07.08.2026
Phuket
Phukets wundersame Geisterstraße - zur Kontrolle sind alle verschwunden
Vierzig Ladenbesitzer scheinen kollektiv einen freien Tag eingelegt zu haben
Mehr als 40 Geschäfte, Restaurants, Cafés, Gästehäuser, Elefantencamps und andere Tourismusbetriebe sollten von einem Großaufgebot thailändischer Behörden überprüft werden. Der Verdacht: Zahlreiche Betriebe könnten auf geschütztem Waldgebiet errichtet worden sein oder verfügen möglicherweise nicht über die erforderlichen Nutzungsrechte.
Soweit die Theorie. In der Praxis bot sich den Beamten allerdings ein Bild, das selbst eingefleischte Krimifans überraschen dürfte. Wo sonst der Verkehr stockt, herrschte plötzlich Friedhofsruhe
Normalerweise reihen sich entlang der kurvenreichen Bergstraße Souvenirläden, Cafés und Restaurants dicht an dicht. Touristen schlendern zwischen Kokosnüssen, Mangoshakes und Aussichtsterrassen umher, Roller hupen sich den Weg frei und irgendwo verkauft garantiert jemand ein T-Shirt mit "I ❤️ Phuket". Gestern dagegen? Nichts. Gar nichts.
Geschlossene Rollläden. Verriegelte Türen. Verlassene Cafés. Restaurants ohne Gäste. Manche Gebäude waren sogar mit großen Schattierungsnetzen verhängt – fast so, als wollte man sie möglichst unauffällig aussehen lassen. Wahrscheinlich wird das reiner Zufall gewesen sein. Da hatte sich einfach jeder einzelne Betreiber exakt denselben Tag für Betriebsferien ausgesucht. Wenn halb Phuket gemeinsam Urlaub macht...
An der Großkontrolle beteiligten sich unter anderem das Forstamt, die Nationale Antikorruptionsbehörde, Polizei, Kriminalpolizei, Marine, Sicherheitsbehörden sowie weitere staatliche Stellen. Mehr Behörden gleichzeitig auf einem Berg dürfte Phuket nur selten erlebt haben.
Doch ausgerechnet an diesem Tag schien die komplette Geschäftsstraße wie ausgestorben. Böse Meschen könnten jetzt denken, irgendwo hätte jemand eine Nachricht verschickt mit dem Betreff: "Heute lieber nicht öffnen..." Aber selbstverständlich wäre das reine Spekulation. Phukets Beamte lassen sich jedenfalls davon nicht im Geringsten beeindrucken.
Denn wer nun glaubte, ohne Betreiber könne auch nichts kontrolliert werden, lag völlig daneben. Die Behörden erklärten unmissverständlich: Für eine Kontrolle müsse niemand anwesend sein. Fehlen Eigentümer oder Betreiber, werden die Grundstücke trotzdem vermessen, GPS-Daten erfasst, Beweise gesichert und sämtliche Unterlagen dokumentiert. Sollten keine gültigen Eigentumsnachweise oder Genehmigungen vorgelegt werden können, drohen Beschlagnahmungen sowie Nutzungsverbote.
Kurz gesagt: Die Kontrolle findet statt – auch wenn der Besitzer gerade "ganz zufällig" nicht da ist.
Etwas wirkungsvoller war der Urlaub der Geschäftsleute für die Beamten der PMA. Jahrzehntelang verpachtet – doch wo sind die Verträge? Nach Angaben der Antikorruptionsbehörde hatten zahlreiche Geschäfte ihre Flächen über Mietverträge mit der Stiftung gepachtet, welche den B ig-Buddha-Komplex über Jahrzehnte verwaltete.
Das Problem: Da sämtliche Geschäfte geschlossen waren, konnten die Ermittler weder Mietverträge noch andere Unterlagen einsehen. Unglücklicher kann ein Zeitpunkt kaum sein.
Teil einer größeren Aktion
Die Razzia am Big Buddha ist übrigens nur ein Baustein der groß angelegten Kampagne „Reclaiming Phuket Forests“, mit der die Behörden gegen mutmaßliche illegale Bebauung geschützter Waldflächen vorgehen. Parallel wurden auch Gebiete am Nui Beach, beim Karon Viewpoint, in Baan Krathing sowie auf Koh Kaew Yai überprüft. Im Mittelpunkt stehen dabei Grundstücke, auf denen möglicherweise ohne rechtliche Grundlage gebaut oder wirtschaftlich gearbeitet wird.Fortsetzung folgt
Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Allein entlang der Straße zum Big Buddha wollen die Behörden rund 40 gewerblich genutzte Grundstücke überprüfen. Wohnhäuser werden anschließend einzeln bewertet. Ob beim nächsten Besuch der Kontrolleure wieder zufällig überall geschlossen ist? Man weiß es nicht.Fest steht nur: So eine spontane, nahezu flächendeckende Betriebsruhe erlebt man selbst in der Nebensaison nicht alle Tage. Und falls wirklich alles völlig legal sein sollte, dürften sich die Betreiber beim nächsten Termin vermutlich freuen, ihre Unterlagen endlich persönlich vorzeigen zu können. Oder vielleicht findet der nächste gemeinsame "Ruhetag" ja wieder genau am Kontrolltag statt – Zufälle soll es schließlich geben. 😉
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