Rote Flagge? Egal - der Rettungsschwimmer darf hinterher - Reisenews Thailand
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24.08.2026

Rote Flagge? Egal - der Rettungsschwimmer darf hinterher

Wieder 2 Unfälle mit ignoranten Touristen auf Phuket

Rote Flagge? Egal - der Rettungsschwimmer darf hinterher - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Es gibt Situationen, bei denen man sich hinterher fragt, ob die Warnung vielleicht noch größer, deutlicher oder verständlicher hätte sein müssen. An Phukets Stränden lautet die Antwort derzeit wohl: kaum. Rote Flaggen stehen im Sand, Rettungsschwimmer sprechen Urlauber teilweise sogar persönlich an und erklären ihnen, dass das Meer wegen hoher Wellen und gefährlicher Strömungen momentan tabu ist. Und trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die anschließend seelenruhig ins Wasser marschieren.

Innerhalb von gerade einmal zwei Tagen mussten Phukets Lifeguards nun gleich zweimal ausrücken, weil ausländische Urlauber genau diese Warnungen ignorierten. Am Patong Beach war es ein Mann, der überzeugt war, ihm könne nichts passieren, weil er schließlich ein guter Schwimmer sei. Am Nai Thon Beach bestand eine Frau darauf, ins Wasser zu gehen, weil sie schließlich extra nach Thailand geflogen sei, um zu schwimmen.

Beide mussten kurz darauf gerettet werden. Die Frau wurde sogar bewusstlos aus dem Meer gezogen.

Rote Flagge? Egal - der Rettungsschwimmer darf hinterher - Wieder 2 Unfälle mit ignoranten Touristen auf Phuket Symbolfoto 1
Man kann solche Geschichten als kuriosen touristischen Leichtsinn abtun. Doch spätestens dann, wenn Rettungsschwimmer wegen dieser Ignoranz selbst in eine gefährliche Brandung hinausmüssen, hört die Geschichte auf, lustig zu sein. Denn wer eine rote Flagge bewusst ignoriert, setzt nicht nur das eigene Leben aufs Spiel. Er bringt auch diejenigen in Gefahr, die anschließend verpflichtet sind, ihn wieder herauszuholen.

Der gute Schwimmer vom Patong

Der erste Vorfall ereignete sich am 20. August am Patong Beach. Das Meer war aufgewühlt, die Wellen hoch und die Strömungen gefährlich. Deshalb hatten die Lifeguards rote Flaggen aufgestellt und warnten Badegäste davor, ins Wasser zu gehen. Eigentlich eine ziemlich eindeutige Situation. Ein ausländischer Tourist sah das allerdings anders. Obwohl ihn die Rettungsschwimmer ausdrücklich warnten, wollte er schwimmen gehen. Seine Begründung: Er sei ein guter Schwimmer.

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Das ist eine jener Aussagen, die Lifeguards vermutlich ungefähr so gerne hören wie Bergretter den Satz: „Keine Sorge, ich habe gute Schuhe.“ Denn die Frage, wie gut jemand unter normalen Bedingungen schwimmen kann, sagt wenig darüber aus, wie er mit starker Brandung, unerwarteten Wellen und vor allem einer kräftigen Rückströmung zurechtkommt. Der Mann ging also trotz Warnung ins Wasser. Wenig später wurde aus dem selbstbewussten Badeausflug eine Rettungsaktion. Wellen und Strömung erfassten ihn und er schaffte es aus eigener Kraft nicht mehr zurück an den Strand.

Nun mussten jene Menschen hinterher, deren Rat er kurz zuvor noch für überflüssig gehalten hatte. Die Lifeguards rückten mit einem Jetski und einem gelben Rescue Board aus, erreichten den Mann im Wasser und brachten ihn sicher zurück an Land. Die Sache ging glücklicherweise gerade nochmal gut aus. Man hätte die komplette Rettungsaktion allerdings auch vermeiden können, indem man einfach auf die Menschen gehört hätte, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als diesen Strand und das Meer zu beobachten.

Zwei Tage später am Nai Thon Beach

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Wer nun glaubt, das sei ein außergewöhnlicher Einzelfall gewesen, musste nur zwei Tage warten. Am 22. August herrschten am Nai Thon Beach ebenfalls gefährliche Bedingungen. Starke Wellen und Strömungen machten das Baden riskant, entsprechend standen auch dort rote Flaggen. Eine ausländische Touristin wollte trotzdem ins Meer.

Und diesmal blieb es offenbar nicht einmal bei einer allgemeinen Warnung durch die Flaggen. Die Lifeguards sollen die Frau persönlich angesprochen, ihr die Gefahr erklärt und versucht haben, sie vom Schwimmen abzuhalten. Ihre Antwort dürfte bei den Rettungsschwimmern für einiges Kopfschütteln gesorgt haben:
„I flew here because I wanted to swim.“ – „Ich bin hierher geflogen, weil ich schwimmen wollte.“

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Das kann man natürlich verstehen. Viele Menschen fliegen nach Phuket, weil sie Sonne, Strand und Meer genießen möchten. Nur hat der Indische Ozean leider keinen Zugriff auf den Buchungskalender der Airlines. Eine Flugreise nach Phuket beinhaltet weder Sonnengarantie noch ruhige See und schon gar keinen Anspruch darauf, dass das Meer genau an den gebuchten Urlaubstagen ungefährlich sein muss.

Die Frau ließ sich jedenfalls nicht umstimmen und ging trotz der Warnungen ins Wasser. Was danach passierte, war genau das, wovor die Lifeguards sie gewarnt hatten. Wellen und Strömung brachten die Touristin in Schwierigkeiten. Sie konnte sich nicht mehr selbst retten und die Rettungsschwimmer mussten ins Wasser. Als sie schließlich an Land gebracht wurde, war sie bewusstlos.

Die Frau wurde sofort versorgt und überlebte. Auch sie hatte enormes Glück.

Das Problem ist offenbar Alltag

Besonders bedenklich an beiden Fällen ist, dass sie für die Rettungsschwimmer offenbar keineswegs außergewöhnlich sind. Thanpisit Saengrat, ein im Bereich Bangla am Patong Beach stationierter Lifeguard, berichtet, dass Touristen praktisch täglich rote Flaggen ignorieren. Allein am Tag der Rettung des ausländischen Mannes hätten die Rettungsschwimmer bereits zwei entsprechende Vorfälle erlebt.

Urlauber würden immer wieder anfangen, mit den Lifeguards zu diskutieren mit typischen Aussagen wie:

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Und immer wieder versuchen sogar alkoholisierte Urlauber, trotz roter Flaggen ins Meer zu gehen. Spätestens hier wird aus Leichtsinn eine ziemlich gefährliche Mischung. Alkohol beeinträchtigt Reaktionsfähigkeit, Koordination und Urteilsvermögen – Eigenschaften, die man in starker Brandung eher dringend benötigt.

Patong Beach ist rund drei Kilometer lang. Entlang des Strandes gibt es etwa zehn Lifeguard-Stationen, die jeweils mit ungefähr drei bis vier Rettungsschwimmern besetzt sind. Diese Teams beobachten nicht einfach nur Badegäste unter Sonnenschirmen. Wenn etwas passiert, müssen sie innerhalb kürzester Zeit entscheiden, wie sie einen Menschen erreichen, der möglicherweise bereits erschöpft, panisch oder bewusstlos ist.

Bei ernsten Notfällen kommen Jetskis und Rettungsboards zum Einsatz. Anschließend müssen die Lifeguards gegebenenfalls Erste Hilfe leisten oder mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Und laut Thanpisit hatte es allein im Bereich Bangla innerhalb des vergangenen Monats bereits zwei tödliche Badeunfälle gegeben.

Die Warnungen sind also alles andere als theoretisch. Eine rote Flagge ist kein Dekorationsartikel.

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Vielleicht liegt ein Teil des Problems darin, dass manche Urlauber die roten Flaggen offenbar als eine Art unverbindliche Empfehlung betrachten. So nach dem Motto: Schwimmen heute nicht optimal, aber auf eigene Gefahr wird es schon gehen. Genau das bedeuten sie nicht.

Eine rote Flagge signalisiert gefährliche Badebedingungen. Je nach Strand können starke Brandung, hohe Wellen, Strömungen oder sogenannte Rip Currents auftreten. Gerade diese Rückströmungen werden häufig unterschätzt. Das Wasser, das durch die Brandung Richtung Strand gedrückt wird, muss wieder zurück ins Meer. An bestimmten Stellen konzentriert sich dieser Rückfluss zu einer vergleichsweise schmalen, aber kräftigen Strömung, die vom Ufer wegführt.

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Wer hineingerät, kann innerhalb kurzer Zeit vom Strand weggetragen werden. Das Heimtückische daran: Ein Rip Current muss von Land aus keineswegs besonders spektakulär aussehen. Dort können die Wellen sogar scheinbar etwas ruhiger wirken.

Und er zieht einen Menschen normalerweise auch nicht geheimnisvoll „unter Wasser“, wie manchmal behauptet wird. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Betroffene instinktiv versuchen, direkt gegen die Strömung zurück zum Strand zu schwimmen.

Sie schwimmen und schwimmen – kommen aber kaum näher. Der Puls steigt, die Kraft lässt nach, Panik setzt ein. Und irgendwann wird aus einem guten Schwimmer ein erschöpfter Schwimmer. Das ist der Grund, warum die Aussage „Ich bin ein guter Schwimmer“ keinerlei Garantie darstellt. Selbst trainierte Schwimmer können in starker Brandung und gefährlichen Strömungen in Schwierigkeiten geraten.

Und dann müssen die Lifeguards hinterher

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Der entscheidende Punkt wird bei Berichten über solche Vorfälle gerne übersehen. Natürlich kann jeder erwachsene Mensch beschließen, seine eigene Sicherheit nicht besonders ernst zu nehmen. Wer unbedingt ein Risiko eingehen möchte, wird sich davon häufig kaum abhalten lassen.

Doch bei einer Rettung im Meer trägt man die Konsequenzen eben nicht allein. Wenn jemand draußen in den Wellen um Hilfe ruft, können die Rettungsschwimmer schlecht am Strand stehen bleiben und sagen: „Wir haben Sie vorher gewarnt.“ ie müssen raus ins Meer. Sie müssen mit einem Jetski durch genau jene Wellen fahren, die zuvor als gefährlich eingestuft wurden. Oder sie müssen mit einem Rescue Board ins Wasser und sich selbst der Strömung aussetzen.

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Dann müssen sie einen Menschen erreichen, der möglicherweise in Panik geraten ist. Und panische Ertrinkende können für ihre Retter zusätzlich gefährlich werden. Wer Todesangst hat, handelt nicht mehr rational. Er versucht sich an allem festzuhalten, was erreichbar ist – im schlimmsten Fall am Rettungsschwimmer selbst. Aus einem bewusst ignorierten Warnhinweis wird damit plötzlich eine Situation, in der zwei Menschenleben oder sogar mehrere gefährdet sind.

Genau deshalb ist das Verhalten solcher Badegäste nicht einfach nur ein bisschen leichtsinnig oder besonders abenteuerlustig. Es ist gegenüber den Rettungskräften schlicht verantwortungslos. Rettungsschwimmer sind keine persönliche Vollkaskoversicherung.
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