04.10.2026
Politik
Putin braucht Kanonenfutter - und sucht jetzt in Thailand
2,5 Millionen Baht und eine große Lüge - Russlands tödliches Angebot
Russlands verbrecherischer Krieg gegen die Ukraine läuft inzwischen so lange, dass offenbar nicht mehr nur in russischen Gefängnissen, armen Regionen des eigenen Landes und unter Migranten nach neuem Personal gesucht wird. Der Blick der Rekrutierer reicht mittlerweile bis ins sonnige Thailand.
Seit Ende September kursieren in sozialen Medien Anzeigen, die sich gezielt an thailändische Männer zwischen 20 und 58 Jahren richten. Angeboten wird ein einjähriger Vertrag mit den russischen Streitkräften. Und weil sich „Vielleicht wirst du anschließend in einem Schützengraben von einer Drohne gejagt“ marketingtechnisch vermutlich nicht ganz so gut macht, klingt das Angebot natürlich erheblich freundlicher.
2,5 Millionen Baht für ein Jahr, umgerechnet rund 65.000 Euro. Davon sollen 1,3 Millionen Baht bereits bei Vertragsabschluss fließen, anschließend 100.000 Baht monatlich. Flug nach Russland, Unterkunft und Verpflegung gibt es angeblich gratis obendrauf. Militärische Erfahrung? Nicht nötig. Russischkenntnisse? Ebenfalls nicht nötig. Nach dem Dienst winkt sogar die Möglichkeit, die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Kurz gesagt: All-inclusive auf Russisch. Nur beim Rückflug wird es möglicherweise kompliziert.
Keine Sorge, die Front ist ganz weit weg
Besonders beruhigend klingt das wichtigste Versprechen der Rekrutierer: kein Einsatz an der Front. Die Thais sollen stattdessen angeblich strategische Einrichtungen bewachen, in Logistik und technischer Unterstützung arbeiten, Sicherheitssysteme betreuen oder Aufgaben rund um Drohnen übernehmen. Zunächst soll es in eine Militäreinheit in der russischen Region Transbaikalien gehen – Tausende Kilometer von der Ukraine entfernt.Klingt beinahe wie ein etwas ungewöhnliches Auslandspraktikum. Nur gibt es einen kleinen Schönheitsfehler. Nach Berichten über Gespräche mit den Rekrutierern kann vor Vertragsabschluss weder eine konkrete Einheit noch die spätere Tätigkeit garantiert werden. Українські Національні Новини (УНН)
Man unterschreibt also zunächst einen Vertrag mit der russischen Armee – und erfährt anschließend genauer, was die russische Armee mit einem vorhat. Was könnte da schon schiefgehen?
Amnesty kennt dieses Geschäftsmodell bereits
Erst am 10. September 2026 veröffentlichte Amnesty International eine umfangreiche Untersuchung über Russlands Rekrutierung ausländischer Staatsbürger. Die Menschenrechtsorganisation untersuchte Fälle aus Brasilien, Kolumbien, Kuba, Ägypten, Sierra Leone, Sri Lanka, Somalia und Südafrika.Das Muster klingt bemerkenswert vertraut. Versprochen wurden gut bezahlte zivile Jobs, Tätigkeiten als Fahrer, Koch oder Wachmann sowie Arbeit in Logistik, Bau oder IT. Andere wurden mit hohen Gehältern, Aufenthaltsrechten oder der Aussicht auf die russische Staatsbürgerschaft gelockt. Amnesty International
Und dann kam für manche die kleine Änderung im Stellenprofil.
- Statt Küche: Front.
- Statt Logistik: Kampfgebiet.
- Statt Traumgehalt: teilweise gar kein Geld.
Reisepass weg, Telefon weg – willkommen im neuen Job
Andere von Amnesty dokumentierte Fälle sind noch düsterer.Rekruten berichteten, dass ihnen Pässe und Mobiltelefone abgenommen wurden. Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt, Verträge wurden teilweise in einer Sprache unterschrieben, die die Betroffenen nicht verstanden. Wer anschließend feststellte, dass der angebliche Job vielleicht doch nicht ganz den Stellenanzeigen entsprach, konnte keineswegs einfach bei HR kündigen und seinen Resturlaub einreichen.
Ein brasilianischer IT-Spezialist berichtete Amnesty, er habe ursprünglich einen gut bezahlten Technikjob erwartet. Als er später seinen Kommandeur fragte, ob er gehen könne, sei ihm Gefängnis oder der Tod angedroht worden. Die meisten von Amnesty untersuchten Rekruten seien nach lediglich rund zwei Wochen Ausbildung in aktive Kampfgebiete geschickt worden – teilweise schlecht ausgerüstet und ohne ausreichende Möglichkeit, überhaupt mit ihren russischen Vorgesetzten zu kommunizieren.
Amnesty spricht deshalb nicht einfach von zweifelhaften Arbeitsverträgen. Die Organisation kommt zu dem Ergebnis, dass die russischen Praktiken in vielen dokumentierten Fällen den Tatbestand des Menschenhandels nach dem Palermo-Protokoll der Vereinten Nationen erfüllen können. Amnesty International
Besonders widerwärtig ist, wen dieses System offenbar bevorzugt ins Visier nimmt. Amnesty beschreibt eine gezielte Rekrutierung von Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Ländern des Globalen Südens sowie von Migranten und Flüchtlingen in Russland, die sich in einer prekären Situation befinden. Menschen also, für die ein versprochenes Jahresgehalt von 2,5 Millionen Baht eben nicht nur „ganz ordentlich“, sondern möglicherweise lebensverändernd klingt.
Amnesty formuliert es drastisch: Russland fülle seine Reihen mit wirtschaftlich verletzlichen Ausländern auf und benutze sie als „cannon fodder“ – Kanonenfutter. Die Organisation spricht inzwischen von Tausenden ausländischen Staatsangehörigen, die Russland für seinen Krieg rekrutiert hat. Eine von Euronews zitierte ukrainische Erfassung kam bis April sogar auf 28.391 identifizierte ausländische Staatsangehörige aus 136 Ländern, die in russischen Streitkräften gekämpft haben sollen; nordkoreanische Soldaten sind darin nicht enthalten.
Und jetzt also Thailand
Noch ist völlig offen, wie viele Thailänder tatsächlich auf die Anzeigen reagiert, Verträge unterschrieben oder sich bereits auf den Weg nach Russland gemacht haben.Auch gibt es bislang keinen Beleg dafür, dass jeder thailändische Rekrut getäuscht oder anschließend an die ukrainische Front geschickt würde.
Ebenso sind die 2,5 Millionen Baht zunächst ein Versprechen der Werber, keine Garantie dafür, dass dieses Geld tatsächlich vollständig oder überhaupt ausgezahlt wird. Amnesty dokumentiert bei ausländischen Rekruten ausdrücklich Fälle, in denen versprochene Gehälter und Prämien teilweise oder vollständig ausblieben.
Gerade deshalb wirkt das neue Thailand-Angebot so zynisch. Denn die Versprechen ähneln erstaunlich genau jenen, vor denen Menschenrechtsorganisationen gerade warnen:
Gutes Geld. Sichere Tätigkeit. Kein Fronteinsatz. Keine Erfahrung nötig. Unterkunft inklusive. Und als Bonus vielleicht noch ein russischer Pass. Man könnte es für Satire halten, wenn nicht Menschen aus anderen Ländern bereits erzählt hätten, wie ihre vermeintlich sicheren Jobs endeten.
Kommentar der Red.:
Erst unterschreiben – danach entscheidet Putins Armee
Natürlich kann jeder erwachsene Thai selbst entscheiden, ob er für eine ausländische Armee kämpfen möchte. Vorausgesetzt, er weiß auch, wofür er unterschreibt. Und genau da wird Russlands Angebot extrem schmutzig. Putins Krieg braucht weiter Menschen – und wenn 2,5 Millionen Baht in Thailand verlockend klingen, verkauft man das Ganze eben als gut bezahlten, angeblich sicheren Militärjob fern der Front.Das Prinzip: Erst unterschreiben, später sehen wir, wofür wir dich brauchen.
Besonders vertrauenerweckend ist das nicht. Amnesty International dokumentiert bei Russlands Rekrutierung von Ausländern falsche Jobversprechen, Täuschung, einbehaltene Dokumente und Zwang – bis hin zu Fällen, die nach Einschätzung der Organisation Kriterien von Menschenhandel erfüllen können.
Und nun also Thailand: Russischkenntnisse? Nicht nötig. Militärerfahrung? Nicht nötig. Garantierter Einsatzort? Offenbar auch nicht. - Hauptsache unterschreiben. Das Versprechen „kein Fronteinsatz“ sollte man dabei vielleicht ähnlich ernst nehmen wie Moskaus frühere Versicherungen, Russland habe gar nicht vor, die Ukraine anzugreifen. Denn das Kleingedruckte könnte am Ende nicht in Baht bezahlt werden – sondern mit dem eigenen Leben.
Es passt ins inzwischen bekannte Muster des Putin-Regimes: täuschen, drohen, Tatsachen verdrehen und Menschen dort ausnutzen, wo Armut oder Perspektivlosigkeit sie verwundbar machen – Hauptsache, andere bezahlen den Preis für Moskaus Kriegspolitik. Für den dreckigen Hinterhofmafioso und KGB-Agenten Putin spielen Menschlichkeit oder Resepekt keine Rolle.
Und spätestens hier wäre auch die thailändische Regierung gefragt: Sie sollte prüfen, wer hinter dieser Rekrutierung steckt, öffentlich vor den dokumentierten Risiken solcher russischen Anwerbemethoden warnen und verhindern, dass thailändische Bürger mit vollmundigen Versprechen in einen fremden Krieg gelockt werden.
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