Recycle, baby, recycle - Trumps unfreiwillige Umweltaktion in Thailand - Reisenews Thailand
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24.09.2026

Umwelt  

Recycle, baby, recycle - Trumps unfreiwillige Umweltaktion in Thailand

Vom Müll zum Rohstoff: Warum der Irankrieg Thailands Recycling ankurbelt

Recycle, baby, recycle - Trumps unfreiwillige Umweltaktion in Thailand - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Manchmal schreibt die Weltwirtschaft Geschichten, die sich ein Satiriker kaum schöner ausdenken könnte: Ausgerechnet Donald Trump, dessen Politik nun wirklich nicht für besondere Begeisterung über Umweltschutz und Klimapolitik bekannt ist, sorgt indirekt dafür, dass in Thailand mehr Plastikflaschen recycelt werden. Nicht etwa aus frisch entdeckter Liebe zur Kreislaufwirtschaft. Sondern über einen ziemlich teuren Umweg: Krieg, gestörte Lieferketten und steigende Preise für petrochemische Rohstoffe.

Der Krieg zwischen den USA und Iran hat seit Ende Februar erhebliche Auswirkungen auf die Energie- und Petrochemiebranche. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Lebensadern für Öl, Gas und petrochemische Rohstoffe. Störungen dort verteuern oder verknappen nicht nur Benzin und Diesel, sondern treffen auch die Kunststoffindustrie. In Thailand musste zeitweise sogar eine Olefinanlage in Rayong wegen fehlenden Naphthas und Propans die Produktion unterbrechen. - Und damit sind wir bei der Getränkeflasche.

Neues Plastik wird teuer – die alte Flasche plötzlich interessant

PET fällt schließlich nicht vom Himmel. Herkömmliches „Virgin PET“, also neu produzierter Kunststoff, basiert auf petrochemischen Rohstoffen. Werden Öl, Naphtha, Energie und Transporte teurer oder unsicherer, schlägt das irgendwann beim Kunststoffgranulat durch. Genau das ist 2026 passiert.

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Der Preis für neues PET stieg, während gleichzeitig Produzenten nach Alternativen suchten. Die Marktforscher von OPIS beobachteten bereits im März deutlich steigende Preise für recyceltes PET in Thailand. Hochwertige rPET-Flakes verteuerten sich innerhalb einer Woche beispielsweise von etwa 760–850 auf 800–860 US-Dollar pro Tonne, während rPET-Pellets schließlich bei bis zu 1.400 Dollar pro Tonne lagen. Als wichtigen Grund nennen Marktteilnehmer die höheren Preise für neues PET und Produktionsausfälle in der Petrochemie.

Auch S&P Global beschreibt den kuriosen Effekt des Nahostkriegs: Nachdem billiges neues Plastik Recyclingmaterial 2025 wirtschaftlich zunehmend unattraktiv gemacht hatte, drehte sich die Situation 2026 teilweise um. Lieferprobleme und steigende Preise für Neuware machten Recyclingkunststoff wieder konkurrenzfähiger. Gerade bei PET stieg die Nachfrage in Thailand, Malaysia und Indonesien so stark, dass zeitweise sogar gebrauchte Flaschen als Rohmaterial knapp wurden. Die alte Colaflasche ist plötzlich nicht mehr nur Müll – sondern Rohstoff.

Aus Pilotprojekt wird Produktion

Besonders anschaulich zeigt sich das derzeit in Südthailand. Der Coca-Cola-Abfüller HaadThip hatte 2025 gemeinsam mit Oxytech und Royce Universal die „Southern Recycling Alliance“ gestartet. Die Idee ist eigentlich wunderbar simpel: Gebrauchte PET-Flaschen werden in Südthailand gesammelt, sortiert, gereinigt und zu Flakes geschreddert. Daraus produziert Royce Universal in Nakhon Pathom lebensmitteltaugliche rPET-Pellets – und die kommen anschließend zurück ins HaadThip-Werk in Surat Thani.

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Das Pilotprojekt erreichte sein Ziel: Rund 100 Tonnen gebrauchte PET-Flaschen wurden bis zum zweiten Quartal 2026 zu neuem Flaschenmaterial verarbeitet. Nun wird daraus ein dauerhaftes kommerzielles System.

Und die Größenordnung verändert sich gewaltig: HaadThip hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 1.000 Tonnen rPET-Pellets bestellt. Das Unternehmen nennt dabei ausdrücklich die Volatilität des PET-Marktes infolge der Situation im Nahen Osten als einen Grund für den Ausbau. Damit bekommt Umweltschutz plötzlich einen mächtigen Verbündeten, der erfahrungsgemäß wesentlich überzeugender sein kann als jede Hochglanzbroschüre: Geld.

Solange frisch produziertes Plastik spottbillig ist, kann Recycling für Unternehmen vor allem eine Umweltverpflichtung sein. Wird Neuware teuer und unsicher, verwandelt sich Recycling dagegen in Versorgungssicherheit und handfestes Geschäftsinteresse.

Und Thailand legt noch eine ordentliche Schippe drauf

Dabei ist HaadThip nur ein Teil der Entwicklung. Im August wurde ein weiteres großes Recyclingprojekt angekündigt. Suntory will ab 2028 erstmals in Südostasien seine sogenannte Flake-to-Preform-Technologie kommerziell in Thailand einsetzen.

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Dabei werden gebrauchte PET-Flaschen zu Flakes verarbeitet und anschließend relativ direkt zu sogenannten Preforms – jenen kleinen Kunststoffrohlingen, aus denen später die fertigen Getränkeflaschen geblasen werden. Indovida Thailand, ein Gemeinschaftsunternehmen von Indorama Ventures und Iwatani, soll dafür eine Kapazität von Material für rund 400 Millionen vollständig recycelte PET-Flaschen pro Jahr aufbauen. Abnehmer wird Suntory PepsiCo Beverage Thailand. Das spart nicht nur fossile Rohstoffe, sondern verkürzt auch den Recyclingprozess.

Und die Ironie bleibt wunderschön: Ausgerechnet ein Präsident, der für seinen Kampf gegen Umwelt- und Klimaregeln bekannt ist, hilft unfreiwillig dabei, dass in Thailand mehr alte Plastikflaschen eingesammelt und wieder zu neuen Flaschen verarbeitet werden. Manchmal funktioniert Umweltschutz eben auf verschlungenen Wegen.

Donald wollte vermutlich „Drill, baby, drill“.
Thailand antwortet gerade: „Recycle, baby, recycle.“ 😁♻️
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