30.10.2026
Umwelt
Phuket Kata Beach: Evakuierung am Ort der tödlichen Erdrutschkatastrophe
13 Tote in 2024 - Bewohner von Kata müssen erneut ihre Häuser verlassen
Auf Phuket wird es erneut gefährlich. Nach tagelangen heftigen Regenfällen hat die Gemeinde Karon am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, die Evakuierung besonders gefährdeter Wohnhäuser am Berghang hinter dem Wat Kata angeordnet. Betroffen sind insbesondere die Straßen Soi Patak 2, 4 und 6. Es ist ausgerechnet jenes Gebiet, in dem sich vor gut zwei Jahren eine der schlimmsten Erdrutschkatastrophen der jüngeren Geschichte Phukets ereignete.
Am 23. August 2024 lösten starke Regenfälle eine gewaltige Schlamm- und Gerölllawine aus, die mehrere Wohngebäude unterhalb des berühmten Big Buddha erfasste. 13 Menschen verloren damals ihr Leben, 19 weitere wurden verletzt und mehr als 50 Häuser beschädigt oder zerstört. Nun droht den verbliebenen Bewohnern erneut Gefahr.
Evakuierungen nach wissenschaftlicher Risikobewertung
Die Gemeinde veröffentlichte am Donnerstagmittag eine Liste mit konkreten Hausnummern, deren Bewohner ihre Unterkünfte vorübergehend verlassen müssen. Als Notunterkünfte wurden die Baan Kata School und der Tempel Wat Suwan Khiri Khet, besser bekannt als Wat Karon, eingerichtet.Grundlage der Evakuierungsentscheidung ist unter anderem eine Risikobewertung des Erdrutschexperten Dr. Suttisak Soralump. Dabei wurden mögliche Fließwege von Schlamm und Geröll untersucht, die bei weiteren Starkregenfällen gefährlich werden könnten. Besonders gefährdete Menschen, darunter ältere Bewohner, Kinder und Menschen mit Behinderungen, sollen bei der Evakuierung unterstützt werden.
Wichtig: Ein neuer Erdrutsch an der damaligen Unglücksstelle wurde bislang nicht gemeldet. Die Evakuierungen sind eine vorsorgliche Schutzmaßnahme.
Zwei Jahre später: Die Fragen nach Verantwortung bleiben
Besonders bedrückend ist die Vorgeschichte. Schon nach der Katastrophe im August 2024 gab es erhebliche Diskussionen über Baumaßnahmen und Veränderungen an den Berghängen. Damals erklärte Phukets Katastrophenschutzchef, dass Bauarbeiten am unteren Teil des Hangs wesentlich zu den Auswirkungen des Erdrutsches beigetragen hätten. Allerdings seien sie nicht die alleinige Ursache gewesen.Damit steht eine Frage im Raum, die weit über das aktuelle Unwetter hinausgeht: Wie stark wurden die natürlichen Risiken durch menschliche Eingriffe in die Landschaft verschärft? Die Lokalzeitung The Phuket News berichtete noch im August 2026, dass Fragen der Verantwortlichkeit und der Entschädigung der betroffenen Familien weiterhin ungeklärt seien.
Das ist schwer nachvollziehbar. Wer bei einer Naturkatastrophe sein Zuhause verliert, sollte nicht auch noch jahrelang auf klare Antworten und eine angemessene Klärung möglicher Ansprüche warten müssen. Und während diese Fragen offenbleiben, müssen Bewohner derselben Gegend nun erneut ihre Häuser verlassen.
Starkregen trifft auf zunehmend bebaute Berghänge
Phuket hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Bauboom erlebt. Besonders Grundstücke in Hanglagen mit Meerblick sind begehrt. Villen, Resorts, Straßen und andere Bauprojekte greifen vielerorts in die natürliche Landschaft ein.Dabei sind Phukets steile Hänge geologisch ohnehin anfällig. Intensive Niederschläge können Böden aufweichen, während veränderte Wasserabflüsse und Eingriffe in die Vegetation das Risiko örtlich zusätzlich beeinflussen können.
Nicht jeder Erdrutsch ist durch Bauarbeiten verursacht. Doch gerade deshalb braucht es konsequente geologische Prüfungen, wirksame Baukontrollen und eine Raumplanung, die Sicherheit höher bewertet als kurzfristige Immobilieninteressen. Es genügt nicht, nach jeder Katastrophe neue Warnschilder aufzustellen und auf den nächsten Monsun zu warten.
Der Big Buddha – umstrittenes Wahrzeichen
Auch Phukets berühmter Big Buddha steht im Mittelpunkt der Diskussion. Nach der tödlichen Erdrutschkatastrophe vom August 2024 gerieten Erdarbeiten und bauliche Veränderungen auf dem Gelände der monumentalen Buddha-Statue in den Fokus der Ermittlungen. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob Eingriffe in den Berghang und veränderte Wasserabflüsse das Unglück begünstigt hatten.Die Behörden ordneten die Schließung der beliebten Sehenswürdigkeit an. Ausgerechnet ein Ort, der eigentlich für Frieden und Besinnung stehen sollte, wurde damit zum Symbol einer unangenehmen Frage: Wie viel darf man an Phukets Berghängen bauen, bevor die Natur irgendwann die Rechnung präsentiert? Der Big Buddha ist zwar seit dem 3. März 2026 wieder geöffnet, unter neuer Verwaltung durch Wat Kata und mit 25 behördlichen Auflagen. Aber dessen Verantwortung für den Erdrutsch und Entschädigungsfragen sind weiterhin umstritten.
Überschwemmungen an 21 Stellen auf Phuket
Die Evakuierung erfolgt während einer erneuten schweren Unwetterphase. Allein am Donnerstag wurden Überflutungen an 21 Stellen der Insel gemeldet, darunter in Kata, Karon, Chalong, Rawai und Phuket Town.Die Khok Tanot Road in Karon musste wegen der Wassermassen zeitweise gesperrt werden. Zusätzlich warnten die Behörden vor Sturzfluten, Steinschlag, weiteren Erdrutschen und gefährlichen Bedingungen an der Küste. Über das thailändische Cell-Broadcast-System wurden gezielt Warnmeldungen an Mobiltelefone in den betroffenen Gebieten verschickt.
Für Urlauber gilt: Nicht die gesamte Insel ist betroffen. Allerdings sollten überflutete Straßen, steile Berghänge und gefährdete Wanderwege bei Starkregen unbedingt gemieden werden.
Quellen: TheNation, ThePhuketNews
Kommentar der Red.:
Erst die Berghänge zubauen, dann die Bewohner evakuieren?Immerhin, die Behörden haben dazugelernt: Diesmal werden die Menschen rechtzeitig evakuiert, bevor ihnen möglicherweise der halbe Berg ins Wohnzimmer rutscht. Das ist erfreulich und kann Leben retten. Weniger erfreulich ist, dass man auf Phuket offenbar noch immer lieber darüber nachdenkt, wo die nächste Luxusvilla mit spektakulärem Meerblick entstehen könnte, als darüber, wie sicher die bereits bebauten Berghänge eigentlich sind.
Unabhängige Gutachten, transparente Baugenehmigungen, konsequente Kontrollen und eine gründliche Aufarbeitung früherer Katastrophen? Das wäre doch mal etwas wirklich Revolutionäres! Allerdings lässt sich mit einem geologisch stabilen Berghang vermutlich weniger verdienen als mit einer schicken Poolvilla, deren Infinitypool möglichst weit über dem Abgrund schwebt.
Natürlich ist nicht jeder Erdrutsch auf Bauarbeiten zurückzuführen. Aber angesichts des Baubooms an Phukets Hängen wäre es ausgesprochen interessant zu erfahren, wie gewissenhaft dort tatsächlich geprüft, genehmigt und kontrolliert wird. 13 Menschen starben bei der Katastrophe im August 2024. Ihre Angehörigen und die betroffenen Familien warten noch immer auf eine vollständige Aufarbeitung und klare Antworten.
Zwei Jahre später sollte man eigentlich erwarten dürfen, dass nicht nur die Evakuierungspläne verbessert wurden, sondern auch die Konsequenzen aus der Katastrophe sichtbar sind. Denn ein funktionierender Katastrophenschutz ist wichtig. Noch besser wäre allerdings eine Baupolitik, die nicht erst dann aktiv wird, wenn sich der Hang bereits auf den Weg ins Tal macht.
Vielleicht sollte auf Phuket künftig nicht allein der Meerblick über den Wert eines Grundstücks entscheiden, sondern gelegentlich auch die Frage, ob der Berg darunter überhaupt dort bleiben möchte. 🙄
Mehr zum Thema Umwelt
⇒Toll - Thailand macht bei der Energiewende Nägel mit Köpfen 28.10.2026
Regierung setzt auf Sonne: 1 Mio. Haushalte sollen Strom produzieren
⇒Mehr als jeder dritte Neuwagen in Thailand fährt rein elektrisch 08.10.2026
Elektroautos machen Tempo - Verbrenner verlieren zunehmend Marktanteile
⇒Entwarnung Pattaya: Grünes Meer vor Koh Larn nicht giftig 02.10.2026
Plankton statt Postkarten-Türkis – ungewöhnliches Naturschauspiel auf Koh Larn
⇒Elefanten, YouTuber und ein Ex-Parkbeamter - Ärger im Nationalpark 24.09.2026
🐘 Wenn der Ex-Parkexperte den Elefanten erklärt, wie Khao Yai funktioniert
⇒Recycle, baby, recycle - Trumps unfreiwillige Umweltaktion in Thailand 24.09.2026
Vom Müll zum Rohstoff: Warum der Irankrieg Thailands Recycling ankurbelt
⇒Wenn der Fluss krank macht: Umweltalarm in Nordthailand 23.09.2026
Der vergiftete Kok Fluss - hoher Preis für Gold und Seltene Erden 🎥 🎬
⇒Sumatra brennt - Südthailand bekommt den Rauch ab 17.09.2026
Plötzlich dicke Luft im Süden: Indonesiens Waldbrände erreichen Thailand
⇒Thai Mueang Beach: Thailands Vorzeigestrand für nachhaltigen Tourismus 12.09.2026
Phang Ngas Öko-Strand zeigt 2026, dass Nachhaltigkeit mehr sein kann als eine Plakette
⇒Thailand plant Solardach-Offensive - 1 Mio Haushalte profitieren 10.08.2026
Vom deutschen Erfolgsmodell inspiriert: Thailand will Photovoltaik ausbauen
⇒Thailand muss seinen Tourismus komplett neu denken 01.08.2026
Tourismusrekorde um jeden Preis? Wenn zu viele Touristen das Paradies gefährden
⇒ Mehr Reisenews Thailand zum Thema Umwelt

Jetzt registrieren







