12.10.2026
Verkehr
Raketen statt Reisefieber - Thailandflüge über Riad geraten ins Chaos
Tödliche Angriffe auf Flughafen Riad - was Thailandurlauber jetzt wissen müssen
Was zunächst nach einem weit entfernten Konflikt klingt, betrifft damit auch Reisende aus Deutschland. Denn Saudi-Arabien ist längst nicht nur ein Reiseziel für Geschäftsleute und Pilger, sondern auch ein Umsteigepunkt für vergleichsweise günstige Flüge nach Thailand.
Flughafen Riad mehrfach angegriffen – Sicherheitslage eskaliert
Am Samstag, dem 10. Oktober, traf ein schwerer Angriff den internationalen Flughafen von Riad. Nach Angaben internationaler Nachrichtenagenturen wurden mindestens zwölf Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Am Sonntag folgte bereits der nächste Angriff: Ein Geschoss traf Terminal 4, löste einen Brand aus und forderte ein weiteres Todesopfer sowie elf Verletzte.Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannten sich zu Angriffswellen auf den Flughafen. Auch andere Ziele in Saudi-Arabien, darunter der Flughafen Dammam und Einrichtungen der Energieindustrie, gerieten ins Visier. Die saudische Luftabwehr meldete weitere abgefangene Flugkörper.
Nach den Angriffen musste der Flughafen Riad seinen Betrieb einstellen. Beschädigt wurden Berichten zufolge unter anderem Kommunikations- und Radaranlagen. Auch die Start- und Landebahnen mussten überprüft werden. Eine verlässliche Wiederaufnahme des regulären Betriebs war zunächst nicht absehbar.
Für Passagiere bedeutet das: Selbst wenn das gebuchte Flugzeug völlig unbeschädigt ist, kann die Reise am Boden enden. Ohne funktionierende Flugsicherung und freigegebene Startbahnen geht nun einmal nichts – auch nicht mit einem Ticket nach Bangkok in der Tasche.
Welche Airlines sind betroffen?
Die Lufthansa Group hat ihre Verbindungen nach Riad vorerst bis einschließlich 16. Oktober ausgesetzt. Auch Emirates, Etihad Airways und weitere Fluggesellschaften haben Flüge in die saudische Hauptstadt gestrichen. SriLankan Airlines setzte ihre Riad-Verbindungen zunächst bis zum 18. Oktober aus.Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA hat ihre Warnungen für Teile des saudischen Luftraums ausgeweitet. Hintergrund sind die Gefahren durch Raketen, Drohnen, Luftabwehraktivitäten und herabfallende Trümmer.
Für Thailandreisende ist vor allem Saudia, die staatliche Fluggesellschaft Saudi-Arabiens, interessant. Sie verbindet deutsche Flughäfen mit Riad und Dschidda und bietet darüber hinaus Anschlussmöglichkeiten nach Südostasien. Dabei ist allerdings ein wichtiger Unterschied zu beachten: Nicht jeder Flug über Saudi-Arabien führt automatisch über Riad. Viele Verbindungen nach Thailand nutzen Dschidda als Umsteigeflughafen.
Diese Flüge sind von der Schließung in Riad nicht unmittelbar betroffen, können aber durch Flugplanänderungen, Sicherheitsmaßnahmen oder Umleitungen ebenfalls beeinträchtigt werden.
Welche Deutschland-Thailand-Flüge sind konkret betroffen?
Für Reisende aus Deutschland ist besonders die Verbindung von Frankfurt über Riad nach Bangkok relevant. Saudia fliegt beziehungsweise plant auf dieser Strecke regulär mit den Flugnummern SV180 und SV846. Die Flugpläne gelten jedoch nicht als Bestätigung, dass diese Flüge während der aktuellen Flughafenschließung tatsächlich stattfinden.- SV180 Frankfurt – Riad
Regulär Mo., Mi., Fr.; Anschluss nach Thailand gefährdet - SV846 Riad – Bangkok
Abflüge am 9. und 10. Oktober als gestrichen erfasst - SV844 Dschidda – Bangkok
Andere Route; Status separat prüfen
Die Saudia-Verbindungen von Frankfurt über Dschidda sowie von München über Dschidda müssen gesondert betrachtet werden. Dschidda liegt weit entfernt von Riad, ist aber keineswegs automatisch von sämtlichen Risiken ausgenommen. Wichtig für alle mit einer Thailandbuchung: Entscheidend ist nicht allein der Name der Airline, sondern der tatsächliche Umsteigeflughafen. Auf dem Ticket stehen die internationalen Flughafencodes RUH für Riad und JED für Dschidda.
Wer beispielsweise Frankfurt–Riad–Bangkok auf einem durchgehenden Ticket gebucht hat, sollte nicht eigenmächtig den ersten Flug verfallen lassen und hoffen, später irgendwie nach Thailand zu gelangen. Sinnvoller ist es, sich von der Fluggesellschaft eine bestätigte alternative Verbindung anbieten zu lassen.
Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Saudi-Arabien
Die deutsche Reisewarnung wurde inzwischen deutlich verschärft. Mit Stand vom 12. Oktober warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Saudi-Arabien insgesamt. Außerdem wird ausdrücklich vor der Nutzung des internationalen Flughafens Riad gewarnt.Das Ministerium weist darauf hin, dass weitere Angriffe auf Flughäfen möglich sind und der Flugverkehr auch an anderen saudischen Airports unregelmäßig und riskant ist. Reisende sollen geplante Reisen über die Region überprüfen, vor dem Weg zum Flughafen den aktuellen Status kontrollieren und gegebenenfalls ihre Fluggesellschaft kontaktieren.
Dabei ist wichtig: Eine Reisewarnung bedeutet nicht automatisch, dass jeder Flug über Saudi-Arabien verboten wäre. Sie ist aber ein ernst zu nehmender offizieller Sicherheitshinweis, der auch bei der reiserechtlichen Bewertung eine Rolle spielen kann.
Flug gestrichen – welche Rechte haben Thailandurlauber?
Hier kommt es darauf an, ob die Flüge als einheitliche Buchung oder auf getrennten Tickets gebucht wurden, ob es sich um eine Pauschalreise handelt und von welchem Flughafen die Reise startet.Flug ab Deutschland: Erstattung oder Ersatzbeförderung
Wer einen Flug von einem deutschen beziehungsweise europäischen Flughafen gebucht hat, fällt grundsätzlich unter die europäische Fluggastrechteverordnung EU 261/2004 – auch dann, wenn die ausführende Fluggesellschaft Saudia heißt.Wird der Flug annulliert, haben Passagiere grundsätzlich die Wahl zwischen Erstattung des nicht genutzten Tickets und einer anderweitigen Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Bedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Eine spätere Umbuchung nach Wunsch kann ebenfalls infrage kommen.
Bei einer einheitlichen Buchung Frankfurt–Riad–Bangkok ist dabei grundsätzlich Bangkok das Endziel. Die Airline kann ihre Verpflichtung also nicht einfach dadurch erfüllen, dass sie nur den ersten Flug nach Saudi-Arabien storniert.
Die europäische Fluggastrechteverordnung und die deutschen Pauschalreisevorschriften gelten dabei nebeneinander. Für Rückflüge von Thailand nach Deutschland mit einer nicht europäischen Airline wie Saudia gilt die EU-Fluggastrechteverordnung allerdings grundsätzlich nicht, sofern es sich um eine eigenständige Rückreise handelt. Andere vertragliche und nationale Ansprüche können trotzdem bestehen.
Was Thailandurlauber jetzt unbedingt beachten sollten
Wer in den nächsten Tagen oder Wochen über Saudi-Arabien nach Thailand reisen möchte, sollte vor allem Folgendes berücksichtigen:- Flugroute kontrollieren: Führt der Flug über Riad (RUH) oder Dschidda (JED)?
- Flugstatus unmittelbar vor Abreise prüfen: Nicht nur die erste Flugnummer, sondern auch sämtliche Anschlussflüge.
- Nicht vorschnell selbst stornieren: Erst schriftlich mit Airline oder Reiseveranstalter klären, welche Möglichkeiten bestehen.
- Umbuchung auf eine andere Route verlangen, wenn der gebuchte Flug annulliert wurde und entsprechende Ansprüche bestehen.
- Reisewarnung beachten: Das Auswärtige Amt warnt inzwischen vor Reisen nach Saudi-Arabien.
- Buchungsunterlagen und Belege sichern: Insbesondere bei zusätzlichen Hotelkosten, Ersatzflügen oder nicht genutzten Reiseleistungen.
- Bei aktuellen Flugstörungen helfen die Statusseiten der Fluggesellschaften, etwa Saudia, Lufthansa sowie Flightradar24
Flugtracker sind allerdings nur eine zusätzliche Informationsquelle; verbindliche Umbuchungen müssen mit der Airline oder dem Reiseveranstalter geklärt werden.
Unser Fazit: Wer derzeit einen Thailandflug über Riad gebucht hat, sollte dringend die Fluggesellschaft kontaktieren und eine alternative Verbindung prüfen. Für Reisende über Dschidda gilt ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit. Und wer erst jetzt einen Flug buchen möchte, sollte die Sicherheit des Umsteigeflughafens stärker gewichten als den letzten gesparten Euro beim Ticketpreis.
Denn ein günstiger Thailandflug ist schön. Noch schöner ist es allerdings, wenn man auch tatsächlich in Thailand ankommt.
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