Sieben Monate Trumps Irankrieg - Thailands Kampf gegen die Folgen - Reisenews Thailand
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15.09.2026

Wirtschaft  

Sieben Monate Trumps Irankrieg - Thailands Kampf gegen die Folgen

Öl, Medikamente, Plastik, Flugtickets: Wie Trumps Irankrieg Thailand trifft

Sieben Monate Trumps Irankrieg - Thailands Kampf gegen die Folgen - Reisenews Thailand - Symbolfoto 1

Thailand liegt mehr als 5.000 Kilometer vom Iran entfernt. Es hat diesen Krieg nicht begonnen, keine Raketen abgeschossen und keinerlei Interesse daran, dass die Straße von Hormus zum militärischen Nadelöhr der Weltwirtschaft wird. Die Rechnung bekommt das Land trotzdem präsentiert.

Seit der von Donald Trump geführte Krieg gegen Iran den Nahen Osten erschüttert, muss Thailand an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen – allerdings nicht mit Bomben und Marschflugkörpern, sondern mit Öltankern, Notfallreserven, neuen Lieferanten und hektisch umgebauten Lieferketten.

Die Regierung in Bangkok muss auffangen, was in Washington geopolitisch entschieden wurde. Und das betrifft längst nicht nur Benzin und Diesel. Es geht um Flugtickets, Medikamente, medizinische Produkte, Kunststoffe, Verpackungen, Industrieproduktion und am Ende um die Lebenshaltungskosten von rund 70 Millionen Menschen.

Willkommen bei der globalen Nebenwirkung von „America First“: Amerika entscheidet – andere dürfen die Rechnung sortieren.

Thailand Kunststoffindustrie hängt an Hormus

Für Thailand ist die Straße von Hormus keine weit entfernte Linie auf einer Landkarte. Durch diese Meerenge liefen große Teile der für Thailand bestimmten Öl- und Rohstofflieferungen aus dem Nahen Osten. Als der Krieg eskalierte und der Schiffsverkehr unsicher wurde, zeigte sich ziemlich schnell, wie abhängig die thailändische Wirtschaft von dieser Route ist.

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Besonders eindrucksvoll bekam das die Chemieindustrie zu spüren. SCG Chemicals musste im März den Betrieb einer Olefinanlage in Rayong zeitweise stoppen, weil wichtige Rohstoffe wie Naphtha und Propan nicht mehr zuverlässig ankamen. Naphtha klingt für Urlauber zunächst ungefähr so spannend wie eine Bedienungsanleitung für einen Kühlschrank. Tatsächlich steckt das Zeug aber indirekt überall: in Kunststoffverpackungen, Folien, Flaschen, Autoteilen, Elektrogeräten und zahlreichen medizinischen Produkten.

Im Mai erreichte schließlich ein Tanker mit 55.000 Tonnen Naphtha Thailand. Daraus konnten rund 20.000 Tonnen Kunststoffgranulat produziert werden. Ein zweiter Tanker mit weiteren 27.000 Tonnen steckte damals weiterhin hinter beziehungsweise im Umfeld der Hormus-Problematik fest. SCGC begann deshalb verstärkt, Rohstoffe aus alternativen Quellen zu beschaffen und die Versorgung des thailändischen Binnenmarktes zu priorisieren.

Ein Industrieland organisiert seine Rohstoffversorgung also plötzlich um, weil ein amerikanischer Präsident beschlossen hat, dass im Nahen Osten militärisch wieder einmal etwas „gelöst“ werden müsse.

Medikamente: Noch keine leeren Apotheken – aber Alarmbereitschaft

Noch ernster wird es, wenn aus Kunststoffgranulat plötzlich Infusionsbeutel, Spritzen, Verpackungen oder andere Medizinprodukte werden. Die thailändische FDA richtete wegen der Auswirkungen des Nahostkrieges ein Krisenmanagement ein und überwacht 84 besonders wichtige Arzneimittel und Medizinprodukte. Gleichzeitig wurden beschleunigte Verfahren eingerichtet, damit Hersteller und Importeure alternative Bezugsquellen nutzen können. Bis Anfang Juni waren bereits mehr als 6.000 Fast-Track-Anträge gestellt worden.

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Die gute Nachricht: Eine allgemeine Medikamentenknappheit gibt es bislang nicht. Die Bestände lagen nach Angaben der FDA oberhalb der Warnschwellen. Die weniger gute Nachricht: Thailand musste überhaupt erst ein solches Notfallsystem hochfahren, weil Transportkosten, Rohstoffe und Lieferketten durch einen Krieg gefährdet werden, mit dem das Land selbst praktisch nichts zu tun hat.

Und Bangkok baut seine Alternativen weiter aus. Die Thai FDA arbeitet beispielsweise enger mit China und Japan zusammen, um Lieferketten, Medizintechnik und pharmazeutische Zusammenarbeit breiter aufzustellen. Das ist vernünftig. Gleichzeitig zeigt es, wie schnell Trumps Politik einen interessanten Nebeneffekt produziert: Je unberechenbarer Washington wird, desto interessanter werden für asiatische Staaten alternative Partner.

Kraftstoff: Thailand legt einen riesigen Puffer an

Beim Treibstoff ist Thailand inzwischen regelrecht in den Hamstermodus auf Staatsebene gegangen. Das Energieministerium meldete am 12. September eine rechnerisch abgesicherte Ölversorgung von 116 Tagen: 25 Tage gesetzlich vorgeschriebene Reserven, 24 Tage kommerzielle Bestände, 36 Tage bereits auf dem Transportweg und weitere 31 Tage bestätigte Beschaffung - Das ist eine bemerkenswerte Leistung.

Thailand hat Lieferanten diversifiziert, Reserven erhöht, neue Transportwege organisiert und Raffinerien sowie Ölkonzerne in die Versorgungssicherung eingebunden. Mit anderen Worten: Während Trump Krieg führt, betreibt Thailand mit großem Aufwand Schadensbegrenzung.

Die Zapfsäulen sind deshalb nicht trocken. Aber Versorgungssicherheit bedeutet noch lange keine Preisstabilität. Wenn Rohöl, Raffinerieprodukte, Versicherungen und Tankertransporte teurer werden, landet die Rechnung irgendwann beim Verbraucher.

Und Diesel ist in Thailand eben nicht nur der Treibstoff für irgendeinen SUV. Diesel bewegt Lastwagen, Lieferfahrzeuge, Busse, Landwirtschaft und Teile des öffentlichen Verkehrs. Steigt Diesel dauerhaft, fährt die Inflation gewissermaßen gleich mit.

Der Tourismus bekommt die Rechnung aus der Luft

Für Thailand besonders schmerzhaft ist Kerosin. Der Tourismus lebt davon, dass jährlich Millionen Menschen mit dem Flugzeug ins Land kommen. Genau diese Flugzeuge brauchen Jet A-1 – und dessen Preis ist durch den Krieg erheblich unter Druck geraten.

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Die thailändische Luftfahrtbehörde CAAT stellte bereits im Mai fest, dass die Kerosinpreise trotz zeitweise sinkender Rohölpreise außergewöhnlich hoch geblieben waren. Als Gründe nannte sie unter anderem eingeschränkte Raffineriekapazitäten im Nahen Osten und Engpässe beim Transport von Rohöl nach Asien. Airlines reagierten international mit angepassten Flugplänen und teilweise geringeren Frequenzen.

Im August berichtete die CAAT weiterhin von Auswirkungen des Nahostkonflikts auf Jet-A-1-Preise, Betriebskosten, Flugangebot und Passagierzahlen. Thailand versucht sogar hier gegenzusteuern. Im Juli wurde erstmals in Thailand produzierter nachhaltiger Flugkraftstoff für einen Thai-Airways-Flug eingesetzt; inzwischen untersucht Thailand gemeinsam mit ICAO und Südkorea, welche heimischen Rohstoffe künftig stärker für SAF genutzt werden könnten. Aus einer Krise könnte damit immerhin etwas Sinnvolles entstehen: weniger Abhängigkeit von importiertem Öl.

Bemerkenswert ist, wie das Land darauf reagiert. Ölreserven werden ausgebaut. Bezugsquellen werden diversifiziert. Petrochemische Unternehmen suchen alternative Lieferanten. Die FDA beschleunigt Zulassungs- und Importverfahren. Die Luftfahrtbehörde koordiniert Gegenmaßnahmen. Thailand knüpft engere Lieferketten mit asiatischen Partnern und arbeitet an eigener SAF-Produktion.

Thailand wird den Irankrieg nicht beenden können. Es kann nur versuchen, seine Folgen möglichst weit von Tankstellen, Apotheken, Fabriken und Flughäfen fernzuhalten. Bislang funktioniert das erstaunlich gut. Die Regale sind voll, die Tankstellen haben Treibstoff und die Flugzeuge fliegen.


Kommentar der Red.:

Donald Trumps Politik erinnert inzwischen an einen betrunkenen Taxifahrer, der ständig die Richtung wechselt, dabei aber darauf besteht, als Einziger den Stadtplan verstanden zu haben. Heute Freund, morgen Feind, übermorgen „fantastic guy“ und am Donnerstag vielleicht wieder mit Sanktionen belegt. Außenpolitik nach dem Prinzip: erst drohen, dann bombardieren, anschließend einen „großartigen Deal“ verkünden – und falls das Ergebnis katastrophal wird, waren selbstverständlich die anderen schuld.

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Ob man Trumps Geisteszustand medizinisch beurteilen kann, sollten Ärzte entscheiden. Seine öffentlichen Auftritte, erratischen Kurswechsel und teilweise bizarren Aussagen liefern jedenfalls genügend Material, dass sich politische Beobachter darüber seit Jahren die Köpfe zerbrechen. Das eigentlich Erstaunliche ist aber nicht Trump selbst. Er macht schließlich ziemlich offen, was Trump eben macht. Erstaunlicher ist, dass eine der ältesten Demokratien der Welt offenbar keine wirksame politische Antwort auf einen Präsidenten findet, der internationale Beziehungen behandelt wie eine Mischung aus Realityshow, Immobilienverhandlung und persönlicher Racheakte.

„America First“ klingt dabei wunderbar griffig. Nur bedeutet Nationalismus leider selten, dass die Folgen an der Landesgrenze höflich anhalten.

Das bekommt gerade Thailand zu spüren.

Thailand hat Iran nicht angegriffen, keine Raketen abgeschossen und die Straße von Hormus nicht zum Krisengebiet gemacht. Trotzdem muss Bangkok Ölreserven aufbauen, Lieferanten wechseln, petrochemische Rohstoffe anderswo suchen, Medikamenten- und Medizinproduktketten absichern und höhere Kosten für Diesel, Benzin und Flugkerosin auffangen.

Trump macht Weltpolitik – Thailand macht Schadensbegrenzung. Das ist die hübsche Pointe des dümmlichen Populismus: Man erklärt komplizierte Probleme so lange zu einfachen Problemen, bis Millionen Menschen die komplizierten Folgen bezahlen dürfen. Ein paar markige Sätze, ordentlich Flaggen, ein bisschen „Wir gegen die anderen“ – fertig ist die politische Fast-Food-Mahlzeit. Die Rechnung kommt später.

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Und für ein Land wie Thailand ist diese Rechnung besonders bitter. Es lebt vom internationalen Handel, von bezahlbaren Transportwegen und nicht zuletzt von Millionen Flugreisenden. Steigt der Kerosinpreis, werden Flüge teurer. Steigt Diesel, steigen Transportkosten. Fehlen petrochemische Vorprodukte, trifft es Kunststoff-, Verpackungs-, Automobil- und Medizinindustrie. Am Ende bezahlt nicht „der Iran“, sondern der thailändische Unternehmer, der Taxifahrer, der Hotelier, der Fabrikarbeiter und der Urlauber.

Das Absurde daran: Ausgerechnet „America First“ könnte dazu führen, dass Thailand und andere asiatische Staaten lernen, Amerika weniger zu brauchen. Neue Lieferanten, neue Handelswege, mehr Kooperation innerhalb Asiens und größere strategische Reserven sind ziemlich logische Antworten auf einen Partner, bei dem niemand weiß, welche Politik nach dem nächsten Frühstück gilt.

Vielleicht wird das einmal Trumps dauerhaftester Beitrag zur Weltordnung: Er wollte Amerika wieder unverzichtbar machen – und brachte dem Rest der Welt bei, wie wichtig es ist, sich auf Amerika nicht mehr zu verlassen. Und die Amerikaner? Die dürfen weiterhin darüber streiten, ob das alles genialer Vierdimensional-Schach-Populismus ist oder ob jemand einfach ständig die Figuren vom Brett fegt.

Thailand hat diesen Luxus nicht.
Dort muss man anschließend die Figuren wieder einsammeln – und bezahlen.

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