17.06.2026
Phuket
Phukets Gouverneur - 210 Tage - dann war schon wieder Schluss
Milliarden und Machtspiele: Insel der Touristen, Insel der Versetzungen
Der bisherige Gouverneur Nirat Pongsitthaworn hat jedenfalls einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt: Nach gerade einmal 210 Tagen im Amt wurde er bereits wieder nach Bangkok versetzt. Nicht etwa in den Ruhestand, sondern auf einen höher klingenden Posten als stellvertretender Staatssekretär im Innenministerium. Und was hatte er auf Phuket alles vor. Da sollten alte Seilschaften gekappt werden, die Taxi-Mafia gebremst, die russischen Geschäftsübernahmen gestoppt und korrupte Beamte "versetzt werden"...
Offiziell handelt es sich bei Gouverneur Nirat natürlich um eine Beförderung. In Thailand ist schließlich vieles eine Beförderung. Besonders dann, wenn jemand sehr plötzlich und überraschend an einen anderen Ort befördert wird. Damit endet eine Amtszeit, die kaum länger dauerte als manche Bauprojekte auf Phuket für ihre Genehmigungsphase benötigen.
Phuket und die erstaunliche Karriere von Sandsäcken
Der Hintergrund ist allerdings alles andere als gewöhnlich. Innerhalb weniger Wochen wurden auf Phuket gleich mehrere hochrangige Beamte versetzt oder aus ihren Positionen entfernt. Insgesamt traf es seit Ende Mai mindestens acht Spitzenbeamte.Zwei Vizegouverneure mussten gehen, weitere hohe Verwaltungsbeamte ebenfalls. Die Vorwürfe, die dabei im Raum stehen, lesen sich wie das Inhaltsverzeichnis einer klassischen Phuket-Dokumentation: Einflussreiche Persönlichkeiten, mutmaßliche Vorteilsnahme, Streitigkeiten um Land, Konflikte innerhalb der Verwaltung und allerlei Gerüchte über Beziehungen, Netzwerke und Machtspiele. Kurz gesagt: Es geht um Phuket.
Denn die Insel ist nicht nur ein Urlaubsparadies, sondern auch eine der reichsten Provinzen Thailands. Wo jedes Jahr Millionen Touristen Milliarden Baht ausgeben, entwickeln sich zwangsläufig auch sehr kreative Vorstellungen darüber, wer über welches Stück Land, welche Lizenz oder welche Genehmigung entscheiden darf.
Wenn der Sand im Schuh knirscht
Besonders bemerkenswert war die Erklärung des Innenministeriums. Der Staatssekretär verglich die Situation mit Sand im Schuh. Wenn Sand im Schuh sei, könne man nicht vernünftig laufen. Also müsse man den Schuh ausziehen, den Sand entfernen und danach weitermachen. Eine charmante Metapher.Allerdings drängt sich auf Phuket die Frage auf, ob hier lediglich ein paar Sandkörner entfernt werden oder ob man inzwischen den gesamten Schuh austauscht. Denn wenn innerhalb eines Monats acht Spitzenbeamte verschwinden, erinnert das weniger an Sand im Schuh als an eine komplette Strandreinigung.
Besonders pikant
Nur einen Tag vor der Versetzung des Gouverneurs kursierten in sozialen Medien Gerüchte, ein einflussreicher Mann auf Phuket habe genügend Einfluss, um den Gouverneur versetzen zu lassen. Premierminister Anutin reagierte zunächst mit sichtbarer Skepsis.„Wie sollte so etwas möglich sein?“, fragte er öffentlich.
Keine 24 Stunden später war die Versetzung vom Kabinett genehmigt. Man muss zugeben: Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung hätte selbst erfahrene Meteorologen überrascht.
Phuket bleibt Phuket
Offiziell betonen alle Beteiligten, dass es ausschließlich um Effizienz, bessere Zusammenarbeit und eine funktionierende Verwaltung geht. Und tatsächlich dürfte niemand bestreiten, dass Phuket besondere Herausforderungen mit sich bringt. Die Insel vereint gigantische Grundstückswerte, Tourismusmilliarden, internationale Investoren, Luxusprojekte, Strandgrundstücke, Hotelgenehmigungen und lokale Machtstrukturen auf engstem Raum.Anders gesagt: Wenn Thailand ein Monopoly-Spiel wäre, dann wäre Phuket das Feld mit den meisten Hotels, die Parkstrasse und Schlossallee.
Neuer Gouverneur, neues Glück
Nun übernimmt Chotinrin Kerdsom das Amt des Gouverneurs. Er bringt viel Verwaltungserfahrung mit und war bereits in mehreren südthailändischen Provinzen tätig.Ob damit auf Phuket wieder Ruhe einkehrt, bleibt abzuwarten und dass man innerhalb weniger Stunden schon einen neuen Gouverneur so zufällig an der Hand hatte, werden Europäer eher schwerlich verstehen Die Ermittlungen gegen verschiedene Beamte laufen jedenfalls weiter. Die Konflikte innerhalb der Verwaltung sollen ebenfalls noch nicht vollständig aufgearbeitet sein.
Für die Insel bedeutet das vor allem eines: Der politische Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen. Und für zukünftige Gouverneure könnte eine neue Regel gelten: Wer nach Phuket versetzt wird, sollte seinen Koffer vielleicht lieber nicht vollständig auspacken.
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