07.08.2026
Bangkok
Sieben Tote bei Amoklauf an Schule in Nothaburi Bangkok
Erneute Bluttat mit Schusswaffen in Thailand erschüttert das Land
Mehr als 20 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer. Nach bisherigen Erkenntnissen verwendete der Jugendliche eine legal registrierte 9-mm-Pistole seines Großvaters. Ermittler fanden nach der Tat zahlreiche nicht verschossene Patronen, was darauf hindeutet, dass die Opferzahl möglicherweise noch deutlich höher hätte ausfallen können. Augenzeugen schilderten chaotische Szenen: Schüler verbarrikadierten sich in Klassenräumen, versteckten sich unter Tischen oder flohen aus den Gebäuden, während Einsatzkräfte die Schule weiträumig absperrten.
Zu einem endgültigen Motiv wollten sich die Ermittler zunächst nicht äußern. Nach Angaben der Behörden litt der Jugendliche jedoch unter erheblichem schulischem Stress und war bereits wegen psychischer Probleme bekannt. Regierungsvertreter erklärten zudem, dass der Leistungsdruck innerhalb der Familie eine Rolle gespielt haben könnte. Die Ermittlungen dauern an.
Der aktuelle Amoklauf reiht sich in mehrere schwere Schusswaffenverbrechen der vergangenen Jahre ein. Im Oktober 2022 erschoss ein ehemaliger Polizist in einer Kindertagesstätte in Nong Bua Lamphu 37 Menschen, darunter zahlreiche Kinder. 2023 tötete ein 14-Jähriger in einem Einkaufszentrum in Bangkok zwei Menschen. Im Februar erschoss ein 17-Jähriger an einer Schule in Hat Yai einen Mitschüler und verletzte zwei weitere Personen.
Obwohl Thailand vergleichsweise strenge Waffengesetze hat und für den legalen Erwerb von Schusswaffen Genehmigungen erforderlich sind, gelten Schusswaffen im Land als vergleichsweise leicht verfügbar. Experten verweisen dabei vor allem auf den umfangreichen Schwarzmarkt für illegale Waffen sowie auf Millionen legal registrierter Schusswaffen im Privatbesitz. Mit geschätzt 10,3 Millionen Schusswaffen beziehungsweise rund 15 Waffen pro 100 Einwohner weist Thailand die höchste zivile Waffenbesitzquote in Südostasien auf.
Nach dem aktuellen Amoklauf kündigte Ministerpräsident Anutin Charnvirakul deshalb erneut eine Verschärfung des Waffenrechts an. Geplant ist unter anderem, das öffentliche Tragen von Schusswaffen künftig weitgehend zu verbieten und nur noch diensthabenden Staatsbediensteten zu erlauben. Weitere Details des Gesetzesentwurfs sollen in den kommenden Wochen vorgestellt werden.
Die Debsirin Nonthaburi School bleibt zunächst geschlossen. Für Schüler, Angehörige und Lehrkräfte wurden Krisen- und Betreuungsteams eingerichtet. Gesundheits- und Bildungsministerium entsandten Psychologen an die Schule, um Betroffene bei der Verarbeitung der Ereignisse zu unterstützen.
Die Bluttat hat Thailand tief erschüttert. Während die Ermittlungen zum genauen Tatablauf und Motiv weiterlaufen, richtet sich der Fokus nun auf die Fragen, wie Jugendliche mit psychischen Problemen besser unterstützt werden können und wie der Zugang zu Schusswaffen künftig wirksamer kontrolliert werden kann.
Als Reaktion auf die Tragödie hat das thailändische Kabinett ein umfangreiches Hilfspaket für die Opfer und deren Angehörige beschlossen. Je nach Schwere der Folgen erhalten Betroffene finanzielle Unterstützung zwischen 100.000 und bis zu 1 Million Baht (rund 2.600 bis 26.000 Euro). Die Zahlungen sollen unter anderem Behandlungskosten, Rehabilitation sowie die unmittelbaren finanziellen Folgen der Gewalttat abfedern. Darüber hinaus kündigte die Regierung an, den Überlebenden, den Familien der Opfer sowie Schülern und Lehrkräften langfristige psychologische Betreuung und weitere Unterstützungsmaßnahmen zur Bewältigung des Traumas anzubieten.
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