rund 833.000 russischen Touristen übertrumpfte diese Gruppe alle anderen Nationen deutlich. Indien (488.000) und China (477.000) folgen abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei. Danach kommen Australien, Großbritannien, Deutschland, Malaysia, Südkorea, Frankreich und – wenig überraschend – Kasachstan.Phukets Hoteliers freut’s. Laut Suksit Suvunditkul, Präsident des südlichen Verbands der Thai Hotels Association (THA), lag die durchschnittliche Auslastung der Insel im Oktober bei 75 %, gegenüber 71 % im Vorjahr. Die Zimmerpreise kletterten im selben Zeitraum von 2.681 auf 3.049 Baht pro Nacht (rund 77 €). Für November und Dezember werden sogar 77 % Auslastung und ein Preisanstieg um weitere 50 % erwartet – die klassische Hochsaison mit Langstreckengästen aus Europa und Russland ist im vollen Gange.
Suksit zeigt sich zufrieden: „Phuket hat sowohl bei Preisen als auch bei Belegungsraten seine Position gehalten und übertrifft die landesweiten Durchschnittswerte deutlich.“ Selbst ein leichter Rückgang im kommenden Frühjahr dürfte moderat ausfallen – im Gegensatz zu den drastischen Einbrüchen früherer Nebensaisons.
Thailand insgesamt: Wachstum mit Schlagseite
Im gesamten Königreich wurden bis Anfang November 27,6 Millionen internationale Besucher gezählt – ein Minus von 7,1 % gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamterlös sank auf 1,27 Billionen Baht (rund 32 Mrd. €), ein Rückgang um 4,5 %. Malaysia bleibt landesweit die wichtigste Herkunftsregion, gefolgt von China, Indien, Russland und Südkorea. Während der asiatisch-pazifische Markt um fast 14 % schrumpfte, legten die europäischen Gästezahlen um 12 % zu – ein Zeichen dafür, dass westliche Urlauber, trotz hoher Preise, wieder Vertrauen gefasst haben.Der russische Faktor – zwischen Rettung und Reizthema
Doch Phukets glänzende Zahlen haben ihren Preis. Der massive Zustrom russischer Reisender sorgt nicht nur für klingelnde Kassen, sondern auch für Unmut unter Einheimischen und Langzeitresidenten. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind viele Russen nicht nur zum Urlaub, sondern auch zum dauerhaften Aufenthalt nach Phuket gekommen – teils als digitale Nomaden, teils als Wohlstandsmigranten, teils auf der Flucht vor Sanktionen und Wehrpflicht.Das Resultat: Immobilienpreise steigen, besonders in Gebieten wie Rawai, Cherng Talay und Kamala. Restaurants mit kyrillischen Speisekarten, russische Supermärkte und Autokennzeichen aus Moskau prägen inzwischen das Straßenbild. Für die lokale Bevölkerung, die unter steigenden Lebenshaltungskosten leidet, ist das nicht immer ein Grund zur Freude.
Viele Thais klagen über arrogantes Verhalten, Verkehrschaos durch unversicherte Mietmotorräder und wachsende Konkurrenz für lokale Geschäfte. Hinzu kommen rechtliche Grauzonen – etwa russische Unternehmer, die inoffiziell Restaurants oder Tauchschulen betreiben, ohne die notwendigen Genehmigungen.
Phukets Verwaltung steht somit vor einem Dilemma: Einerseits sind russische Gäste mittlerweile systemrelevant für den Tourismusumsatz, andererseits belasten sie die soziale Balance und die öffentliche Ordnung.
Tourismus mit Nebenwirkungen
Trotz dieser Spannungen bleibt die Stimmung im Tourismussektor optimistisch. Laut dem Hotel-Sentiment-Index rechnen die Betreiber im November mit einer landesweiten Auslastung von rund 67 %. Vor allem die südlichen und östlichen Provinzen profitieren von einer starken Nachfrage aus Europa und Russland.Der Präsident der THA, Thienprasit Chaiyapatranun, weist jedoch auf eine auffällige Schwäche hin: 74 % der Hotels berichten von einem Rückgang chinesischer Gäste, während fast die Hälfte weniger Kurzstreckenbesucher aus Nachbarländern empfängt. Nur 37 % spüren Rückgänge bei Langstreckengästen – ein klarer Hinweis, dass Phuket und Co. sich zunehmend auf westliche und russische Märkte stützen.
Phuket mag die Lokomotive der thailändischen Tourismuswirtschaft sein – doch sie fährt mit einem russischen Triebwagen. Die Insel profitiert von zahlungskräftigen Besuchern aus einem Land, das international isoliert ist, und steht gleichzeitig vor den sozialen und rechtlichen Nebenwirkungen dieses Booms.
Solange die Rubel weiter rollen und die Sonne scheint, bleibt der Konflikt wohl ein Luxusproblem. Doch die Frage bleibt: Wie nachhaltig ist ein Aufschwung, der auf einer Welle von Exilrussen, überhitzten Immobilienmärkten und überfüllten Stränden basiert?
Quellen: The Nation, Phuket.com, Phuket News
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