19.10.2025
Phuket
Phukets Tourismus-Boom - volle Kassen und trockene Leitungen
Warum Phukets andauernde Wasserkrise längst kein Zufall mehr ist
Phuket – Sonne satt, Strände traumhaft, Cocktails eiskalt – nur das Wasser aus dem Hahn bleibt aus. Auf Thailands glamouröser Touristeninsel, die jährlich mehr als 10 Millionen Besucher und geschätzte 2 Millionen Einwohner versorgen soll, steht wieder einmal vor einer Wassernot. Und wie jedes Jahr wird das mit einem kollektiven Schulterzucken hingenommen.
Diesmal war es Chalermpong Sangdee, Abgeordneter für den Wahlkreis Phuket 2, der im Parlament das Mikrofon ergriff und das Offensichtliche sagte: Phuket hat ein Wasserproblem. Wie er betonte, sei das keine Überraschung – schließlich passiert das „regelmäßig, wenn’s mal wieder nicht regnet“. Haushalte und Hotels müssen teures Privatwasser kaufen, manche lassen Tanks anrollen, andere stehen einfach trocken da.
Während Touristen im Infinity-Pool planschen, müssen Einheimische Eimer schleppen. Einige Unternehmen berichten von kaputten Pumpen und sinkender Kundenzahl – offenbar lässt sich schwer entspannen, wenn man beim Duschen nur noch betet, dass ein Tropfen fällt.
Phukets Wasserproduktion basiert auf drei Reservoirs und Privatwasser, was in der Theorie irgendwie funktioniert, in der Praxis aber so stabil ist wie eine Strandbar im Monsun. Die Wasserbehörde PWA will das Nass mittlerweile nach Rotationsplan verteilen: Montag bis Mittwoch fließt’s in Patong, Donnerstag bis Freitag in Kamala – und wer Pech hat, kriegt die Feiertage gratis dazu.
🚱 Großprojekte auf dem Papier, nicht im Rohr
Natürlich gibt es Pläne. Es gibt in Thailand immer Pläne. Der neueste Hoffnungsträger heißt Phang Nga–Phuket Water Link (Phase 1) – genehmigt, finanziert, aber derzeit noch im gemütlichen Beschaffungsstadium. Fertigstellung in drei Jahren, sofern keiner vergisst, das Formular zu unterschreiben.In der Zwischenzeit wird improvisiert: Mobile Filteranlagen, Zukauf aus privaten Quellen, ein paar betende Ingenieure – fertig ist die Übergangslösung. Nur in Vierteln wie Ratsada funktioniert selbst das kaum. Dort sorgt schon ein Stromausfall dafür, dass kein Tropfen mehr kommt. Generatoren sind beantragt, aber natürlich noch nicht genehmigt – Bürokratie ist schließlich auch eine thailändische Spezialität.
🧾 Geld da, Leitung leer
Ironischerweise schwimmt Phuket in Geld – nicht in Wasser. Die Insel spült dem Staat jährlich Milliarden Baht in die Kassen, aber die Wasserleitungen stammen teilweise aus einer Zeit, als Touristen noch mit der Fähre aus Penang kamen.Laut Chalermpong fehlen der PWA Personal und Budget, um Lecks zu finden und zu reparieren. Ein Regierungsprojekt, das eine private Firma zur Leckerkennung engagieren sollte, steckt seit zwei Jahren fest. Warum? Niemand weiß es. Vielleicht läuft auch dort das Wasser in die falsche Richtung.
Als wäre das alles nicht genug, buddeln sich die Behörden gegenseitig die frisch asphaltierten Straßen wieder auf – erst baut die Stadt, dann kommt die Wasserbehörde und legt neue Rohre. Ergebnis: Geld weg, Asphalt kaputt, Vertrauen verdunstet.
Der Abgeordnete Chalermpong wagte am Ende zwei freche Fragen:
1. Gibt es überhaupt einen nachhaltigen Plan für Phukets Wasserversorgung?
2. Und wann gibt’s endlich Geld für echte Lösungen statt Pressemitteilungen?
Die Antwort steht aus – vermutlich, bis es wieder regnet.
Phuket ist das perfekte Symbol für Thailands infrastrukturelle Schizophrenie: Millionen Touristen, Milliarden Einnahmen, aber kein Wasser aus dem Hahn. Während sich die Regierung in Bangkok mit dem nächsten „Masterplan“ schmückt, füllen die Bewohner von Chalong, Kamala und Ratsada wieder Kanister.
Quellen: NNT, Phuket News, Thaiger
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