14.05.2026
Wirtschaft
Premier gegen illegale Geschäfte von Ausländern
Koh Phangan geht gegen illegale Nominee-Geschäfte und Strandbesetzungen vor
Premierminister Anutin Charnvirakul reiste am Mittwoch nach Koh Phangan, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Seine Botschaft war deutlich: Thailand heißt ausländische Gäste willkommen, die legal reisen, Geld ausgeben und sich an die Regeln halten. Nicht willkommen seien jedoch Ausländer, die über thailändische Nominees Geschäfte betreiben, Arbeitsplätze übernehmen oder öffentliche Flächen für private Interessen blockieren.
Im Zentrum stehen sogenannte Nominee-Strukturen. Dabei werden thailändische Staatsbürger offiziell als Anteilseigner oder Geschäftsführer eingesetzt, während das Geschäft tatsächlich von Ausländern kontrolliert wird. Das ist besonders heikel, weil Thailand bestimmte Geschäftsbereiche und Landbesitz für Ausländer stark beschränkt. Auf dem Papier sieht dann alles schön thailändisch aus – in der Praxis sitzt der eigentliche Chef aber oft ganz woanders. Oder eben direkt nebenan in der Poolvilla.
Warum Koh Phangan jetzt unter Druck steht
Koh Phangan hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Aus der früher eher alternativen Backpacker- und Partyinsel wurde ein internationaler Hotspot mit Villen, Resorts, Cafés, Yoga-Zentren, Kindergärten, Motorbike-Verleihern, Immobilienprojekten und digitalen Nomaden aus aller Welt. Das bringt Geld, Jobs und Leben auf die Insel – aber eben auch Probleme.Nach aktuellen Berichten fanden Behörden auf Koh Phangan 4.761 registrierte Unternehmen, davon 3.213 mit ausländischer Beteiligung. Das entspricht rund 67,48 Prozent. Für Koh Samui und Koh Phangan zusammen wurde von mehr als 11.000 Firmen mit ausländischen Investmentbezügen berichtet.
Das ist nicht automatisch illegal. Ausländische Investitionen sind erlaubt und für den Tourismus wichtig. Problematisch wird es aber, wenn ausländische Eigentümer thailändische Namen nur als Fassade nutzen, um verbotene Geschäftsfelder zu kontrollieren, Land indirekt zu halten oder ohne passende Genehmigung Hotels, Villen, Schulen, Verleihe oder andere Betriebe zu führen.
Genau dort greifen die Behörden nun härter durch. Nach Berichten waren rund 300 Beamte aus Polizei, DSI, Einwanderungsbehörde und Landbehörden an größeren Kontrollen beteiligt. Im Fokus standen Firmen, Grundstücke, Hotels, Villen und Anwaltsstrukturen, die mit verdeckter ausländischer Kontrolle in Verbindung gebracht werden.
Israelis, Russen und andere Gruppen im Fokus
In thailändischen Medien werden bei den jüngsten Fällen besonders häufig israelische und russische Akteure genannt. Das sollte man sauber einordnen: Es geht nicht darum, ganze Nationalitäten unter Generalverdacht zu stellen. Die allermeisten Touristen und Auswanderer verhalten sich legal. Aber bei mehreren konkreten Fällen tauchten eben diese Gruppen auffällig oft auf.Bei israelischen Netzwerken ging es unter anderem um angeblich illegal betriebene Hotels, Villen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Anfang Mai wurde auf Koh Phangan ein nicht genehmigtes Kinderzentrum kontrolliert, in dem 89 israelische Kinder gefunden wurden; Behörden prüften dabei unter anderem Arbeitsgenehmigungen und die Zulassung der Einrichtung. Bereits im April waren laut Khaosod zwei illegal betriebene Kindertagesstätten mit israelischem Bezug geschlossen worden.
Auch bei illegalen Hotel- und Nominee-Fällen wurden israelische Beteiligungen genannt. Thairath berichtete etwa über eine von Anutin besuchte Poolvilla, bei der ein israelischer Eigentümer über thailändische Nominees im Hintergrund gestanden haben soll. Bei früheren Razzien auf Koh Phangan wurden ebenfalls israelische Verdächtige im Zusammenhang mit nicht genehmigten Hotelbetrieben genannt. Bei russischen Fällen ging es unter anderem um ein großes Fahrzeugvermietungsnetzwerk. Khaosod berichtete im Oktober 2025 über eine Razzia gegen ein von Russen betriebenes Mietwagen- und Motorradnetzwerk auf Koh Phangan, bei dem rund 400 Motorräder und Autos beschlagnahmt wurden. Auslöser waren Beschwerden von Touristen, deren Pässe einbehalten worden sein sollen.
Dazu kommen weitere Fälle, etwa illegal arbeitende Ausländer, mutmaßliche Drogengeschäfte, nicht genehmigte Hotels, irreguläre Bildungseinrichtungen und Betriebe ohne passende Lizenzen. Die Liste ist inzwischen lang genug, dass Bangkok offenbar nicht mehr sagen kann: „Ach, das ist nur Inselchaos mit Kokosnussduft.“
Strände gehören allen – nicht nur Hotels und Villen
Neben den Nominee-Geschäften sprach Anutin auch das Thema öffentliche Strände an. Seine Aussage war unmissverständlich: Strände gehören allen. Kein Hotel, keine Villa und kein privater Betreiber habe das Recht, einen Strandabschnitt einfach für sich zu beanspruchen.Das ist auf Thai-Inseln ein Dauerthema. Wer ein teures Resort oder eine Luxusvilla direkt am Meer besitzt, behandelt den Strand davor gern wie den eigenen Vorgarten. Liegen, Zäune, Schilder, private Security, „nur für Gäste“-Stimmung – und plötzlich steht der normale Besucher vor einem öffentlichen Strand und fühlt sich wie ein Eindringling. Anutin machte klar, dass solche Praktiken nicht akzeptiert werden sollen.
Geplant sind nun strengere Zonenregelungen und eine bessere Zusammenarbeit lokaler Behörden mit Forstbehörden und dem Department of National Parks. Ziel sei eine faire Nutzung der Flächen, ohne Natur und öffentliche Rechte zu beschädigen. Das klingt vernünftig – nun muss es nur noch die übliche thailändische Prüfung bestehen: Wird es auch umgesetzt, wenn die Kameras wieder weg sind?
Was sind die Ursachen?
Die Ursachen liegen nicht in einer einzigen Nationalität, sondern in einer Mischung aus Tourismusboom, teurem Land, schwacher Kontrolle und großen Schlupflöchern.Koh Phangan ist wirtschaftlich extrem attraktiv geworden. Wer dort früh Land, Villen oder touristische Infrastruktur kontrolliert, kann viel Geld verdienen. Gleichzeitig ist Landbesitz für Ausländer beschränkt, und viele Tätigkeiten sind für Ausländer nicht ohne Weiteres erlaubt. Das führt zu Konstruktionen, bei denen Thai-Nominees, Anwälte, Firmenmäntel und Beteiligungsstrukturen genutzt werden, um die Regeln zu umgehen.
Dazu kommt: Auf Inseln kennt man sich. Lokale Abhängigkeiten, informelle Absprachen, wirtschaftlicher Druck und manchmal auch klassisches Wegschauen machen Kontrollen schwierig. Wenn ein Betrieb Arbeitsplätze schafft, Miete zahlt und Kunden bringt, wird nicht immer sofort gefragt, ob die Struktur dahinter sauber ist. Jedenfalls nicht, solange niemand laut genug klagt.
Die Beschwerden kommen inzwischen aber von mehreren Seiten: lokale Unternehmer fühlen sich benachteiligt, weil sie gegen ausländisch kontrollierte Betriebe konkurrieren müssen; Anwohner fürchten, dass Inselräume, Strände und Infrastruktur übernutzt werden; Behörden sorgen sich um illegale Arbeit, Steuerverluste, Landfragen und Sicherheitsrisiken.
Die politische Botschaft
Anutin stellte seinen Besuch als Signal dar: Die Regierung will zeigen, dass sie Koh Phangan nicht aus der Hand gleiten lässt. Er forderte Bewohner auf, illegale Aktivitäten ohne Angst zu melden. Thailand wolle eine Insel, auf der Tourismus Einkommen bringt, aber die lokale Bevölkerung fair profitiert und nicht von verdeckten Geschäftsnetzwerken verdrängt wird.Das ist auch eine Imagefrage. Koh Phangan lebt vom Tourismus, aber die Marke „Trauminsel“ leidet, wenn Berichte über illegale Hotels, Nominee-Firmen, aggressive Geschäftsmodelle, Pass-Einbehaltungen, unlizenzierte Schulen oder private Strandansprüche zunehmen. Niemand bucht gern das Paradies, wenn es sich langsam wie ein rechtsfreier Immobilienbasar mit Palmen anfühlt.
Koh Phangan ist kein Einzelfall, sondern ein Beispiel für ein größeres Problem in Thailands Tourismusregionen. Ähnliche Debatten gibt es auf Phuket, Koh Samui und anderen beliebten Orten. Wo viel Geld, knapper Grund und internationaler Tourismus aufeinandertreffen, entstehen kreative Geschäftsmodelle. Manche sind legal. Andere sehen nur so aus.
Anutins Botschaft ist deshalb klar: Ausländer sind als Gäste, Investoren und Kunden willkommen – aber nicht als verdeckte Betreiber in Bereichen, die thailändisches Recht beschränkt. Und öffentliche Strände sind keine kostenlose Erweiterung für Hotels, Villen oder private Strandkönige.
Oder etwas lockerer gesagt: Koh Phangan darf gern international, bunt und lebendig bleiben. Aber wer auf der Insel Geschäfte macht, sollte nicht glauben, dass ein Thai-Name auf dem Papier, ein hübsches Firmenschild und ein Blick aufs Meer dauerhaft als Tarnkappe reichen.
Quellen: TheNation, KhaoSodTH
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