19.01.2026
Phuket
Phuket will mal wieder die Sicherheit auf See verbessern
Nach tödlicher Kollision und Großbrand auf See erneute Versprechnungen
Und wie immer folgt auf die nächste Schlagzeile auch das nächste Versprechen: strengere Kontrollen, härtere Strafen, mehr Disziplin – das komplette Sicherheits-Programm, das man in Phuket fast schon als „traditionelles Neujahrsritual“ bezeichnen könnte. Denn jedes Jahr gibt es neue Unfälle, jedes Jahr gibt es neue Ankündigungen, und jedes Jahr sagt irgendjemand: Jetzt aber wirklich.
Der Auslöser: Tödlicher Crash auf See bei Koh Phi Phi
Am 11. Januar kam es in der Nähe von Koh Phi Phi zu einem tragischen Unfall, als das Tour-Speedboot „Koravich Marine“ (betrieben von A Time Company) mit dem Fischereischiff „Pichai Samut 1“ kollidierte. Der Unfall ereignete sich etwa fünf Seemeilen von Koh Phi Phi entfernt – also nicht am Strand, sondern in einem Bereich, in dem Navigation, Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit besonders entscheidend sind.An Bord des Speedboots befanden sich 55 Personen, darunter 50 Touristen. Die Kollision hatte dramatische Folgen: Eine 17-jährige russische Touristin kam ums Leben, mindestens 20 weitere Personen wurden verletzt.Der Fall bekam zusätzlich Brisanz, weil der Speedbootfahrer nach Angaben der Behörden nicht nur wegen fahrlässiger Tötung belangt wird. Der Fahrer, ein 44-jähriger Mann namens Suriya, soll laut Polizei auch wegen illegalen Besitzes und Konsums von Methamphetamin angeklagt werden. Der Polizeichef von Phi Phi bestätigte die entsprechenden Vorwürfe. Damit steht nicht nur ein „möglicher Navigationsfehler“ im Raum, sondern ein potenziell besonders schwerer Sicherheitsbruch: Ein kommerzielles Tourboot, voll besetzt, gesteuert von jemandem, der unter Drogeneinfluss gestanden haben könnte.
Der Direktor des Phuket Marine Office, Adoon Raluekmoon, machte allerdings deutlich: Selbst wenn Drogen im Spiel waren, sei das eher ein Symptom als die alleinige Ursache. Mit anderen Worten: Wenn ein System so gebaut ist, dass es stark davon abhängt, dass wirklich immer alle brav und nüchtern sind – dann ist nicht nur der Einzelne das Problem, sondern auch das Kontroll- und Betriebsmodell dahinter.
Der zweite Vorfall: Großbrand in der Chalong Bay
Nur wenige Tage zuvor, am 7. Januar, war es bereits zu einem zweiten Ereignis gekommen, das die Branche erschütterte: In der Nähe des Chalong Piers gerieten Speedboote in Brand. Am Ende waren 24 Speedboote von 13 Touranbietern zerstört. Der geschätzte Schaden lag bei über 40 Millionen Baht – das sind grob über 1 Million Euro, je nach Wechselkurs (und je nachdem, ob man die Folgekosten ehrlich einrechnet).Der Brand soll auf einem Boot von Nikorn Marine begonnen haben. Die forensischen Ermittlungen laufen, als Ursache werden elektrische Probleme vermutet. Adoon wies darauf hin, dass es ähnliche Brände in dieser Gegend schon früher gegeben habe – was den Verdacht verstärkt, dass es nicht um „Pech“ geht, sondern um wiederkehrende Muster bei Technik, Liegeplätzen, Verkabelungen, Betankung und Management. ⇒ Großbrand auf Phuket in Thailand
Adoon Raluekmoon formulierte ungewöhnlich klar, was in Phuket viele längst wissen: Diese Vorfälle seien keine isolierten Ausrutscher, die man mit einem schnellen „Kontrolltag“ behebt. Es handle sich um langjährige strukturelle Schwächen, die nicht mit kurzfristigen Aktionen verschwinden. Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte: Phuket lebt vom maritimen Tourismus – von Inselhopping, Speedboot-Transfers, Tagestrips nach Phi Phi, Coral Island oder Racha. Gleichzeitig bedeutet genau dieses Geschäftsmodell auch enormen Zeitdruck, hohe Frequenzen, Wettbewerb um Touristen und oft: zu wenig Reserve für Sicherheit, Wartung und diszipliniertes Arbeiten.
Das Reformpaket
Mal wieder einmal „strengere Regeln“und auch diesmal mit mehr Kontrolle und Strafen. Nach den Unfällen kündigte die Marinebehörde ein Maßnahmenpaket an, das innerhalb von ein bis zwei Wochen umgesetzt werden soll. Es klingt wie ein Katalog, den Phuket im Prinzip jedes Jahr hervorholt – nur diesmal mit noch mehr Druck:Künftig soll es unter anderem verboten werden, Tour-Speedboote über Nacht am Strand „aufzureihen“ oder unkontrolliert zu parken. Zusätzlich sollen strengere Ankerregeln gelten, um Chaos an den Hotspots zu reduzieren. Die Inspektionen sollen deutlich intensiver werden, und zwar nicht als symbolischer Besuch mit Klemmbrett, sondern als echte Prüfung mit Konsequenzen.
Ein weiteres Element ist verpflichtendes Drogenscreening. Dahinter steht die simple Logik: Wenn selbst ein einzelner Fahrer unter Meth fährt, ist das nicht „einzelfallig peinlich“, sondern potenziell tödlich. Ergänzt wird das durch bessere Crew-Schulungen und strengere Disziplinmaßnahmen, um die Sicherheitsstandards im Alltag zu verankern. Zusätzlich sollen Strafen bei Verstößen deutlich härter ausfallen. Wer wiederholt auffällt, soll künftig nicht nur eine Ermahnung bekommen, sondern mit Lizenzentzug oder Suspendierung rechnen müssen - exakt dieselben Ankündigungen, wie in der letzten Saison..
Safe Boat-Bewertung
Ein interessanter Ansatz ist die geplante Einführung eines „Safe Boat“-Ratingsystems - theoretisch. Das Ziel: Touristen sollen nicht blind irgendein Speedboot buchen, sondern eine Orientierung bekommen, welche Anbieter nachweislich sicherheitskonform arbeiten. Das ist clever – weil es den Marktmechanismus nutzt. Wenn sichere Betreiber besser sichtbar sind, können sie mehr Vertrauen gewinnen, während riskante Anbieter Umsatz verlieren. Theorie trifft Praxis: Entscheidend wird sein, ob dieses System wirklich transparent, unabhängig und konsequent umgesetzt wird – oder ob es am Ende nur ein hübsches Stickerprogramm wird bei dem unter der Hand unterschiedliche Aufkleber zu unterschiedlichen Preisen gekauft werden.Kommentar der Red.:
Natürlich ist jede Maßnahme grundsätzlich sinnvoll. Natürlich sind Drogentests, Wartungsregeln und härtere Strafen richtig. Natürlich wäre es gut, wenn Häfen weniger chaotisch wären und Betreiber sich an Vorschriften halten. Und vor allem wäre zu bergüßen, wenn Kontrollen auch wirklich ausgeführt würden.Aber man muss es eben auch sagen: In Phuket gibt es eine erstaunlich zuverlässige Jahresuhr. Sie tickt ungefähr so:
Unfall ⇒ Schlagzeilen ⇒ Reformankündigung ⇒ Kontrollen ⇒ Alltagsrückfall ⇒ nächster Unfall.
Die Maßnahmen wirken oft wie eine Art „Safety-Theater“, das nach einem großen Vorfall besonders energisch abläuft – und danach schrittweise wieder in die bekannte Normalität zurücksackt, weil Tourismusdruck, Geld und Zeitpläne stärker sind als jede Pressekonferenz. Genau deshalb ist Adoons Aussage so wichtig: Wenn das Problem strukturell ist, dann bringt „kurz mal streng sein“ eben nicht viel. Dann braucht es durchgehende Kontrolle, klare Verantwortlichkeiten und echte Konsequenzen – auch wenn es wirtschaftlich unbequem wird.
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